Title: Die Baugruppe des Sultans Qalāūn in Kairo [Electronic Edition]

Title: Abhandlungen des Hamburgischen Kolonialinstituts,; Bd. 22.

Author: Herz, Max, 1856-1919
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Publisher: Rice University
Place of publication: Houston, Tx
Publication date: 2006
Identifier: TIMEA, HerBaug
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Source(s):

Title: Die Baugruppe des Sultans Qalāūn in Kairo

Author: Max Herz Pascha
File size or extent: 4 p. l., 54 p. 1 l. 35 pl. (incl. plans) on 18 l. 29 cm.
Place of publication: Hamburg
Publisher: L. Friederichsen & Co.
Publication date: 1919
Identifier: From the collection of Dr. Paula Sanders, Rice University.
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  • Architecture -- Egypt -- Cairo.
Revision/change: November 2006
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Die Baugruppe des Sultans Qalāūn in Kairo [Electronic Edition] Abhandlungen des Hamburgischen Kolonialinstituts,; Bd. 22.


Contents








Abhandlungen
des
Hamburgischen Kolonialinstituts
Band XXXXII

Reihe B. Völkerkunde, Kulturgeschichte und Sprachen
Band 22
Max Herz Pascha

Die Baugruppe des Sultans Qalāūn in Kairo

HAMBURG. L. FRIEDERICHSEN & CO. 1919



Die Baugruppe
des Sultans Qalāūn in Kairo

von
Max Herz Pascha

Alle Rechte vorbehalten.

Mit 35 Tafeln mit 46 Abbildungen.

HAMBURG. L. FRIEDERICHSEN & CO. 1919



Die „Abhandlungen des Hamburgischen Kolonialinstituts“ werden vom Professorenrat des
Instituts herausgegeben und erscheinen in folgenden Reihen:
  • A. Rechts- und Staatswissenschaften (auch politische Geschichte umfassend),
  • B. Völkerkunde, Kulturgeschichte und Sprachen,
  • C. Geographie, Geologie, Mineralogie und Paläontologie,
  • D. Zoologie und Botanik,
  • E. Angewandte Naturwissenschaften, Landwirtschaft und Technologie,
  • F. Medizin und Veterinärmedizin.
Sämtliche Zuschriften und Sendungen, die den Druck und die Herausgabe der Abhandlungen
betreffen, insbesondere sämtliche druckfertigen Manuskripte und reproduktionsfähigen Vorlagen bittet
man zu adressieren:
An die Redaktion der Abhandlungen des Hamburgischen Kolonialinstituts
Hamburg 36
Vorlesungsgebäude.
Druck von J. J. Augustin in Glückstadt und Hamburg.

Dem Andenken meines Sohnes Géza.
gestorben im 18. Lebensjahre,
17. September 1914.


Vorwort.

Aus der reichen Zahl der Baudenkmäler, welche den Ruhm Kairos bilden,
ragen die Moschee des Ibn Ṯūlūn, die Moschee el-Azhar, die des el-H̱ākim, el-Aqmar,
die Baugruppe des Qalāūn, die großartige Sultan Hasanmoschee und die des
Qāitbāi, gleich Marksteinen in der Entwicklungsgeschichte der islamischen Architekturin
Ägypten hervor. Qalāūns Schöpfung ist nicht die wichtigste, aberzweifelsohne
wegen der in der Madrasah und im Mausoleum enthaltenen, verschiedenen Kunstkreisen
angehörigen Gedanken und wegen der ältesten Qāʿah, die das Hospital
umschließt, eine der merkwürdigsten, wenn nicht die merkwürdigste von allen.
In ihr finden sich die bis dahin in Ägypten nur zerstreut auftretenden Elemente
der abendländischen und westislamischen Baukunst in überraschender Fülle vereinigt.
Letztere wurden bisher nicht gewürdigt; der dem Mausoleum innewohnende
Teilcharakter abendländischer Architektur ist schon dem ersten Zeichner kairener
Bauten, Pascal Coste, aufgefallen und nach ihm anderen, nicht dagegen der der
Madrasah, wo diese Eigentümlichkeit noch überraschender ist. Eine klare Feststellung
derselben war vor Inangriffnahme der Erhaltungsarbeiten, welche in
erster Linie die Entfernung der entstellenden Zutaten bezweckten, nicht möglich.
Dies war die Ursache, weshalb die in diesem Bändchen verwirklichte, langgehegte
Absicht so lange auf ihre Erfüllung warten mußte.
Das Comité de Conservation des Monuments de l'Art Arabe hatte in
dem Vierteljahrhundert seines Bestehens gar zu vielen Aufgaben gerecht zu werden,
als daß es der Baugruppe Qalāūns seine erschöpfende Fürsorge hätte angedeihen
lassen können. Vom Jahre 1903 wurden die Arbeiten am Mausoleum energisch
betrieben; 1913 wurden sie fertiggestellt und diejenigen an der Madrasah in Angriff
genommen. Ich konnte noch vor dem Sommer 1914 nicht nur jene Untersuchungen
anstellen, welche das Wesen der Madrasah erhellten und eine Richtschnur für die Arbeiten schufen, sondern deren größten Teil auch ausführen.
Dann kam der Krieg, der auch meiner dreiunddreißigjährigen Tätigkeit im
Waqfministerium ein Ende machte und zugleich die Form dieses Essays in gewisser
Hinsicht beeinträchtigte; denn meine Aufzeichnungen und Skizzen, die
Früchte einer Sammeltätigkeit vieler Jahre, sind in Kairo verblieben. Ein glücklicher
Zufall rettete einige photographische Aufnahmen herüber, andere, nebst
Auskünften, verdanke ich freundlicher Bereitwilligkeit. Allerdings habe ich diese
nicht dort gefunden, wo langjährige gemeinsame Arbeit und meine hingebenden
Unterweisungen ein Entgegenkommen hätte erwarten lassen dürfen. — Der
Krieg! — — — Um so mehr richtet sich mein Dank an Herrn Harry Farnall,
britischen Kommissär der ägyptischen Staatsschuldenkasse, so wie an meinen Kollegen
und langjährigen Freund Somers Clarke, die nach Möglichkeit meinen Wünschen
entgegenkamen. Auch Herrn Max van Berchem, der stets bereit ist, die Schätze
seines Wissens und seiner Sammlungen anderen zur Verfügung zu stellen, Herrn
Professor J. J. Hess, der mit seinen Ratschlägen und seiner gastfreundlichen
Bibliothek den Mangel meiner eigenen ersetzte, mein verbindlichster Dank, den
ich auch Herrn Schriftsteller Hans Ebhardt zolle für die Mühe des Korrekturlesens,
der er sich in freundschaftlicher Weise unterzog.
Es war dem Verfasser nicht mehr vergönnt, die Fertigstellung seines Buches
zu erleben, und die Redaktion der Abhandlungen war deshalb genötigt, unter
sachverständigem Rat die letzte Durchsicht der Druckbogen ohne seine Mitwirkung
zu erledigen.

Inhalt.

Seite
Vorwort VII
A. Geschichtiches.
    1. Einleitung 1
    2. Geschichte des Sultans Qalāūn 2
    3. Kunstgeschichtliche Notiz 6
B. Das Mausoleum.
    4. Seine Geoschichte nach Maqrīzī 14
    5. Anlage und baulicher Charakter 18
    6. Die Erhaltungsarbeiten 21
    7. Auszüge aus den Sitzungsberichten des Comités 23
C. Die Madrasah.
    8. Ihre Geschichte nach Maqrīzī 24
    9. Anlage und baulicher Charakter 24
    10. Die Erhaltungsarbeiten 29
    11. Auszüge aus den Sitzungsberichten des Comités 31
D. Den Māristān.
    12. Die Māristāne in Ägypton 32
    13. Geschichte des Māristān el-Mans̱ūrī nach Maqrīzī 34
    14. Anlage und Architektur 42
    15. Auszüge aus den Sitzungsberichten des Comités 45
Verzeichnis der benutzten Werke 53
35 Tafeln mit 46 Abbildungen am Schlusß des Buches.

1

A. Geschichtliches.

1. Einleitung.

Ägypten, im achtzehnten Jahre (640 n. Chr.) des Islam dem neuentstandenen
Reiche erobert, hatte schon vor dem zersetzenden Angriffe der Horden Hulagus
im 13. Jahrhundert wiederholte Versuche gemacht, sich von dem weitgrenzigen
Reiche des Chalifates unabhängig zu machen. Das erste Mal war es der Statthalter
Aẖmed ibn Ṯūlūn, der im Jahre 868 n. Chr. die Bande politischer Zugehörigkeit
lockerte; doch hatte seine Dynastie nur kurze Dauer, denn sie erlosch
schon nach siebenunddreißig Jahren mit seinem Sohne Šaibān. Der zweite Versuch,
unternommen im Laufe desselben Jahrhunderts, von einem anderen Statthalter,
der die Dynastie der Iḫšīditen gründete, hatte nicht einmal die Dauer
des vorigen.
Doch waren es innere Ursachen, die den beiden Unternehmungen so kurze
Dauer bereiteten und nicht die Folge einer Gegenwirkung des Hofes von Bagdad,
denn die Chalifen waren nicht mehr die gefürchteten Herren, seitdem sie die
strengen Sitten der Eroberungsperioden gegen die üppige Lebensweise von Byzanz
und des vernichteten Hofes der Sasaniden eingetauscht hatten. Die Macht,
separatistische Absichten zu unterdrücken, fehlte ihnen, und militärisch gegen
das durch die Wüste von Syrien geschützte Ägypten vorzugehen, wäre zu jeder
Zeit ein kühnes Unternehmen gewesen.
Das Jahr 969 n. Chr. sollte dann über das Schicksal Ägyptens entscheiden,
nachdem es den Fatimiden gelungen war, vom Norden Afrikas kommend, das
Land endgültig zu erobern. Ihr Erfolg war für das Chalifat um so schmerzlicher,
als es zugleich mit der weltlichen auch die geistliche Macht in Ägypten
einbüßen mußte; denn die Fatimiden waren wie die Perser Schiiten, die ein
tiefer religiöser Spalt von den arabischen Sunniten trennte. Dies mußte natürlicherweise
auf das politische Grebiet um so schärfer zurückwirken. Von nun an
ging Ägypten seinen eigenen politischen Weg, auch dann noch, als nach
zweihundert Jahren die tatkräftige Dynastie der Ayyubiden, unter denen
die ritterliche, im Abendlande wohlbekannte Gestalt Saladins emporragt, den
Thron der Sultane in Ägypten errichtete. Mit dem Regierungsantritte der Ayyubiden
wird allerdings der Schiah in diesem Lande ein Ende gemacht. Saladins
Bestreben war auf die Wiederherstellung des orthodoxen Glaubens gerichtet,
wodurch er das allerdings sehr gelockerte religiöse Verhältnis zum Chalifate
wieder herstellte, was ihm und seinen Nachfolgern in den Augen der islamischen
Welt den Schein einer gewissen Legitimität verliehen hat. Dieses Bestreben
verfolgten auch die sogenannten Mamlukensultane, die im Jahre 1250 die
Dynastie der Ayyubiden ablösten. Es ist eine eigentümliche Erscheinung in der

Geschichte, diese Reihe von Herrschern, welche uns unter jener Bezeichnung
entgegentreten. Mamlūk will sagen Sklave (Eigentum), und diesem niederen
Stande gehörten die meisten der neunundvierzig Sultane ursprünglich an, die
von 1250 bis 1517 die Geschicke Ägyptens leiteten.
Das Mamlukenwesen entstand aus der Gewohnheit der Machthaber, sich
mit einer treuen Leibwache zu umgeben, die sie „H̱alqah“, Gürtel, nannten,
denn wie ein solcher sollte er ihre Person umfassen und ihr Schutz und Sicherheit
gewähren. Unter den Ayyubiden war es besonders der letzte Sultan es̱-S̱āliẖ,
der solche Sklaven in bedeutender Zahl erwarb. Auf den Sklavenmärkten Georgiens,
Mingreliens und des Kaukasus erstanden, wurden die jungen Mamluken in Ägypten
mit Vorliebe der Leibwache eingereiht, von der sie in den Waffenkünsten Unterricht
erhielten. Aber auch in anderen Zweigen der Kultur konnten sie sich ausbilden
und nicht nur militärische, sondern oft auch administrative und politische
Missionen wurden den „Emīren“ aufgetragen. Dies war besonders der Fall,
seitdem der letzte Äyyubide unter dem Dolchstoß eines seiner Mamluken fiel
und damit die Ära ihrer Macht in Ägyptens Geschichte einsetzte.
Ohne dynastische Vergangenheit, sich nur auf persönlichen Wert, auf'
geistige und körperliche Vorzüge, wohl auch auf eigenen Anhang von Soldatensklaven
stützend, schwingt sich einer der Vielen aus der Mamlukenschar auf
den Thron, um seinerseits, sobald die Stütze der Seinen versagt, dem Nächstbesten
Platz zu machen. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der Durchschnitt
ihrer Regierungsdauer fünf Jahre kaum übersteigt, ja wenn in manchen
Jahren der Thron dreimal den Besitzer wechselt. Die Krone gelangt höchstens
einmal an den Sohn eines Usurpators, der aber bald dem ehrgeizigen und tüchtigeren
Vormund Platz machen muß. Nur einen unter ihnen gab es, dessen
Söhnen, Enkeln und Urenkeln es gegeben war „das Schwert zu umgürten“1 und
den die Geschichtsschreiber deshalb mit dem Titel „Abul-Mulūk“ — Vater der
Könige — auszeichnen. Es war dies der Sultan Qalāūn, einer der tüchtigsten,
die jemals in Ägypten regierten.2 Baudenkmäler dieses Herrschers sollen den
Hauptstoff unseres Studiums bilden. Doch wird es nicht ohne Interesse sein,
vorerst das Wirken des königlichen Bauherrn zu verfolgen; es wird uns zugleich
gestatten, die Eigenart seiner Epoche in einem kurzen Streiflicht zu erfassen.

2. Geschichte des Sultans Qalāūn.3

Der Sultan Qalāūn, mit seinem vollen Titel „es-Sultān el-Malik el-Mans̱ūr
Saif ed-Dīn Qalāūn el-Alfī el-ʿAlāī es-S̱āliẖī4 war ein Kiptschake von Geschlecht,
1 Was bekannterweise bei den Orientalen der Krönung gleichkommt.
2 Qalāūn folgten zwei Söhne, acht Enkel, zwei Urenkel und ebensoviele Ururenkel auf dem Thron.
3 Der Darstellung ist hauptsächlich Maqrīzī und zum Teil Marcel zugrunde gelegt.
4 Der siegreiche Sultan und König, Schwert der Religion, Qalāūn, der Alfi, desʿ Alā (und) des
S̱āliẖ (da er ehedem Sklave des Emir ʿAlā ed-Din Āqsunqur und nachher des letzten Ayyubidenkönigs S̱āliẖ Nagm ed-Dīn gewesen war). Den Titel el-Alfī (alf = tausend) besaß er, weil er einst
auf dem Sklavenmarkte für diese Summe gekauft wurde.

aus dem Stamme der Burg-Oġli1 Er kam jung auf den Sklavenmarkt, wo
ihn der Mundschenk ʿAlaā ed-Dīn Aqsunqur gekauft hatte. Nach dessen Tode
wird er im Jahre 1249—50 den Mamluken des Ayyubidensultans S̱āliẖ Nigm
ed-Dīn eingereiht und gelangt auf diese Weise in den Dienst mehrerer Herrscher.
Unter Baibars I. wird ihm eine Armee anvertraut, an deren Spitze er die Tataren
bei Bīrah besiegt. Der König belohnt ihn, indem er seinen Sohn Barakah mit
des Feldherrn Tochter vermählt. Er dürfte hierbei wohl auf die Stütze gerechnet
haben, die Qalāūn seinem Schwiegersohne und zukünftigen Herrn sein werde.
Doch darin täuschte er sich. Nach Baibars' Tode, am 17. Juni 1277, wurde.
es-Saʿīd Barakah schon im zweiten Jahre seiner Regierung, im Sommer 1279
des Thrones beraubt und auf der starken syrischen Festung Karak (den H̱isn
el-Akrād der Araber2 gefangen gesetzt. Qalāūns späteres Verhalten läßt vermuten,
daß er dem Staatsstreiche nicht ferne gestanden, denn bald darauf steht
er dem siebenjährigen Salamiš, Bruder des entthronten Königs, als Atābek el-ʿAsākir
(Armeekommandant) und Mitregent zur Seite.
Seine einzige Sorge war von da an darauf gerichtet, die Herrscherwürde
unbeschränkt zu besitzen. Auf sein Betreiben wird vermutlich der Tod des obengenannten
Sultans beschlossen worden sein; doch kommt ihm das Schicksal zuvor:
Barakah stürzt beim Polospiel mit dem Pferde und stirbt am Wundfieber. Qalāūn
ist des gefährlichsten Rivalen entledigt. Sobald er der einflußreichsten Emire
und des gerade in Ägypten weilenden Abbasidenchalifen sicher ist, läßt er den
jungen Mitregenten gleich seinem Bruder in Karak gefangen setzen und sich
unter dem Titel el-Malik el-Mans̱ūr (der siegreiche König) huldigen. Dies geschah
am 27. Dez. 1279.
Doch hatte er noch Widersacher; so den Emir Šams ed-Dīn Sunqur el-Ašqar, der sich unter dem Titel el-Malik el-Kāmil zum König von Damaskus
machte. Qalāūn entsandte gegen ihn den Emir Tartabāi mit Heeresmacht, dem
es gelang, seine Hauptstadt zu erobern und den Widersacher nach Kairo zu
bringen, wo er sein Leben auf traurige Weise beschloß.
Nun kann sich Qalāūn ruhiger den Staatsgeschäften widmen. Er sorgt für
eine gute Verwaltung und erläßt dem Volke trotz der Kriege, in die er verwickelt
war, manche Steuern. Im selben Jahre feiert er seine Vermählung mit
der Tochter des Emir Zakkāī unter Entfaltung außerordentlicher Pracht. — Die
1 Die zu Gebote stehende Maqrīzī-Ausgabe bringt Marg-Oġli. Prof. J. J. Heß macht mich auf den
richtigen Ausdruck Burg-Oġli aufmerksam. — Die Kiptschāk, ein Türkenstamm, wohnten von
der Wolga bis nach Chwārizm, dem heutigen Chiwa.
Die Geschichte unterscheidet zwei Gruppen oder Dynastien von Mamlukensultanen; die erste
turkomanischer, die zweite tscherkessischer Rasse, wonach sie auch benannt werden. Erstere
werden auch als Baẖriden bezeichnet, weil sie ihre Kasernen auf der Insel Rōḏah im Nilflusse
bei
Kairo hatten. (Von Baẖr Meer, auch großer Fluß.) Sie regierten von 1250 bis 1382, als sie
von den tscherkessischen Mamluken abgelöst wurden. Letztere hießen auch Burgiden, weil sie
in Festungen (auch arab. „Burg“) untergebracht wurden. Ihr letzter Herrscher wurde 1517 von
dem osmanischen Sultan Selīm besiegt.
2 Die große Festung im Moabiterlande, nicht mit dem Hospitaliterschloß gleichen Namens im
Hinterlande von Tripolis zu verwechseln, dem „Crac des chevaliers“, auch als Kurdenschloß
bekannt.

Kriege beginnen von neuem. Bald sind es die Tataren, bald die in Syrien verbliebenen
Kreuzfahrer, die den Sultan beschäftigen, bald ein Eroberungszug nach
Nubien. Gegen erstere zog er, als sie in die Gegend von H̱aleb (Aleppo) einbrachen,
schlug sie bei H̱oms̱ am 28. Oktob. 1281 und kehrte mit Lorbeeren
geschmückt nach seiner Residenz, der Zitadelle von Kairo, zurück. Dieser Sieg
sicherte ihm den Frieden von Seite der Tataren, deren Fürst sich zum mohammedanischen
Glauben bekehrte und in der Folge freundschaftliche Beziehungen
zu dem Hofe von Kairo unterhielt.
Im Jahre 1283 ließ sich Qalāūn zu einer Tat hinreißen, die seinem Rufe,
der ihn sonst als einen milden Fürsten bezeichnet, starken Abbruch tat. Die
Auflehnung der Bewohner Kairos gegen eine seiner Verordnungen versetzte ihn
in einen solchen Zorn, daß er die Stadt seinen Mamluken freigab. Drei Tage
dauerte die Metzelei, der Männer, Frauen und Kinder unterschiedslos zum Opfer
fielen. Endlich gab der Sultan den Bitten der Geistlichkeit nach und gebot
dem Wüten Einhalt. Einige Historiker behaupten, Qalāūn hätte seinen grausamen
Befehl nachträglich bereut und zur Sühne dafür ein großes Hospital für Leidende
errichten lassen.
1285 zog er gegen die Franken, denen er die Feste Margat, an der syrischen
Grenze, entriß.
Ein Anonymus hat von dieser Kriegsunternehmung, deren Erfolg wegen
ihrer Schwierigkeit dem Sultan hoch angerechnet wird, eine Beschreibung hinterlassen.1
„Zu jener Zeit waren die Johanniter im Besitze der starken Festung Margat,
wodurch die Besatzungen der umliegenden mohammedanischen Burgen viel zu
leiden hatten. Baibars I. hatte vergebens ihre Erstürmung versucht. Qalāūn
beschloß, sie zu unternehmen.2Er ließ große Vorbereitungen treffen, ohne deren
Zweck zu verraten. Aus Ägypten wurden beträchtliche Ladungen an Pfeilen
und anderen Kriegsmaschinen geholt, welche unter den Emiren und Truppen
verteilt wurden. Eiserne Werkzeuge und Nafta wurden herbeigeholt und eine
große Anzahl Arbeiter, der Belagerungskunst kundig, wurde angeworben; end-lich
wurden den umliegenden Festungen Wurfgeschütze entnommen. Am 10. S̱afar
(17. April) stand der Sultan mit seiner Armee vor dem Schlosse, umzingelte es
nnd die Soldaten begannen ihr Werk. Die Wurfgeschosse verursachten hüben
und drüben großen Schaden; unterdessen wurden Minen angelegt. Am Mittwoch
1 Tašrif (Vie de Qalāūn, Paris 1704). Die Notiz ist der Übersetzung Max van Berchems entnommen,
Voyage en Syrie, I., S. 315. — Der 2. Bd. enthält sehr schöne photographische Aufnahmen.
Margat, das Haupthaus des Hochmeisters, stand im Mittelpunkt des Herrschaftsgebietes der
Hospitaliter. Der gewaltige Bau wird den Johannitern zugeschrieben; er soll aus dem Ende
des 12. Jahrhunderts stammen. — „Der Verlust Margats war der Todesstoß für die Macht der
Hospitaliter im heiligen Lande: der eben im Entstehen begriffene Ordensstaat fiel in sich zusammen.“
— Dr. Hans Prutz, Kulturgesch. der Kreuzzüge S. 249.
2 Die Johanniter sind im Oktober 1279, vielleicht die Unruhen, von denen Qalāūns Thronbesteigung
begleitet waren, ausnützend, in mohammedanische Gebiete eingebrochen. Ein Vergeltungsangriff
auf Margat von Seiten des Emirs Balabān, Schloßhauptmanns der Feste Karak,
endigte mit einer verlustreichen Schlappe, was Qalāūn zu seinem Unternehmen veranlaßte. — M.
v. Berchem. Voy. en Syrie, S. 301.

den 17. Rabīʿ el-Awwal (23. Mai) war eine davon so weit, daß man sie mit Holz
füllen und in Brand stecken konnte. Die Flammen umgaben das vorspringende
Außenwerk der Festung, aber die Belagerer versuchten vergebens, die Mauern
zu ersteigen. Selbst nachdem der Turm eingestürzt war, konnten sie wegen der
energischen Verteidigung nicht eindringen. Endlich, am Freitag, erreichten sie
ihr Ziel. Dann, als die Franken wahrnahmen, daß andere Minen unter den
Gräben hindurch bis an die Türme reichten, verloren sie den Mut und beschlossen
die Übergabe.
Der Sultan zog die sofortige Besitznahme der wertvollen Feste einer langen
Belagerung vor und bewilligte der Besatzung Pardon und freien Abzug. Diese
sandte ihre Anführer in das Zelt des Siegers, welche nur um ihr Leben baten.
Nachdem ihnen dies schriftlich zugesagt worden, kehrten sie in das Schloß zurück,
von dem Emir Faḫr ed-Dīn el-Muqrī, dem Kämmerer, begleitet. Dieser
ließ den Burgvogt (el-Gastelin, Castellan) und die anderen Ritter (Urfehde)
schwören. Am Donnerstag, den 18. Rabi' el-Awwal (24. Mai), wurde das Schloß
übergeben, und die königliche Flagge darauf gehißt.
Am andern Tage stieg der Sultan persönlich hinauf, um über das Schicksal
der Festung zu beraten; obzwar Stimmen zu deren Zerstörung rieten, beschloß Qalāūn, sie zu erhalten, denn er fand sie stark und uneinnehmbar. Er
bestimmte für sie eine hinreichende Besatzung, ließ Kriegsmaterial hineinschaffen
und setzte ein entsprechendes Einkommen für deren Erhaltung fest.“
Das nächste Jahr herrscht Frieden. Qalāūn sichert seinem ältesten Sohne
ʿAli den Thron, indem er ihm noch zu seinen Lebzeiten den Königstitel verleiht.
Doch war seine größte Sorge, bei seinen Mamluken den kriegerischen Geist
zu erhalten. Als bei diesen eine gewisse Eitelkeit einriß, verbot er ihnen die
kostspieligen Stickereien und goldenen Zierrate. Sie durften nicht mehr ihre
langen Haare in seidenen Beuteln tragen und wurden zu einem einfacheren, für
Krieger passenderen Äußeren angehalten.
Im Jahre 1287 wird eine Armee nach Nubien gesandt, die bald mit großer
Beute zurückkehrt. Im folgenden Jahr stirbt Qalāūns Sohn ʿAli. Der Vater ist
untröstlich; er unternimmt, vielleicht um seinen Schmerz zu betäuben, einen
Kriegszug gegen die Franken in der stark befestigten Stadt Tripolis, die nach
vierunddreißigtägiger Belagerung, am 27. April, erobert wird.
Der fürstliche Geschichtsschreiber Abul-Fidā, selbst Augenzeuge der Belagerung
und der Einnahme der Stadt, erzählt umständlich die Begebenheit.
Nachdem die Soldaten, dank der Wirkung der großen und kleinen Wurfgeschosse,
in die Stadt eingedrungen waren, flüchteten die Bewohner zum Hafen. Doch
nur wenige konnten sich auf die Schiffe retten; die meisten wurden erschlagen.
Den Eroberern fiel reiche Beute zu. Nachdem die Stadt gründlich geplündert
war, befahl der Sultan, sie dem Boden gleich zu machen.
In der Nähe davon, nur durch den Hafen von der Stadt getrennt, befand
sich eine Insel, auf der die Kirche des Heiligen Thomas stand. Auch hierher
flüchteten viele Einwohner der eroberten Stadt; doch die Sieger verfolgten sie,
den Hafen auf ihren Pferden durchschwimmend, töteten die Männer und machten
die Frauen und Kinder zu Sklaven.
„Als ich nach der Plünderung zu Schiffe nach der Insel übersetzte,“ — er-zählt
Abul-Fidā — „da fand ich sie so voller Leichen, daß man vor dem übeln
Geruch dort nicht verbleiben konnte.“1
Tripolis war in den hundertfünfundachtzig Jahren, während derer die Franken
es inne hatten, zu einem blühenden Orte geworden. Das heutige Tripolis wurde
auf Befehl Qalāūns in der Nähe der zerstörten Stadt angelegt. — Nach Kairo
zurückgekehrt, empfing der Sultan eine Gesandtschaft des Königs Alphons von
Aragonien, mit dem er am 24. April 1290 einen Vertrag schloß.
In diesem Jahre beschloß Qalāūn sein Leben, Als er auszog, um Akkon,
den letzten Hort der Kreuzfahrer auf syrischem Boden, zu erobern, erkrankte er
auf dem Marsche in der Nähe Kairos und starb in seinem Zelte, welches gegenüber
der Moschee et-Tibn aufgeschlagen war, ehe er sein Vorhaben ausführen konnte.2
Akkon sollte aber seinem Schicksale doch nicht entgehen, denn am 6. März
des nächsten Jahres unterlag die Stadt der Armee des Nachfolgers Qalāūns. Die
Stadt teilte das Schicksal von Tripolis; sie wurde geplündert und ihre Kirchen
zerstört. Mit den Überbleibseln der christlichen Einwohnerschaft verließ auch
das Patriarchat, das letzte, den syrischen Boden. Von den vielen Kirchen, die
während des hundertjährigen Aufenthaltes der Kreuzfahrer in Akkon erbaut worden
sind, ist nur das Portal einer frühgotischen Kirche erhalten geblieben. Es wurde
als Trophäe nach Kairo gebracht, wo es noch heute den Haupteingang der
Moschee bildet, die Qalāūns Sohn und zweiter Nachfolger, Mohammed, erbauen ließ.
Qalāūn hat in seiner zehnjährigen Regierungszeit viel für seine Länder
getan; die Nachwelt zählt ihn zu den besten Regenten des Orients. Abul-Fidā
sagt ihm nach, er sei ein Ehrfurcht einflößender (muhīb) Herrscher gewesen,
sanftmütig und ein Feind des Blutvergießens; er verzieh leicht und war tapfer.
Er eroberte so wichtige Plätze wie die erwähnten Festen Margat und Tripolis,
während vor ihm kein König, selbst Saladin nicht, Unternehmungen gegen so
stark befestigte Orte gewagt hatte.3

3. Kunstgeschichtliche Notiz.

Qalāūns Regierung fällt noch in die Zeit der Kreuzzüge, in jene Zeit, wo
die Berührung des Morgen-und Abendlandes befruchtend auf die Kultur beider
Erdteile wirkte. Die Annäherung war übrigens nicht ausschließlich feindlicher
Natur; Jahre harten Kampfes lösten Epochen friedlichen Verkehrs ab, günstig
für den Austausch kultureller Werte, in dem — es sei dies gleich hervorgehoben —
nicht gerade die Abendländer die Geber waren. Die Wirkung der Kreuzzüge
auf den Orient war unvergleichlich geringer als jene, die sie im Abendlande
hervorgebracht haben, wo sie bedeutende und tiefgreifende Umwälzungen zeitigten,
„die schließlich den Rahmen des hergebrachten abendländischen Wesens überhaupt
zersprengten“, seine ganze Kultur auf eine neue Basis stellten und Anschauung
1 Abul-Feida, Annales muslimici.
2 Quatremère Sult, maml., S. 109.
3 Saladin zog in einer seiner Kriegsunternehmungen, im Juli 1188, nach der Zerstörung der Festung
Ṯarṯūs (Tortosa) nach Gabalah. Der Weg führte ihn, nicht ohne Gefahr, an Margat vorbei, das
er gar nicht anzugreifen versuchte, da er es für uneinnehmbar hielt. — M. v. Berchem, Voy. en
Syrie
, S. 298.

und Bildung erschütterten.1 Denn die Morgenländer waren ihnen auf
vielen Gebieten der Wissenschaft und gewerblichen Tätigkeit voraus. Von den
prächtigen Palästen angeregt, entwickelt sich im Abendlande die Freude an
besseren Wohnungsverhältnissen. Unter denen, die das Kreuz nahmen, befand
sich eine große Zahl von Baumeistern, Zimmerleuten, Metallarbeitem und anderen
Handwerkern, auf welche die Gebäude und Einrichtungen jeder Art, die sie im
Orient erblickten, großen Eindruck machen mußten und die in ihnen den Wunsch
erweckten, sie nachzuahmen.2 Beredte Stücke morgenländischen Kunsthandwerkes
finden sich noch heute in den Kirchenschätzen, die an jene kulturfördernde Episode
der Weltgeschichte erinnern. Aber auch manche Kunstform führt der aus
dem heiligen Lande heimkehrende Handwerker ein, andere lernt ihm dagegen
der morgenländische ab. Der Einfluß der dem Oriente entlehnten Muster auf
die Kleinkunst und das Kunsthandwerk war sehr groß und nachhaltig; der
arabische oder arabisierende Geschmack herrschte im Abendlande noch lange
nach den Kreuzzügen. Aber wie viele Abendländer mögen im Lande zurückgeblieben
sein, um an den reichverzierten Palästen und Moscheen mitzuarbeiten! Spuren
dieser Einflüsse hüben und drüben lassen sich unschwer erkennen, besonders die
ganze Dauer der Kreuzzüge hindurch im Orient.3 Ja, in Ägypten kennzeichnen
sie förmlich die architektonischen Schöpfungen ihrer Periode, so wie anderen
Perioden andere ihnen eigentümliche charakteristische Merkmale anhaften.
Denn es ist ein Irrtum, von einem islamischen, oder, wie man gewöhnlich
sagt, „arabischen Stile“ zu sprechen. Die Kunst des Islam hat in ihrem mehr
als dreizehnhundertjährigen Bestande des öfteren solche Wechsel der Formen
erlebt, wie sie — um nur von ihrer Architektur in Ägypten zu sprechen — deren
verschiedene Epochen charakterisieren. An der Hand der Baudenkmäler läßt
sich diese Evolution, die mit politischen Wandlungen zusammenhängt, leicht
verfolgen. Die Veränderungen betreffen nicht nur die Architektur im engeren
Sinne, auch die Hauptfaktoren ihrer Ausschmückung, Ornamentik und Schrift,
sind ihnen unterworfen.
Wohl handelt es sich nicht um solch ausgesprochene Unterschiede, wie sie
die abendländischen Stilarten aufweisen, doch immerhin um kennzeichnende Ausdrücke
der Unterabteilungen, die vollauf rechtfertigen, von Stilarten zu sprechen.
Die älteste arabische Bauperiode in Ägypten ist durch den Nilometer4 und
die berühmte Moschee des Aẖmed Ibn Ṯūlūn (erb. 876—79) vertreten. Ihre
Charakteristik sind der Spitzbogen5 und antikisierende Formen. Letztere um
1 Ed. Heyck, Die Kreuzzüge und das heilige Land. — Prutz, Kulturgesch. der Kreuzzüge.
2 A. H. L. Heeren, Essai sur Vinfluence des croisades. Siehe auch Prntz, Ibid.
3 Es ist merkwürdig, daß noch die Moschee des Sultans H̱asan, Enkels des Qalāūn, fremde Auffassung
orientalischer Formen aufweist. — Max Herz bey. La mosquée du Sultan Hassan au Caire.
4 Der Nilometer von Rōḏah wurde schon von dem Umayyadenchalifen Sulaimān (715—17 n. Chr.)
errichtet, in der Folge aber von dem Abbasidenchalifen Mamūn (813—33) „fast gänzlich wieder
aufgebaut“ (Marcel, Descript., XV.). Weiteren Ausbesserungen wurde er 846 von dem Chalifen
el-Mutawakkil, dann unter dem Fatimidenchalifen el-Mustans̱ir 1092 unterworfen.
5 Der Spitzbogen kommt auch ausschließlich in den Bauwerken von Samarra vor, welche dem Stile
der zeitgenössischen Ibn Ṯūlūn angehören (Publikationen über Samarra von Sarre und
Herzfeld).

die Bogen und an den Kapitälen; in der Moschee, Abb. 1, kommen sie in der
Basis der eingebundenen Säulen zum Ausdruck, Abb. 2; in den Bandornamenten,
ferner in vielem in koptischem Geist umgebildeten, freien oder geometrischen
Netzwerk im Tiefenschattenschnitt (Kapitäle, Ornamente in den Laibungen der
großen Bogen, Abb. 3, u. a.). Die neuern Unterauchungen weisen untrüglich
auf eine Entstehung dieser Formen in Ägypten hin, die nicht wenig durch die
tulunidische Holzskulptur, die dem koptischen Kreise angehört, bekräftigt wird.1
Die kufischen Schriftzeichen, Abb. 4, sind gedrungen; in der Lapidarschrift
heben sich die Buchstaben, durch spärliche Meißelhiebe geschaffen, von der
Marmorfläche ab.
Die Epoche der Fatimiden (969—1169) bringt ihre eigene Bogenform auf,
eine Art Tudorbogen mit hohem, scharfgebogenem Anlauf, gerade ansteigend.2 Die frühere Bauweise in verputztem Mauerwerk ist beibehalten, doch. wendet
man für die Fassaden den Haustein an und marmorne Säulen als Stüttzen:
Moschee el-Aqmar, 1125, Abb. 5, und des S̱āliẖ Talaʿī, 1160, Abb. 6.3
Die Ornamentik im Stuck ist fein gezeichnet, besonders gegen den Ausgang
der Epoche; die in Haustein besitzt starkes Relief und Blattflächen in
Schrägschnitt.4 Charakteristisch ist die Kurve am Ansatze der Blätter. (Die
Ornamente in der Abb. 8.)5
1 Siehe die dokumentierten Ausführungen Herzfelds über die Bodenständigkeit der Ornamentik der
Moschee Ibn Ṯūlūns und ihres Formenkreises in der Zeitschrift: Der Islam, 1. Bd., S. 36ff.
Die Genesis der islam. Kunst.
2 Unterdessen dauert die Verwendung des Spitzbogens in den anderen Ländern des Islam fort, um
nie wieder aus ihrer Architektur zu verschwinden: in der Zisterne in Ramleh, 982/83, (de
Vogüé); an dem Fenster des mächtigen Unterbaues des Imām Dūr (nördlich von Samarra), um
das Jahr 1000; an dem reichverzierten Miẖrāb in der großen Moschee von Mosul, von 1148 datierend,
(Sarre u. Herzfeld, Arch. Reise, I, 33/34 und 17; III, V u. XC). — Auch in den unter
islamischem Einfluß errichteten Kirchen in Sizilien, der Palatinkapelle [1132], der Martorana [1143].
3 Die älteste Moschee der Fatimiden aus der Gründungszeit el-Qāhiras, el-Azhar, hat nach dem großen
Hofe hin den persischen Bogen, im Innern des Hauptliwāns den Spitzbogen. Daß ersterer anthentisch
ist, beweisen die ursprünglichen Stuckornamente, die sich an der inneren Seite der Pfeilerbogen
noch im Jahre 1884 befanden und die anläßlich der Erhaltungsarbeiten zum großen Teil zerstört
werden mußten (Sie wurden nach deren Abguß wiederhergestellt). Auch entsinne ich mich
daß an derselben Stelle ein bloßgelegter Teil des Mauerwerks aus ungebrannten Ziegeln bestand.
Die Bogen im Liwān dürften wohl aus einer späteren Zeit datieren; bekannterweise wurden
in der Moschee des öfteren wichtige Umarbeiten ausgeführt.
4 Hierüber auch Herz Pascha, Boiseries fatimites aux sculptures figurales, Orient. Archiv.
Grabungen haben nebst anderen Feststellungen auch erwiesen, daß das ehemalige Bodenniveau
der Moschee bedeutend tiefer als das gegenwärtige gelegen war. Den Resultaten der Untersuchungen
soll eine spezielle Besprechung gewidmet werden, sobald mir meine hierauf bezüglichen Notizen aus
Kairo zur Verfügung stehen werden. (Siehe über die geplante Publikation den 436. Rapport und
den 185. Sitzungsbericht des Comités, 1911.)
Die Schrift ist noch die kufische, jedoch von einer freieren Bewegung und
mit der eigentümlichen Hinaufführung der Buchstabenendungen. Abb. 9.
Die nächste Epoche der Ayyubidendynastie schafft eine neue Institution,
die Madrasah (Kollegium), eine Unterrichtsstätte für den Zweck, den unter den
schiitischen Fatimiden zurückgedrängten Sunnismus wieder zu beleben.1 Bedauerlicherweise
ist diese Periode arm an erhaltenen Baudenkmälern; die älteste, von
der noch im Jahre 1904 der Westliwān und ein Teil einer Nebenseite des
S̱aẖns bestand, war die Madrasah el-Kāmiliyyah (1225); von der zweitältesten,
der Doppelmadrasah des Sultans es̱-S̱āliẖ Nagm ed-Dīn (erb. 1241), bestehen
noch Teile, die auf ihre ursprüngliche Gesamtanlage schließen lassen. Diese
zwei Madrasen, wie die, die vor ihnen bestanden haben, setzen sich aus einem
S̱aẖn zusammen, an dessen Ost-und Westseite je ein mit Spitztonne gewölbter
Liwān liegt; an den anderen Seiten befanden sich Zellen für die Studierenden.
In der nördlichen Madrasah des S̱āliẖ besteht noch der Westliwān voll-ständig,
vom Ostliwān die Mauern ohne die Gewölbdecke. Die Seitenfronten
des S̱aẖns sind verbaut.
In der Kāmiliyyah waren einige Fenster noch vor wenigen Jahren vorhanden.
Abb. 10.2
Die Wiedereinführung des Spitzbogens in Ägypten auf Kosten des fatimidischen
knüpft sich, wie die Schöpfung der Madrasah, an den Namen Saladins;
er findet sich bereits in der unter seiner Regierung erbauten Zitadelle in
dem Bāb el-Mudarrag und in den Fensteröffnungen der ihm zugeschriebenen
Stadtmauer.
Die Ornamentik zeichnet sich vor denen der vorhergehenden Epochen
durch mehr Ungebundenheit und eine größere Feinheit der Komposition aus.
Man ordnet sie mit Vorliebe in zwei Tiefen an, die bei der Kombination von
Schrift und Arabeske besonders wertvoll ist: Abb. 10; Kenotaph des Imām
eš-Šāfïʿī (1178), Abb. 11 u. andere.3
1 Über die Madrasen M. van Berchems Corpus, S. 265 ff.
2 Von der Kāmiliyyah enthält Comité, 1904, die Abbildung von zwei Fenstern des in demselben
Jahre abgetragenen Gewölbes des Westliwāns nebst einer historischen Notiz über die Madrasah.
Ich komme noch auf die Madrasenanlagen.
3 Herz bey, Catalogue du Musée arabe 1906, S.86, enthält die Abbildung von Kenotaphenfragmenten,
die Sultan Kāmil für das Mausoleum des Imām anfertigen ließ.
Die flache Zierschrift der Fatimiden weicht allmählich dem runden Duktus,
Abb. 12, aus dem sich alsbald die schöne Monumentalschrift entwickelt, die
vom 13. bis zum 16. Jahrhundert zur Zierde der Baudenkmäler wird.
Für die Vorstellung über die Fassadenbildung sind wir auf S̱āliẖs Bau angewiesen,
der mit den in Flachnischen gestellten Fenstern als Fortsetzung der
Außenarchitektur der Aqmarmoschee gelten kann, Abb. 13. Das vereinzelte
Beispiel gestattet selbstverständlich nicht einen Schluß auf einen allgemeinen
Fassadenstil zu ziehen, noch auf dessen Ornamentation, doch wird es sich auch
hierin um eine Fortbildung des Vorhandengewesenen gehandelt haben, wie es
ein der H̱ākimmoschee entnommenes und hier fein ausgebildetes Motiv beweist.1
Der nächste Baustil hat sich unter den Mamlukensultanen entwickelt und
überdauert ihre Regierungszeit von zweieinhalb Jahrhunderten noch lange. Die
zahlreichen Baudenkmäler religiöser und profaner Art dieser Epoche weisen
durchaus gemeinschaftliche Charaktereigenheiten auf, die deren Einreihung auf
den ersten Blick gestatten. Doch leitet diesen entwickelten Stil eine Periode
der auffälligen Unschlüssigkeit und Verschiedenheit der Formen, die deren Bauschöpfungen anhaften, ein, welche dieselben zu den eigenartigsten der religiösen
Architektur in Ägypten stempeln. Sie dauert etwa fünfzig Jahre, bis zur Wende
des 13. Jahrhunderts an, um mit Qalāūns Bauschöpfungen zu enden. Von den
sieben Gāmiʿs und Madrasen, die ihr angehören und von Maqrīzī angeführt
werden, bestehen noch (zum geringen Teil) die Madrasah (1263—64) und die
Gāmiʿ (1266—68) des Baibars I., und die Madrasah und das Mausoleum Qalāūns.
Es ist nun auffallend, welche verschiedene Behandlungsweise dieselben erfahren
haben. Die Fassade der erstgenannten Madrasah war in Flachnischen aufgelöst
mit horizontal angelegtem Stalaktitenabschluß2, die Keilsteine im Entlastungsbogen
des Fensters sind in Pfeilspitzenmotiv umgebildet. Die Gāmi' hat glatte,
durch Strebepfeiler verstärkte Mauern, die nur von einer Reihe Spitzbogenfenstern durchbrochen sind. Architektonisch sind nur die drei aus den Fassaden
hervortretenden Portale ausgebildet: Spitzbogen als äußere Öffnung mit fatimidischen
Flachnischen an den Seiten. (Auch sonst erinnern die eingemeißelten
Rombenmuster an die Aqmarmoschee.) Im Innern stellen sich auf die Säulenstützen
wieder Spitzbogen. Am Äußeren der Madrasah und des Mausoleums
des Qalāūn suchen wir vergebens Anklänge an jene der eben erwähnten Moscheen;
1 In dem scheitrechten Bogen eines Fenstersturzes der S̱āliẖmadrasah findet man dasselbe gezahnte
Ornament wie an dem Südminaret des H̱ākim, doch in feinerer und geänderter Skulptur. Herz
bey, Az Iaslam müvészete, Abb. 138 und 155.
Bis zum Jahre 1882 stand noch das Minaret der Madrasah, stürzte dann plötzlich zusammen
(Comité, exere. 1882—83) und riß die Westfassade mit dem größten Teil des Portals mit sich. Heute
steht noch das äußere Süd-Westeck, welches als Denkmal der Fürsorge des Comités anvertraut ist.

die auffallend schmalen, auf Marmorsäulen gestellten Pfeiler und abgetreppten
Flachnischen verleihen dem Mausoleum ein noch fremderes Gepräge. Höchstens
daß die Spitzbogen der Nischen oder die der oberen Fensterreihe an die Gāmiʿ
des Baibars erinnern. Den Schlüssel zur Aufklärung dieser Erscheinung, dieser
„Stillosigkeit“, müssen wir in dem Einflusse suchen, welchen die in Syrien und
Palästina zur Blüte gelangte Baukunst der Kreuzfahrer auf die islamische Kunst
ausübte. Dieser mußte um so lebendiger sein, als zwischen beiden, durch die
Adoptierung des Spitzbogens durch erstere, ein wichtiger Kontakt entstanden war.
Der Spitzbogen hat sich allem Anscheine nach aus der sasanidischen elliptischen
Bogenlinie entwickelt (Ktesiphon, Tarvistān, Fīrūz-Ābād, u. a.). An dem
ältesten Monumentalbau des Islams, der Qubbat es̱-S̱aḫrā (688—91), kommt
der elliptische Bogen vor1, im zweitältesten, dem auf der Ostseite der syrischen
Wüste liegenden Schlosse Uḫaiḏir (erste Hälfte des 8. Jahrhunderts), gelangt
neben diesem auch der Spitzbogen zur Anwendung. Es ist auffallend, daß man
an erstgenanntem Bau, wo ja byzantinischer Einfluß notorisch ist, doch vom
Rundbogen zugunsten des elliptischen Abstand genommen hat. Sollte es deshalb
geschehen sein, weil letzterer ausgesprochen „unchristlicher“ war? Der
Eklektizismus hat ja in der Genesis der islamischen Kunst eine Rolle gespielt.
Wie dem auch sei, soviel steht fest, daß sie den elliptischen zum spitzen Bogen
umformte.2
Uḫaiḏir scheint gerade aus der Zeit des Übergangs zu sein;3 in den
Bauten der ein Jahrhundert später gegründeten Abbasidenstadt Samarra kommt
nur mehr der Spitzbogen vor.4 Die Kreuzfahrer adoptierten den in Syrien fort-bestehenden
Spitzbogen, der alsbald zu einem der Grundelemente ihres importierten
Stiles wurde.5 Anderseits konnten die stolzen Kirchen und Kapellen,
1 De Vogüé (Le Temple de Jérusalem) findet die ursprünglichen Bögen über dem äußeren Stützenkranz
der Q. es̱-S̱ahrā halbkreisförmig. In Wirklichheit sind sie elliptisch, sich sanft zuspitzend.
Die Bogen des inneren Stützenkranzes sind wohl im 16. Jahrhundert bei ihrer Verkleidung mit
Marmorplatten etwas gespitzter gestaltet worden, doch beweisen die auf ihrer Rückseite erhaltenen
alten Mosaiken, daß sie schon ursprünglich, wenn nicht ausgesprochen zugespitzt, so doch elliptisch
aber keinesfalls halbkreisförmig gewesen sind. Aus vorzüglich hergestellten Photographien, die mir
Herr van Berchem liebenswürdigerweise übermittelte, und die demnächst in seinen Matériaux pour
un Corpus, sect. de Jérusalem
, zur Publikation gelangen werden, ist Angeführtes klar ersichtlich.
2 Es ist merkwürdig, daß zur Zeit der Renaissance die Bogenentwicklung den umgekehrten Weg genommen
hat, indem der gotische, durch die Zwischenform des elliptischen, mit der kleinen Achsu
als Basis, zum Rundbogen wurde, wie in der Kirche St. Eustache in Paris.—Viollet-Le-Due, Dict. Arc. S. 46.
3 Ernst Herzfeld, Erster vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen von Samarra, 1912: „Eine
Übergangsstufe zwischen ihr (der abbasid. Kunst in Samarra) und den umaiyyad. Denkmülern muß das
alte Bagdad gebildet haben, von dem wir uns nur zurückschließend und aus den gleichzeitigen
Ruinen von Raqqah und Uḫaiḏir eine Vorstellung machen können.“ (S. 21.)
Während Herzfeld Uḫaiḏir in die frühe Abbasidenzeit versetzt (S. 21), läßt G. L. Bell die
Schloßruine in der ersten Hälfte des 8. Jahrh. entstehen. — Palace and Mosque at Ukhaidir. 1914. S. 165.
4 Die Samarra-Publikationen von Sarre und Herzfeld.
5 C. Enlart sagt: „La voûte d'ogive qui a donné naissance à l'architecture gothique.“ Manuel
de l'archéologie française,
1902, II, 37.
De Vogüé gibt einen Einfluß der Formen auf die abendländische Architektur zu, bekämpft aber
den Gedanken, die islamische Kunst hätte mit ihrem Spitzbogen der Entwicklung der gotischen Kunst
irgendwie Vorschub geleistet, da dieser Bogen nach ihm schon lange vor den Kreuzzügen in
manchem Sakralbau des Abendlandes zur Verwendung kam; doch konnte der Kontakt seine allgemeine
Verbreitung beschleunigen. — Les Égl. de la Terre Sainte.
Viollet-Le-Duc (Dict., Construct., 216ff.) trachtet die Entstehung des Spitzbogens aus einer konstruktiven
Notwendigkeit herzuleiten; die Baukunst gelangt gegen 1160 zu dieser Neuerung. Bekanntlich
kommt aber der Spitzbogen auf Sizilien schon vor diesem Jahre vor; in dem 1063 begonnenen,
1118 beendeten Dome von Pisa erhebt sich die längliche Vierung über Spitzbogen, und
in der 1095 geweihten Abteikirche von Cluny waren die Hauptarkaden des Langhauses spitzbogig.
(Woermann, Gesch. der Kunst, II, 150.)
Nach Prutz findet sich der Spitzbogen in allen fränkischen Kirchen, nicht bloß in denen Jerusalems,
„zu einer Zeit, wo er in der abendländischen Architektur, besonders der Frankreichs,
die für den fränkischen Kirchenbau im übrigen vorzugsweise maßgebend war, noch nicht vorkommt“.

Burgen und Paläste, die sie erbauten1, auf die orientalische Kunstweise nicht
ohne Einfluß bleiben; dafür sprechen die vielen entlehnten Formen, die in diese
Eingang fanden. Diese Durchdringung muß wohl in der Zeit der Ayyubiden
eingesetzt haben, doch fehlen aus Mangel an Denkmälern die Anhaltspunkte.
Dafür findet man Belege an dem bereits erwähnten Grabe aus der Ausgangszeit
ihrer Regierung. Das Kunstgesims am Mausoleum des Sultans S̱āliẖ, neun
Jahre nach den Madrasen erbaut, Abb. 13, besteht aus derselben von überhängendem
Blattwerk getragenen Platte wie am Mariengrabe (1. Hälfte des
12. Jahrh.) die Kapellen der Dornenkrone und der Himmelfahrt in Jerusalem.2 Die Gāmiʿ Baibars' I. (1266—67), über deren Portalen und inneren Stützen sich
Spitzbogen wölben, krönt ebenfalls ein abendländisches Gesims; ihre Fenstergitter
in Gips enthalten fremdes Blattwerk.3
Selbst Bauwerke rein gotischen Stiles fehlen nicht. Vor dem Palaste, den
sich der erstgenannte Sultan auf der Insel Rōḏah errichten ließ, stand noch Ende
des 18. Jahrhunderts die in Abbildung 15 dargestellte Türe.4 Es kann daher nicht
Wunder nehmen, wenn das 1290 aus Akkon als Trophäe entführte Portal als
Haupteingang an der Moschee des Sultans en-Nās̱ir prangt, welches Maqrīzī für
das „Wundervollste, was Menschenhand erschaffen“, erklärt, Abb. 16.5
Dieser Einfluß abendländischer Baukunst ist selbstverständlich intensiver
in Syrien und Palästina, wo nach de Vogüé die Imitation so vollständig ist, daß
sie den Beschauer irreführt und eine Klassifikation ohne historische Daten und
gewisse Merkmale unmöglich wäre.6 Er führt die der Nordfassade der Moschee
el-Aqs̱ā vorgelagerte, 1236 errichtete, gewölbte Halle als Beispiel an, die, zwar
nur eine rohe Imitation, auf den ersten Blick als Werk der Templer betrachtet
werden könnte.7
1 De Vogüé erwähnt, daß allein in der Stadt Jerusalem von Reisenden siebenundzwanzig Kirchen
und Klöster gezählt wurden. — Les Égl. de la Terre Sainte, 36.
2 Ibid. Taf. XXIII und S. 300.
3 In dem vor 1290 beendeten Mausoleum dieses Sultans, in Damaskus, kommt ausschließlich der Spitzbogen
zur Verwendung. Abb. 14.
4 Descript. Pl. 53, E. N. Auch Prisse d'Avennes, Text, Taf. I abgebildet.
5 Pococke, Beschreibung des Morgenlandes, S. 59, erwähnt ein Haus in Kairo, welches demselben
Sultan zugeschrieben ward, und das „eine feine alte Türe, etwas im gotischen Geschmack“, besaß.
6 De Vogüé, Les Égl. de la Terre Sainte, S. 377.
7 De Vogüé, Le Temple de Jérusolem, S. 103.
Als zweites Beispiel kann das Minaret von Ramleh gelten, mit seinen
Strebepfeilern an den Ecken und den gotischen Bogenöffnungen, Abb. 17, die
aus denselben Wulstkeilsteinen gebildet sind wie jene an der Grabeskirche und
an der St. Anna-Kirche. Den Inschriften nach entstammt es dem Jahre 1318
und gehörte der gänzlich verschwundenen, vom Sultan en-Nās̱ir errichteten
Moschee an. So intensiv war dies Eindringen des gotischen Stiles in Ägypten
allerdings nicht, auch hörte sein Einfluß früher als in den von den Kreuzfahrern
besetzten Teilen Syriens und Palästinas auf. Die letzten Werke, in denen er zum
Ausdruck kommt, sind die Madrasah und das Mausoleum, welche sich Sultan
Qalāūn 1284—85 errichten ließ. Sie bilden zugleich den Schlußstein jener Unschlüssigkeit
der Bauentwicklung in Kairo, welche allen Werken der zweiten
Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts anhaftet, dann aber einer einheitlichen
Architektur mit geläuterten Formen Platz macht.
Die Bauten Qalāūns zeichnen sich noch durch eine andere kunstgeschichtliche
Eigentümlichkeit aus, nämlich durch das Vorhandensein von „maurischen“
Formen. Auch hierfür ist ein politischer Untergrund in den Beziehungen zwischen
Ägypten und der iberischen Halbinsel zu finden. Nur für den reichen ornamentalen
Schmuck in Holzschnitzerei, Stuck und Mosaik, schöpfte der Baumeister
aus der einheimischen Kunst; Anlage und architektonische Formen sind von
außen entlehnt.
Mit der Madrasah und dem Mausoleum bildet das Hospital — Māristān —
eine zusammenhängende Baugruppe; letzteres ist allerdings von fremdem Einfluß
nicht berührt, bietet aber wegen des darin enthaltenen alten Kerns nicht minderes
Interesse, das seine Besprechung rechtfertigt.1
Die Bauwerke befinden sich an der althistorischen Straße Bain el-Qas̱rain
— zwischen den zwei Schlössern — der Fatimiden, die sich im Herzen des alten
Stadtkerns von Nord nach Süd erstreckt. Das Grab liegt nach Norden, von
ihm durch einen Korridor getrennt, mit vorgeschobenem Hauptliwān im Süden
die Madrasah, hinter den beiden das Hospital. Abb. 18, Pascal Coste entnommen,2 gibt den übersichtlichen, wenn auch nicht genauen Grundriß der Baugruppe;
außer diesem folgen für jeden Bau genaue Einzelgrundrisse.
1 Ein anderer Bau, der den Sultan Qalāūn zum Schöpfer hat, ist das 1283—84 für eine seiner Frauen
erbaute Mausoleum, welches unter dem Namen Sitt Faṯma Ḫatūn bekannt ist und südlich von Kairo
liegt. Anch dieses Werk, besonders sein Minaret, weist Einzelheiten der abendländischen Architektur
auf.
2 Das Werk, Monum. du Kaïre, enthält sehr wertvolle Aufnahmen aus dem ersten Viertel des verfiossenen
Jahrhunderts. Die Grundrisse sind aber ausnahmslos im rechten Winkel gezeichnet, ohne den
Eigenheiten der Anlagen Rechnug zu tragen, die sich oft bei den Sakralbauten aus der Straßenflucht
und der Orientierung nach Mekka ergaben.

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14

B. Das Mausoleum.

4. Seine Geschichte nach Maqrīzī.1
Die Qubbah (Kuppel) des el-Mans̱ūr.2

Diese Qubbah befindet sich der Madrasah des Mans̱ūr gegenüber und beide
liegen am Portale des Māristān des Mans̱ūr. Sie zählt zu den großartigsten und
gläzendsten königliche Bauten, und sie enthält die Gräber des Malik el-Mans̱ūr
Saif ed-Dīn Qalāūn, seines Sohnes, des Malik en-Nās̱ir Moẖammed und des
(Enkels) Malik es̱-S̱āliẖ ʿImād ed-Dīn Ismāʿīl. Darin liegt eine prächtige Halle
(Qāʿah), in deren Mitte sich ein Bassin (Fisqiyyah) befindet, in welches das
Wasser aus einem verschwenderisch verzierten Springbrunnen gelangt.3 Diese
Halle besaß einen mit farbigem Marmor belegten Boden. Sie war zum
Aufenthalte für die königlichen Diener bestimmt, die heute in den türkischen
Ländern als Verschnittene (Ṯawāšiyyah) bekannt sind. Die Bezeichnung für
einen solchen ist Ṯawāšī; der Ausdruck ist türkisch und lautete ursprünglich
in deren Sprache Ṯawāšī; das Volk bildete daraus Ṯawāšī, d. h. der Verschnittene
(el-Has̱ī).
Diese Diener erhielten ihren Tagesbedarf an feinem Brot und zubereitetem
Fleisch und jeden Monat reichlichen Lohn, der sie wohlhabend machte und sie
bereicherte. Sie waren geschätzt, hatten großes Ansehen, und ihr Wort war
von Gewicht. Außerdem zählte ihr Schaich zu den vornehmen Leuten; er saß
erhöht (yaglis ʿalā martabah) und die anderen Bediensteten ließen nicht ab vom
Sklavendienst bei ihren Zusammenkünften.
In diesen Ämtern waren die höchsten Diener des Sultans angestellt; die
setzten dann Vertreter für sich ein, die dem Dienst im Mausoleum oblagen. Sie
betrachteten aber, trotz ihres Wohlstandes und Reichtums ihre Beziehung zum
Dienst am Mausoleum als einen Vorzug und als große Ehre. Mit der Zeit aber
verfiel diese Einrichtung; doch gibt es dieser Bediensteten in der Halle bis zum
heutigen Tag.
Die Könige bezweckten durch die Anstellung dieser Diener ihr Ansehen
auch im Tode zu wahren, wie es zu ihren Lebzeiten war; denn noch heute darf
niemand ins Grab eintreten, der nicht zu ihrer Familie gehört. Das hat Darīẖī
ibn H̱akam el-Bakrī zu folgendem Verse veranlaßt:
Der großen Gräber ragen in Fels und Stein,
denn selbst im Tode wollen sie vornehm sein.
In diesem Grabmale werden Rechtsvorlesungen in allen vier Riten abgohalten,
die als „Vorlesungen der S̱āliẖstiftung“ bekannt sind. Als nämlich
1 Ausgabe des AẖmedʿAlī el-Malīgī. IV, S.218 ff. Ausgabe Būlāq, 1270 Bd. II S. 380.
2 Die Grabkapelle der Mohammedaner ist stets von einem Dom überdeckt; er ist förmlich deren Kennzeichen,
und sie wird nach diesem kurzweg Qubbah — Kuppel — genannt. In der osmanischen
Architektur wird die Kuppel zu einem wichtigen Teil der Moscheeanlage.
3 Es ist die Vorhalle zum Mausoleum gemeint (Abb. 21 und 22). Von der erwähnten Pracht ist
nur das Stuckornament über dem Eingang des Mausoleum erhalten und einige Fensterverschlüsse
aus Gips, die, dank einiger Reste, wiederhergestellt werden konnten.

der Malik es̱-S̱āliẖ ʿImād ed-Dīn1 seine Madrasah errichten wollte, jedoch seinem Geschicke
verfiel, ehe er seine Absicht erreicht hatte, da bestimmte dafür der Emir
Arġūn el-ʿAlāī, der Gemahl seiner Mutter, den Ertrag einer Ortschaft in den östlichen
Gebieten, die als Dahamšā el-H̱amām bekannt ist, in Vertretung der
Mutter des Malik es̱-S̱āliẖ. Und er setzte dafür aus die Summe, die Malik
es̱-S̱āliẖ zu Lebzeiten für den Fall eines Madrasenbaues festgesetzt hatte, als
Fonds für die Angestellten an dem Mausoleum. Es war ein bedeutender Waqf,
der jährlich an viertausend Golddinar abwarf. Als in der Folge der Begebenheiten
die erwähnte Ortschaft zerfiel, verschwand auch der Waqf S̱ālīẖ, von dem
heute nur noch ein Rest besteht. Früher unterrichteten da nur große Gelehrte
(quḏā el-quḏāt), jetzt aber junge Knaben und Leute, die von rechtswegen garnicht dazu befähigt sind.
In dieser Qubbah lesen abwechselnd in den Fenstern, die an der Straße
liegen, die ganze Nacht und den ganzen Tag die Koranleser, deren Unterhalt
von drei (?) Vermächtnissen bestritten wird: ein Teil vom Waqf des Malik es̱-S̱ālīẖ
und ein anderer von dem Waqf es-Saifẖ, von dem König el-Mainūr
Saif ed-Dīn gestiftet. Auch ist ein ständiger Imām angestellt für die fünf Gebete
der Bediensteten und der Koranleser; man öffnet für ihn und für die Leute, die
beten wollen, die Türe, welche sich zwischen dem Grabmal (Qubbah) und dem
Mīẖrāb befindet, um sie nach dem Gebete wieder zu verschließen.
In einem schönen Schranke des Mausoleums befand sich eine große Menge
wissenschaftlicher Bücher, die der Malik el-Mans̱ūr und andere gestiftet hatten;
der größte Teil derselben verschwand in den Händen der Leute, an die sie
ausgegeben wurden.
In einem anderen Schranke befanden sich die Kleider der Bestatteten, für
welche ein Diener (Farrāš) bestellt war, der sie verwaltete.
Was von den Einkünften der Stiftungen des Māristān bei diesem Mausoleum
einfloß, wurde den Angestellten dieses Mausoleums anvertraut.
Und es war Sitte, daß wenn der Sultan jemanden zum Emir von Ägypten und
Syrien ernannte, dieser von der Zitadelle niederstieg, angetan mit dem Ehrenkleide
und dem S̱arbūš2, während unterdessen Kairo ihm (zu Ehren) beleuchtet
war. So schritt er zur Madrasah des S̱ālīẖ in der Bain el-Qas̱rainstraße. Dies
war der Brauch zur Zeit des Sultanats des Muʿizz Ibek und seiner Nachfolger.
Nachträglich wurde er auf das Mausoleum übertragen, wo der Emir in Gegenwart
des Kämmerers auf das erwähnte Grab den Eid ablegte. Bei dieser Gelegenheit
wurden in dem Mausoleum prächtige Tische gedeckt. Dann entfernte
1 Sultan es̱-S̱ālīẖ, einer der Söhne en-Nās̱irs und Enkel Qalāūns, bestieg den Thron am 17. Juni 1342,
einen Tag nach seines Bruders Šihāb ed-Dīn Absetzung. (Nach Qalqašandī dankte dieser ab). Als
man ihm des letzteren Kopf brachte, erschrak er so sehr, daß er krank wurde und auch bis zu seinem
Tode nicht genas. Er starb am 13. August 1345 (Maqr. III, S. 390).
2 Pers. bonnet de haute forme triangulaire, qu'on portait sans turban. C'était la coiffure
distinctive des émirs; les hommes de loi ne le portaient pas. Il a été aboli sous la dynastie
circassienne. — Dozy, Suppl. 742,1.

sich der Emir, bei seinem Ab- und Aufstieg zur Zitadelle die Straßen entlang
von Sängern begleitet. Es war dies eine der Belustigungen in Kairo, die mit dem
Erlöachen der Nachfolger Qalāūns eingingen.
Zu den Geschichten, die mit diesem Mausoleum zusammenhängen, gehört
folgende:
Am Donnerstag zu Beginn des (Monats) Moẖarram 690 geschah es, daß
S̱alāẖ ed-Dīn H̱alil, der Sohn dea Qalāūn, in das Mausoleum viel Geld für Almosen
sandte, worauf er befahl, seinen Vater (d. h. dessen Leichnam) aus der
Zitadelle herabzubringen. Hierauf kamen heraus alle Emire, der Emir Baidarā Badr
ed-Dīn der Reichsverweser, der Wezir S̱āẖib S̱ams ed-Dīn Moẖammed b. es-Salʿūs
et Tanūḫī, und fanden sich ein nach dem letzten Abendgebet und schritten
alle vor dem Sarge des Königs Mans̱ūr zur Moschee el-Azhar, wo sich die Richter
und die Schaiche der S̱ūfīs befanden. Da trat der Hauptrichter Taqī ed-Dīn ibn
Daqīq el-ʿId vor und betete für den Toten, wonach alle herauskamen und ihm
bis zum Grabmale Mans̱ūrs vorangingen, wo er beerdigt wurde, am Donnerstag
abend, den zweiten Moẖarram; nach anderen am zehnten.
Am Donnerstag abend, den 18. S̱afar desselben Jahres, kamen der Wezir
und der Verweser aus dem Zeltlager (Dihlīz1) außerhalb Kairos zum Grabe zurück,
wo man sich zu einer Koranlesung vereinigte; es waren anwesend die Schaiche,
die Koranleser und die Richter in überfüllter Versammlung. Unter die
Armen wurden reichliche Almosen verteilt, es wurden zahlreiche Tische gedeckt,
und den Leuten soviel Speise gereicht bis alle reichlich versehen waren.
Es war eine der „weißstirnigen“ Nächte, in welcher viel für den Sultan
und für die Soldaten des Islams gebetet wurde um Sieg über die Feinde
des Islam. Freitag früh erschien Malik el-Ašraf am Grabe und verteilte
reichlich Geld.
Malik el-Ašraf war aber ausgezogen um den (Glaubens-)Kampf gegen die
Franken aufzunehmen und Akkon einzunehmen. Und er reiste zu dem Zwecke
fort und kehrte am 20. Šaʿbān zurück, nachdem Allah ihm Akkon durch das
Schwert geöffnet und er seine Mauern zerstört hatte. Sein Einzug in
Kairo fand durch das Bāb en-Nas̱r (Siegestor) statt, wobei die Stadt prächtig
geschmückt war.
Als er die Türe dea Māristān erreichte, ging er in die Qubbah des Mans̱ūr,
die bald von den Richtern, von den Vornehmen, Koranlesern, Schaichon und Gelehrten
überfüllt war, die ihn mit Segenswünachen empfingen, bis er sich niederließ.
Als din Leser aus dem Koran rezitiert hatten, erhob sich der Prediger
Nagm ed-Dīn Moẖammed ibn Fatẖ ed-Dīn Moẖammed ibn ʿAbdallāh ibn Muhalhal
ibn Ġiyāth ibn Nās̱r, bekannt unter dem Namen Ibn el-ʿAnbarī, bestieg das
1 Außer den bekannten Bedeutungen vestibule, chambre, antichambre für Dihlīz, führt Dozy
(Suppl. 407-1) an: Lorsqu'il s'agit d'un campement, la partie antérieure des tentes oula
première tente, celle où le sultan se tenait d'ordinaire pour donner des
audiences. Et surtont dans les expéditions militaires … — Wahrscheinlich sind im gegebenen
Falle Zelte gesmeint, die zur Begräbniszeremonie in Beziehung standen und außerhalb der Mauern
Kairos aufgeschlagen waren. Die Sitte, die Gäste bei Totenfeiern unter Zelten zu empfangen, ist
noch heute in
Kairo sehr in Brauch.

Minbar, das für ihn aufgestellt war, setzte sich und hub an, ein Lobgedicht zu
rezitieren über den Glaubenskrieg und dessen Lohn. Er hatte aber damit kein
Glück, denn er eröffnete es mit den Worten:
Besuche Deine Eltern und mache Halt bei ihrem Grab,
mir ist, als sähe ich Dich schon zu ihnen versetzt.
Als Malik el-Ašraf diesen Vers vernahm, ward er zornig, erhob sich und beschimpfte
den Reichsverweser, Emīr Baidarā, in heftigem Zorn, indem er sagte:
„Hat dieser nichts anderes zum Rezitieren gefunden als diesen Vers?“ Da versuchte
Baidarā seinen heftigen Zorn zu beschwichtigen, indem er sich entschuldigte
mit dem Hinweis darauf, daß Ibn el-ʿAnbarī gegenwärtig ohne gleichen sei in
der Schönheit der Predigt und ihm niemand gleichkomme, daß er aber diesmal
kein Glück gehabt hätte. Der Sultan hörte aber nicht auf ihn, sondern entfernte sich, worauf die Versammlung unverrichteter Sache auseinanderging. Der
Sultan aber stieg zur Zitadelle hinauf.
Nach einigen Tagen fragte er nach der Stiftung des Māristāns, die er
aus den Ländereien Akkons, die er mit dem Schwerte erobert hatte, zu vermehren wünschte. Er lud die Richter zu sich, um sich in der Angelegenheit mit
ihnen zu beraten; diese waren sehr begierig darauf und drängten ihn, seine Absicht
bald auszuführen. Da bestimmte er vier Weiler von den Ortschaften Akkons und Tyrus'
als Stiftungen zu Gunsten der Madrasah und des Mausoleums des Mans̱ūr, für das,
was sie benötigten an Öl, Wachs, Lampen und Teppichen und Ausgaben für
das Wasserschöpfwerk (Sāqiyah), für fünfzig Leser, die im Mausoleum
Koran lesen, einen ständigen Imām, der mit den Leuten im Miẖrāb die fünf
Gebete verrichten sollte, und für sechs Bedienstete ebendaselbst. Diese Ortschaften
sind el-Kābirah, Tell eš-Šuyūḫ, Kirdānah und Umgegend, zu Akkon
gehörig und Maʿrakah und S̱adfain an den Gestaden von Tyrus. Er stellte
hierüber die Urkunde aus und bestellte als Leiter den Wezir es̱-S̱āẖib Šama ed-Dīn Moẖ.
ibn es-Salʿūs. Nachdem dies geschehen war, berief er eine Versammlung
in der Qubbah zum Lesen dea Korans; dies geschah am Sonntag abend
den 4. Dhil-qaʿdah 690 (29. Okt. 1291). Da versammelten sich hierzu die Koranleser,
die Prediger, die Schaiche, die Armen (Derwische) und die Richter; er verlieh
den Angehörigen des Beamten- und des Predigerstandes Ehrenkleider und verteilte
unter den Leuten reichliche Almosen. Er veranstaltete eine großartige
Zeremonie (muhimm), die der Wezir mit reichem Pomp feierte. Der Reichsverweser
Emīr Badr ed-Dīn Baidarā und der Wezir Emīr Šams ed-Dīn Moẖammed
ibn es-Salʿūs verweilten die Nacht über im Mausoleum, als der Sultan mit dem
Chalifen H̱ākim biamrillāh Aẖmed in schwarzem Kleide erachien. Dieser hielt
eine beredte Predigt, in der er zur Eroberung ʿIrāqs aus den Händen der Tataren
anspornte. Nachdem die Zeremonie zu Ende war, beschenkte der Sultan den
Wezir mit einem köstlichen Ehrenkleide.
Am Donnerstag 11. Rabīʿ el-awwal 691 (3. März 1292) versammelten sich im
Mausoleum des Mans̱ūr die Koranleser, die Prediger, die Rechtsgelehrten und
die Vornehmen zur Koranlesung und der Sultan el-Ašraf stieg herab (von der
Zitadelle) und verteilte reichlich Almosen.
Der letzte der Könige aus Qalāūns Nachkommenschaft, der Mans̱ūrs Mausoleum

besuchte, war der Sultan Malik en-Nās̱ir H̱asan ibn Moẖammed ibn
Qalāūn, im Jahre 761 (1359/60); mit ihm versammelten sich (dortselbst die
Häupter der Wissenschaft, die gelehrte Gespräche führten. Nachdem er das
Grab seines Vaters und Großvaters bosucht hatte, sah der Sultan nach den
Angelegenheiten der Kranken im Māristān, worauf er in die Zitadelle zurückkehrte.

5. Anlage und baulicher Charakter des Mausoleums.

Das Mausoleum ist von den drei Bauwerken am besten erhalten. Aus
seinem Äußern, Abb. 19, sind auf den ersten Blick die charakteristischen Merkmale
der ungewöhnlichen Konzeption und die Vermischung der zwei grundverschiedenen
Stile, des gotischen und des westislamischen, auffallend. Links das dem
Gesamtbau gemeinsch aftliche Hauptportal; die ersten fünf Fensterachsen gehören
der eigentlichen Grabkapelle an, die sechste und die zwei fensterlosen Nischen
dem Minaret; über dem Kern erhebt sich die Kuppel. Abweichend von dem
Fassadensystem älterer Moscheen, Aqmar, S̱ālīẖ Talāʿī, S̱ālīẖ Ayyūb und Ẕāhir1,
zeigt das Aüßere des Mausoleums, anstatt der breiten von Flachnischen belebten
Mauerflächen, von schmalen Pfeilern getrennte Nischen, die durch Abstufung
ungewöhnlich tief gestaltet sind. Zu dem fremdartigen Gepräge tragen nicht wenig
die Säulen bei, auf denen die Pfeiler stehen. Über den Kapitälen betont ein
kräftiges syrisches Gesims den unteren Teil der Fassade als Sockel. An Stelle
der bisherigen geraden Nischenendungen wölben diese sich in sanftem Spitzbogen,
der sich besonders um die oberen Fenster der Saalachse zu unverfälschter
Frühgotik verjüngt. Den Eindruck eines christlichen Baues erhöhen nicht wenig
die gekuppelten Fenster mit dem Oculus, die sich auch am Portale und an dem
alten oktogonalen Tambur der Kuppel finden. Diese Fensterbildung kommt an
den qalāūnischen Bauten zum ersten Male vor; für die obersten Fenster dient
sie von nun an stets als Modell. Den Abschluß der einzelnen Fenster bildet
ein Hufeisenbogen, der sich auch über das Portal wölbt und auf dem Turme
vorfindet; daß dieser aus Spanien oder Nordafrika importiert ist, beweisen die
diesen Ländern spezifisch eigentümlichen kleinen Blendarkaden am Turme und
das wulstige Flechtwerk am obersten Geschosse desselben. Diese Motive bilden
einen kräftigeren Einschlag westislamischer Architektur, als solche vor dem Ende
des 12. Jahrhunderts zu finden sind.2 Auch das flache Flechtwerk über dem
1 Ea ist die Madrasah des Sultans Baibars I. gemeint, von welcher ein kleiner Teil, gegenüber den
qalāūnischen Bauten, besteht. — Siehe S. 10.
2 Der Einfluß der westislamischen Kunst ist in Ägypten schon früher erkennbar, besonders in
den Bauschöpfungen des Sultans Kāmil (1218—38). Es sei auf die Gitterreste aus Gips hingewiesen, die dem von diesem Sultan errichteten Grabmale des Imāms eš-Šāfiʿī entstammen
(Cat. 59), dann namentlich auf die Ornamente seiner Madrasah, von denen heute allerdings nur
noch ein spärlicher Teil erhalten ist. Der Engländer Wild, der im Jahre 1845 die in jener
Zeit reichlicher vorhandenen Ornamente skizzierte, beschreibt sie als „more like the Alhambra
than any thing I had seen in
Cairo“. — Es ist nicht unmöglich, daß die sich überstürzenden
Ereignisse, deren Schauplatz Andalusien und Nordafrika im Ausgang der Almohadenherrschaft
war, eine Auswanderung von Werkleuten nach dem ruhigeren Osten zur Folge hatten.

unteren Bogen des Portals ist Import; man findet es an den Fassaden
seldschukischer Bauten.
Anlage und Innenaufbau zeigen dieselbe Fülle von fremden Formen. Aus
dem Korridor, mit schön geschnitzter Balkendecke, führen zwei Türen in die Grabkapelle;
die erste liegt in deren Achse, von der zweiten gelangt man durch einen
Vorraum ins Innere. Abb. 20.1 Der Vorraum stellt sich als eine rechteckige
Säulenhalle von 10 zu 15 Meter mit einem offenen Hofe dar, dessen eine Schmalseite
eine sanftspitzbogige Flachnische bildet, die von der Türe und schön vergitterten
Fenstern durchbrochen und mit reicher Stuckornamentation bedeckt
ist.2 Abb. 21. Die schräge Laibung des Nischenabschlusses kommt auch hier
vor. Durch die breite Tür aus gedrechseltem Holz gelangt man in die Grabkapelle.
Der Grundriß des Mausoleums weicht von allen arabischen Grabanlagen
Ägyptens ab, die sonst stets aus einem quadratischen Raume mit Kuppeldecke
über einem Tambur bestehen. Hier umschließt der Raum einen Stützenkranz
von vier kräftigen Pfeilern und ebensovielen großen monolithen Granitsäulen,
über denen die gestelzten, sanftgespitzten Hufeisenbogen derart aufgesetzt sind,
daß die hohe Trommel, die aus diesen herauswächst, ein regelmäßiges Achteck
bildet. Abb. 22.
Analogien zu diesem Grundriß findet man in der Qubbat es̱-S̱aḫrā und
in der Qubbat es̱-S̱ulaibiyyah3, deren Originaltypen aber wohl in jenen christlichen
Zentralbauten zu suchen sind, die sich in Mittelsyrien vorfinden4, und
von denen, wie später zu erweisen ist, auch die Madrasah beeinflußt war. Eines
dieser christlichen Bauwerke stimmt sogar mit Qalāūns Mausoleum mehr überein
als die vorher erwähnten Qubbahs, denn während die Qubbat es̱-S̱aḫrā zwei
Umgänge besitzt und die es̱-S̱ulaibiyyah eine achteckige Außenform, stimmt die
hl. Georgskirche in Ezraʿ in allen Stücken mit der Anlage des Mausoleums überein.
Auch da umschließt der quadratische Raum einen ins Achteck gestellten
Stützenkranz, der Bogen und Tambur mit Fenstern und Kuppel trägt; nur die
Winkel der Halle sind zu Nischen umgebildet5, Abb. 23 u. 24.
Auch die Bogen in sanftgespitzter Hufeisenform sind eine Neuerscheinung
in der arabischen Architektur Ägyptens. Sie sind mit den erwähnten Formen
am Äußeren des Denkmals vom Westen eingeführt, wo sie beispielsweise schon
im 9. Jahrhundert am Sonnentore und an der Porta Visagra in Toledo und in
den von Ibrāhīm dem Aġlabiden erbauten Toilen der großen Moschee in
Qairawān6 vorkommen.
1 Die Abbild. 20 u. 21 sind mit anderen meiner kurzen Geschichte der islamischen Kunst entnommen,
die in der von Professor von Beöthy im Auftrage des ungar. Ministeriums für Kultus und Unterricht
verfaßten „Allgemeinen Kunstgeschichte“ enthalten ist (A Müvészetek Története, Budapest 1907).
2 Über die ursprüngliche Ausstattung dieser Vorhalle siehe Maqrīzīs Beschreibung S. 14.
3 Ernst Herzfeld, Erster vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen von Samarra, 1912, S. 28.
4 De Vogüé, Syrie centrale.
5 Coste beschreibt mit folgenden Worten den Eindruck, den das Grabinnere auf ihn gemacht hat:
„Les longues arcades qui reposent sur des gros piliers, les croisées avec de petites colonnes, enfin
tout l'ensemble de cette construction, dépouillé de ses ornaments, ressemblerait beaucoup à la construction intérieure de nos édifices appelés gothiques.“ Mon. du Kaïre, S. 36.
6 Henry Saladin, La mosquée de Sidi Okba à Kairoūan.
Die Decke ist aus Holz; sie wird durch die von den Stützen zu den
Wäden übersetzenden Bogen in Rechtecke in den Achsen, und in Fünfecke in
den Ecken zerlegt. Erstere haben sichtbare geschnitzte Balken, letztere lösen
sich in Rundkassetten auf.
Im dekorativen Ausbau ist der Baumeister, sowohl was Mittel als auch
was Motive betrifft, dem einheimischen Stile treu geblieben, obzwar es auch da
nicht an Anklängen an den westislamischen Stil fehlt. Marmormosaiken, mannigfache
Gipsornamente, Vergoldungen an Kapitälen, Marmorrahmen an den
Stuckinschriften bringen einen außergewöhnlichen Effekt von Pracht und Reichtum
hervor. Be sonders ist die Mannigfaltigkeit der Muster sowohl in den Mosaikals
auch in den Stuckarbeiten hervorzuheben. Auch die Arabesken an den
Bogenlaibungen sind verschieden gemustert. Die Mosaiken überziehen Wände
und Pfeiler bis auf 4,40 Meter Höhe; auch die Fensterlaibungen sind damit
ausgestattet; Abb. 25. Die Sockel sind einfach gehalten, sie bestehen aus glatten,
verschiedenfarbigen Marmorstreifen; darüber befindet sich die eigentliche mit
Mosaik ausgestattete Hauptfläche, in Felder abgeteilt, die von feinskulpierten
und vergoldeten Marmorrahmen umsäumt sind. Neben der denkbar größten
Mannigfaltigkeit der Marmorgattungen kommt auch Perlmutter zu reicher Verwendung.
Es ist das älteste Bauwerk in Ägypten, das mit einem solchen Reichtum
musivischer Arbeit ausgestattet ist; deren Feinheit wird selbst von den
Mosaiken späterer Epochen nicht übertroffen.
Die Gipsornamente der Bogen erstrecken sich auch auf die Stirnflächen,
die sie von innen und außen einfassen. Der innere Saum umgibt die vertieften
Medaillons, die über den Bogen angebracht sind; der äußere hat eine gekehlte
Form, die auch alle Fenster umgeben. Sie sind stets mit Ornamenten ausgefüllt. Die vertikal aufsteigende Fläche unter den Laibungen ist mit dem der
maurischen Architektur eigenen gezackten Bogenmotiv verziert. Über den Kapitälen
der in den Wandpfeilern eingebundenen Säulen umgibt vorerst ein Mosaikband
die kräftigen Pfeiler, über das sich der breite, aus Holzbrettern gezimmerte
Fries stellt. Derselbe besteht aus einem oben und unten eingesäumten breiten
Inschriftenbande, dessen schöne Buchstaben sich in der bereits ausgebildeten
Nashīschrift in kräftigem Relief abheben. Dieselben sind vergoldet auf blauem
Grund. Auch der obere Saum, eine endlose Arabeske, ist in Relief vergoldet
und bemalt, während der untere ein geschnitztes Rankenwerk, Blätter und Weintrauben darstellt. Der gleiche dreigeteilte Inschriftenfries zieht sich in derselben
Höhe an den Wänden hin.
Die breite Fläche auf den Pfeilern über dem Inschriftenfries ist ebenfalls
aus Holz. Das aufgemalte Fayencemuster, im Stile des 17. Jahrh., ist wohl an
Stelle einer ursprünglichen stilentsprechenderen Arbeit in Stuck- und Farbenverzierung
angebracht worden. Die Bekrönung, in Form einer schrägflächigen
Platte, ist mit demselben Motiv in Schnitzwerk verziert wie der untere Inschriftensaum. Er befindet sich auch über dem Kapitäl der monolithen Säulen,
wo er für die breiten Bogenpfeiler die erwünschte Auflagerfläche bildet. Ein
Polster mit ausgehöhlten Ecken vermittelt den Übergang zwischen Kapitäl und
Auflager. Die Säulen sind aus ägyptischem Rosengranit; sie rühren ohne Zweifel

von einem griechischen oder römischen Baue her.1 Ihre Kapitäle waren vergoldet,
so auch die der kleineren Säulen. Endlich seien noch die geschmackvoll
geschnittenen Gipsfenster mit buntem Glas erwähnt, durch die das Licht
gedämpft einfällt und dem Sultansgrabe eine weihevolle Stimmung verleiht.

6. Die Erhaltungsarbeiten.

Seit dem Jahre 1903 wurden am Mausoleum wichtige Erhaltungsarbeiten
ausgeführt. Sie betrafen in erster Linie den Abbruch der Verkaufsbuden, die
sich an der ganzen Fassade hinzogen und nicht nur sämtliche unteren Straßen-fenster
verdeckten und den Bestand des Mauersockels gefährdeten, sondern infolge
dadurch hervorgerufener ungenügender Ventilation des Inneren das Abbröckeln
der Marmorverkleidung verursachten. Dies ermöglichte auch, längs der
Fassade einen ein Meter breiten Graben bis zum ursprünglichen Mauerfuße auszuheben.2 Auch wurde das Äußere von der häßlichen Tünche befreit, die es
bis zum Turme hinauf in Schachbrettmuster bedeckte. Abb. 26. Hierbei kam die
alte Vergoldung des breiten Inschriftenbandes, das Maqrīzī erwähnt, zum Vorschein.
Das Mauerwerk wurde ausgebessert, die gipsernen defekten Fenstergitter
vervollständigt und die fehlenden ersetzt, und anstelle der flachen Notdecke,
die besonders im Innern störend wirkte, eine Kuppel errichtet. Als Modell
diente der Dom des Grabes, welches sich Qalāūns ältester Sohn und Nachfolger
H̱alīl im südlichen Kairo errichten ließ. Um aus Eisenbeton eine getreue
Kopie herzustellen, wurde die Kuppel doppelwändig konstruiert. Auch das Marmorportal
wurde von dem bunten Ölanstrich befreit und ausgebessert. Die von
einem Hufeisenbogen umrahmten Öffnungen ersetzen, wenn die im Jahre 1785
gezeichnete Ansicht getreu ist, eine interessante Gruppe von fünf Fenstern.
Abb. 27.3 Die noch andauernden Arbeiten werden wohl hierin Gewißheit bringen.
Auch die bronzeverkleideten Türflügel wurden ausgebessert, wobei die Neuansätze
durch das Einritzen der Jahreszahl kenntlich gemacht worden sind.4
Die Eingangstüren, die aus dem Korridor in die Grabkapelle und in die
Vorhalle führen, wurden, dem Stile der ausgeführten Arbeiten nach zu schließen,
vor etwa hundert Jahren umgeändert; über der neuen horizontalen Nischendecke
besteht noch der Schluß des ursprünglichen Spitzbogens.
Die Schönheit der Stuckverzierung in der Vorhalle, die wir flüchtig betrachtet
hatten, spricht für sich. Es sei nur noch auf die Mannigfaltigkeit ihrer
Zeichnungen aufmerksam gemacht, die nicht weniger als siebzehn Motive aufweisen.
1 Diese schönen Säulen dürften wohl zu denjenigen gehören, die aus dem zerstörten Schlosse des es̱-S̱āliẖ
auf Rōḏah stammen und die Maqrīzī erwähnt (S. 37).
2 Die in den letzten Jahrhunderten herrschende Unsitte, den Schutt einfach auf die Straße zu werfen,
verursachte das Aufhöhen des Bodens, wodurch viele der schönen Denkmäler an ihrer ursprünglichen
Höhe einbüßten. Der Anwuchs vor dem Mausoleum beträgt über Manneshöhe.
3 Voyage pittoresque de la Syrie, dessiné par L. F. Cassas.
4 In den Erhaltungsarbeiten habe ich stets die Neuarbeiten durch das Einritzen der mohammed. Jahreszahl
kenntlich gemacht; wenn es sich um bedeutende Arbeiten handelte, wurden sie außerdem auf
einer Gedenktafel aufgezählt.

Die ausgebesserten Stellen sind an der helleren Farbe kenntlich.
Dort, wo die ursprüngliche Zeichnung fehlte, wie an den Seiten des Rundfensters
und am untersten Fries, wurde ein platter Verputz angebracht. Die Vervollständigung
der unteren Schmalgitter bot infolge vorhandener Reste keine Schwierigkeiten,
um so mehr aber die Rekonstruktion anderer. Hier mußten die Ansätze
der Stäbe an den Fensterrahmen zu Hilfe genommen werden. (Die photo-graphische
Aufnahme wurde vor der Beendigung der Arbeiten gemacht.)
Das Innere des Denkmals hatte besonders gelitten. Abb. 28. An Stelle der
schönen Mosaiken, die allenthalben abgebröckelt waren, befand sich an vielen
Wänden und Pfeilern eine grün angestrichene Bretterverkleidung. Nachdem durch
den Abbruch der Buden für Luft- und Lichtzutritt gesorgt war und die Wände
getrocknet waren, konnte zur Ausbesserung des Mauerwerkes und der Mosaiken
geschritten werden. Da die Muster an den Wänden und an den vier Pfeilern
eine symmetrische Anordnung zu den Achsen zeigen, war es leicht, die fehlenden
Felder, für die ein Muster vorhanden war, wieder herzustellen; sie sind durch
eine kurze, im Rundstab des Rahmens eingemeißelte Inschrift kenntlich gemacht;
an den inneren Seiten der Pfeiler sind die alten Muster verschwunden, daher
erhielten die Felder einen glatten Mörtelverputz.
Nicht weniger mühevoll war es, der ursprünglichen Mosaikverkleidung der
Qiblah nachzuspüren, wozu aber die noch sichtbaren Abdrücke der verschwundenen
Anordnungen, die sich an manchen Stellen unter den häßlichen Platten
erhielten, von Nutzen waren. Die vier dunkeln Säulen sind aus rotem Porphyr
vom Gabal ed-Duhān; auch sie sind griechischen oder römischen Ursprungs
und dürften, wie die monolithenen Granitsäulen, dem Schlosse des Sultans Sāliẖ
Ayyūb auf Rōdah entnommen worden sein. Abb. 29.1
Was die einstigen Vergoldungen in der Gebetsnische anbetrifft, von denen
noch deutliche Spuren zu bemerken sind, so wurden sie an einigen Stellen
hergestellt; so auch die Vergoldung anderer Architekturteile, wie der Kapitäle,
des unteren hölzernen Saumes des Inschriftenfrieses und des skulpierten
Marmorrahmens der Mosaikfelder an der Qiblahwand; nach den an allen Orten
vorhandenen deutlichen Spuren wurden Kopien angefertigt. - Sie zeigen, welch
ausgebreiteter Gebrauch von der Vergoldung gemacht worden ist.2
An vielen Gipsfenstern waren die bunten Glaseinlagen mit einer dicken
Tünche überdeckt, unter der selbst die Zeichnung schwer erkennbar war; sie
wurden sorgfältig davon befreit und die schadhaften Stellen ausgebessert. Der
Vergleich der zwei Ansichten Abb. 25 und 28 gibt Aufschluß über die Arbeiten
an den Fenstern.
1 Das Bild stellt die Qiblah im vorgefundenen Zustande dar.
2 Von der Polychromie und der Vergoldung wurde in der islamischen Baukunst in Ägypten ein viel
größerer Gebrauch gemacht als man allgemein annimmt; Jahrhunderte lang angesammelter Staub
und verständnislose Behandlung haben viel verwischt. Ich habe ihnen in meinen Erhaltungsarbeiten
stets sorgfältig nachgespürt und sehr oft mit Erfolg; es wurde nie verabsäumt, in den Denkmälern,
nach den vorgefundenen Spuren von Bemalung, eine teilweise Wiederherstellung auszuführen
oder zu versuchen. Die Zahl solcher Denkmäler ist bedeutend. Ich habe vor Jahren in einem Vortrag
im Institut Égyptien, (dessen Berichte mir nicht zur Verfügung stehen), den Stoff kurz behandelt.
Der vorgefundene Bodenbelag aus gewöhnlichen Kalksteinplatten rührte
auch aus der Zeit, als im Gebäude die bedeutenden Änderungen ausgeführt
worden sind; er lag etwa 0,25 Meter über dem ursprünglichen Fußboden. Die
Erwartung, einen Mosaikboden zu finden, erfüllte sich nicht, aber der moderne
Belag wurde trotzdem abgetragen, um die Sockel der Gebetsnische und der
Maqsūrah freizulegen.
Auch die gedrechselten und geschnitzten Holzwände der letzteren, welche
zwischen die Pfeiler gestellt sind, wurden ausgebessert, so auch der Kenotaph
—Tābūt—, in dem zwei große Stücke der alten, äußerst schönen Schreinerkunst
des 13. Jahrhunderts gefunden worden sind. Sie wurden dem neuen,
einfachen Kenotaph einverleibt. Unter diesem liegt die Gruft, die außer
Qalāūns Leiche auch die seines Sohnes Mohammed und eines Enkels birgt.
Einer Tradition gemäß soll ersterer in voller Rüstung bestattet worden sein.

7. Auszüge aus den Sitzungsberichten des Comité de Conservation
des Mon. de l'Art Arabe, das Mausoleum betreffend.

Im Jahre
1887. Es werden für Erhaltungsarbeiten P. T. 14 verausgabt und zugleich Maßnahmen
erörtert, um dem Abfallen der Wandmosaiken Einhalt zu tun.
Als Hauptursache der Zerstörung der Mosaiken wird der Mangel an Lüftung
des Grabinnern erkannt, die infolge der Verkaufsläden, welche die
Fenster decken, unmöglich ist.
1890. Es wird um ein Dekret nachgesucht, um die Verkaufsläden, die sich an
die Fassaden anlehnen, zu enteignen.
1896. Ein Mosaikfeld wurde von einem Wandstück abgetrennt und im arab.
Museum aufbewahrt1; unterdessen werden Versuche angestellt, die Mosaiken
an den Wänden sicherer zu befestigen.
1897. Die Terrassendecke des Mausoleums wird ausgebessert.
Versuchsarbeiten zur provisorischen Befestigung der Mosaiken wurden
ausgeführt.
1900. Mit der Enteignung der Verkaufsläden wird begonnen.
1903.
Das Äußere des Bauwerkes ist von den entstellenden Verkaufsläden
befreit.
Eine Summe von Äg. Pf. 550 wird für die Erhaltungsarbeiten der Wandmosaiken
und für die Wiederherstellung der Kuppel bewilligt.
1904. Die Arbeiten werden für eine Summe von Äg. Pf. 1500 fortgesetzt; sie
betreffen die Erhaltung und Wiederherstellung der fehlenden Mosaiken,
die Ausbesserung der Fassade, die Reinigung und Ausbesserung der Fenster
in Stuck und farbigem Glas und ihrer Schutzgitter in Gips.
1905. Ausbesserung der einzigen erhaltenen Decke in der Nordostecke des
Grabmales und Wiederherstellung der drei fehlenden. Herstellung des
Inschriftenfrieses nach dem in dem Nordkämmerchen befindlichen ursprünglichen
Muster. —Die Bronzeverkleidung der Haupttüre wird ausgebessert.
1 Als später die Arbeiten im Mausoleum vorwärtsschritten, wurde das Feld wieder an seine ursprüngliche
Stelle versetzt.
1907.
Die moderne Decke (eine Art Baldachin), die sich über dem Sarkophag
befindet, wird abgetragen. Für weitere Arbeiten wird die Summe von
Äg. Pf. 1540 bewilligt.
Die zwei Stücke des ursprünglichen Kenotaphs werden in sachgemäßer
Weise aufgestellt.
Erhaltung und teilweise Wiederherstellung der Stuckornamente in der
Qāʿah (Vorhalle).
1908. Die Gipsfenster der Vorhalle werden ausgebessert, die fehlenden nach
vorhandenem Muster ersetzt.
1909.
Ausbesserung der Fassade und einer ihrer Marmorsäulen.
Die bis Ende des verflossenen Jahres für die Erhaltungsarbeiten verausgabte
Gesamtsumme beläuft sich auf Äg. Pf. 8840; für das laufende
Jahr sind Äg. Pf. 300 veranschlagt.
Beschluß, die drei im Jahre 1905 angebrachten Holzdecken gleich der
ursprünglichen (vierten) Decke zu bemalen; Kosten Äg. Pf. 450.
Vor den Fassaden des Mausoleums und der Madrasah wird ein Graben
angelegt. um deren verschüttete ursprüngliche Sohle bloßzulegen; Kosten
Äg. Pf. 360.
1913. Eine marmorne Inschrifttafel wird in der Vorhalle angebracht, auf welcher
die ausgeführten Arbeiten aufgezählt sind.

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C. Die Madrasah des Mansūr.

8. Ihre Geschichte nach Maqrīzī.1

Diese Madrasah befindet sich an dem Tore (dāḫil el-bāb) des großen
Māristān des Mans̱ūr im Bain el-Qas̱rainviertel Kairos. Sie wurde nebst der
ihr gegenüberliegenden Qubbah und dem Māristān errichtet von Malik el-Mans̱ūr
Qalāūn el-Alfī es̱-S̱āliẖī, durch die Hand des Emirs ʿAlam ed-Dīn Sāngar eš-Šugāʿī.
Er richtete darin Vorlesungen ein für die vier theologischen Schulen sowie
solche für Heilkunde, ordnete ferner im Mausoleum Vorlesungen in der Tradition
des Propheten, in der Erklärung des heiligen Korans und den religiösen Unterricht
an. Dieser Unterricht wurde von den berühmtesten und angesehensten
(Rechts)gelehrten erteilt.
(Folgt eine kurze Poesie.)

9. Anlage und Charakter des Baues.

Auch die Hauptfassade der Madrasah liegt nach Osten, Abb. 30, eine
schmälere nach Norden; die südliche wurde nie ausgebaut, sie zeigt das rohe
Bruchsteinmauerwerk ohne Steinverkleidung. Die Nordfassade war bis in die
letzte Zeit von einem wenig tiefen Anbau ganz verdeckt, welches nur der vom
Emir Aqūš errichtete Kuttāb—Kinderschule—gewesen sein kann, den Maqrīzī
1 Ansgabe Būlāq 1270 Bd. II S. 379.

erwähnt1 und der noch vor vierzig Jahren in der ursprünglichen Form bestandem
hat. Ebers bringt seine Ansicht, die in Abbildung 31 wiedergegeben ist.2
Die Außenarchitektur der Madrasah weist auch Flachnischen mit Spitzbogenschluß
auf, jedoch ohne Abtreppung und ohne Säulen unter den Wandpfeilern.
Von dem Gange, der die Madrasah vom Mausoleum trennt, führen zweī
Türen in dieselbe, die denen des Mausoleums gegenüber liegen; die erste, in
der Querachse des S̱aẖns, öffnet sich auf einen mit einem Tonnengewölbe in
Hufeisenform gedeckten offenen Raum von 2,90 Meter Tiefe zu 4 Meter, die
zweite führt durch eine winkelige Passage ebenfalls in den S̱aẖn. Der ersten
Türe gegenüber, jenseits des S̱aẖn, befindet sich eine kleine Halle, zwei Säulen
mit Bogen, von derselben Tiefe, bei einer Längenausdehnung von ca. 11 Meter.
Ihr architektonischer Charakter und ihre asymmetrische Stellung verraten auf denersten
Blick den modernen Umbau; wahrscheinlich ist sie an Stelle einer der gegenüberliegenden
Nischen entsprechend angelegt worden, wobei die bedeutendere
Länge auf Kosten der sie ursprünglich zu beiden Seiten begleitenden Zellen geschaffen
worden ist, die noch an der andern Seite erhalten sind. Oder es warem
an der ganzen Front Zellen angebracht, was wahrscheinlich ist, da die hintere
Mauer sicherlich auf den alten Fundamenten steht. Im Grundriß ist ein Restaurationsversuch
in diesem Sinne gemacht.3
Die südliche Türe neben dem Westliwān führt aus dem Waschungshofe in
den S̱aẖn, eine andere unmittelbar in den Westliwān. Auch letztere ist eine
Neuerung, angebracht, als man den Westliwān für die Insassen des Hospitals bestimmte,
was zur Folge hatte, daß man ihn gegen den S̱aẖn durch eine volle
Mauer verschloß.4 Unter dem rohen Verputz kann man unschwer den alten.
Bogen verfolgen und an den Seiten die Stellen der vermauerten Fenster erkennen.
Den Liwān bedeckt ein moderner hölzerner Plafond.
Der Ostliwān ist bedeutender und, wenigstens was seinen Grundriß betrifft,
vollständig erhalten, so daß die Madrasah des Qalāūn in ihrer langgestreckten.
Form, nur aus S̱aẖn und zwei Liwānen bestehend, von geringen nebensächlichen
Änderungen abgesehen, das vollständig auf uns gekommene Beispiel des ältesten.
Madrasentypus darstellt. Man kann hinzusetzen: den Typus der ersten Madrasen;
denn der kreuzförmige Grundriß, der dafür gehalten wird, ist schon eine ent—
1 Siehe hierüber S. 35 und 36.
2 Georg Ebers, Ägypten in Bild und Wort. Außer dieser Abbildung in Bd. I, S. 273, befindet-sich
eine andere auf S. 287. Erstere stellt dieselbe Kinderschule, vom Gange her durch das-Hauptportal
gesehen, dar. Ihre Bezeichnung als „Das
Tor der Gasse Sukkariye“ ist also unrichtig.
Noch andere Benennungen der herrlichen Illustrationen im ersten Bande bedürfen der Richtig-stellung:
Seite 69 ist nicht das Minaret der Moschee Werdani (eigentlich Mārdānī), sondern der
des Šaiḫ el-Bordainī; Seite 312 ist der Südliwān der Moschee el-Gūrī und nicht eine Gebetnische-S.
361 stellt die Grabmoschee des Ḫairbak dar und S. 368 ist eine Teilansicht aus dem Hause des
Mufti und nicht des Šaiḫ es-Sādāt.
3 Die in Konia 1242/43 erbaute Sirtscheli Madrasah weist an beiden Langseiten des S̱aẖns eine un-unterbrochene
Reihe von Zellen für die Studenten auf, mit einer Treppe zum Ohergeschoß an.
einem Ende. —Sarre, Denkm. pers. Bauk.
4 In dem Grundrisse Costes ist der Westliwān als für die Genesenden bestimmt bezeichnet.

wickeltere Art davon. Es ist ferner historisch nachweisbar, daß das Vorbild der
kreuzförmigen Madrasen (und auch der älteren zweiliwānigen) nicht, wie angenommen
wird, eine direkte Importation aus Syrien ist, sondern daß sie in unmittelbarer
Beziehung stehen zu den islamisch-ägyptischen Wohnbauten.1
Aus dem S̱aẖn führen in der Mitte drei Bogen und an den Seiten zwei
wagerecht gedeckte Türen in den Ostliwān, Abb. 32.2 Der Bogen in der Achse
ist breiter als die seitlichen; alle drei sind hochgestelzte Halbkreisbogen—die
einzigen in der Madrasah—, auf Spoliensäulen ruhend. Über den Türen befinden
sich in drei Geschossen spitzbogige Fenster.
Bietet schon diese Fassade des S̱aẖns etwas Befremdendes, so fällt das
Innere des Liwāns noch mehr durch seine Anlage auf, die eine dreischiffige
Säulenbasilika darstellt, Abb. 33 und 34. Die vertikale Säulenstellung der Schiffe
zur Qiblahwand muß umsomehr auffallen als sie die e r s t e Abweichung von der
in Ägypten herrschenden Regel ist. Das Hauptschiff ist 9,00 Meter, die Neben-schiffe
3,60 Meter breit; die Länge beträgt 18,00 Meter. Die antiken Spolien-säulen,
mit Basis und korintischem Kapitäl, tragen steinerne Würfelaufsätze mit
wuchtig ausladendem Profil, auf denen hohe Pfeiler von quadratischer Grundform
mit Vorsäzen an den vier Seiten stehen, zwischen denen sich sanft gespitzte
Bogen spannen. Zwischen Pfeilerköpfen und Bogenanläufen schiebt sich je
eine Platte mit Hohlkehle ein und, da die Bogenstärke der Breite der inneren
Pfeilervorsätze entspricht, bilden die über den Bogen befindlichen von Rundfenstern
belebten Wände Flachnischen, über die sich die Pfeilerecken ihrerseits
in Spitzbogen schließen. Zwischen letzteren, über der Holzkehle, steigen die
frontalen Pfeilervorlagen empor, in deren Mitte je ein achteckiges Marmorsäulchen
auf Konsolen angebracht ist.
Der Grundriß des Liwāns ließ Klarheit nichts zu wünschen übrig, um
so mehr die Art der Decke. Daß Form und Bemalung der vorgefundenen
Balken modern waren, sah man auf den ersten Blick; auch verrieten die gemauerten
Ansätze in den Seitenschiffen, daß diese ursprünglich gewölbt waren.3 Über die ursprüngliche Decke des Mittelschiffes ließ sich sobald keine Meinung
fassen; daß sie sich in größerer Höhe als die vorgefundene und als die Gewölbe
der Nebenschiffe befunden hat, ersah man aus der Qiblahmauer, von der
ein mit feinen Stuckornamenten bedecktes Stück über die Terrasse hinausragte,
Abb. 35. Auch war es klar, daß die oberen Säulchen mit den darüber liegenden
Konsolen zur ursprünglichen Decke in Beziehung gestanden hatten. Das
Abtragen des modernen Plafonds und weitere Untersuchungen, erleichtert durch
Berücksichtigung der vom entstellenden Verputz befreiten Wände, wobei ungeahntc
Stuckornamente zum Vorschein kamen, ermöglichten die Frage zu klären.
1 Es würde zu weit führen, an dieser Stelle auf den Gegenstand weiter einzugehen; es soll demnächst
ein besonderer Artikel darüber erscheinen.
2 Die Abbildung zeigt die Fassade des S̱aẖns während der Erhaltungsarbeiten, die im nächsten Kapitel
besprochen werden.
3 Da die Gewölblinie auf der Westwand des Nordschiffes Abdrücke hinterlassen hatte, konnte ich, an
die ursprüngliche Decke erinnernd, unter der vorgesehenen Schutzdecke ein Gewölbe in leichtem
Material herstellen lassen.>

Vorerst ergaben die Bogenanläufe, welche man in den oberen Ecken der Qiblahwand
erblickt und die sich um das Stuckornament und das unvollständige Rundfenster
fortsetzten, Abb. 33 u. 34, daß die Decke eine Wölbung in Spitzbogenform
gehabt haben mußte. Da zu einem gemauerten Gewölbe die
konstruktiven Vorbedingungen fehlten, konnte es nur ein Tonnendach gewesen
sein.1 Die Bestätigung dieser Voraussetzung fand sich denn auch vor, und zwar
in den eingebundenen Oktogonalsäulchen und den diesen aufliegenden schweren
Konsolen — denen ja eine tragende Funktion zugeschrieben werden muß.
Darüber kamen viereckige Löcher zu Tage, die nur Balken enthalten haben
konnten, und wirklich stak noch in einen derselben ein abgesägter Stumpf, der
wahrscheinlich beim Herausreißen einen zu großen Widerstand geleistet hatte.
Über die Funktion dieser Konsolen kann also kein Zweifel obwalten: sie hatten
die Bestimmung, die Bundträme der Dachbinder aufzunehmen, von denen je einer
in jeder Stützenachse angeordnet war.
Die basilikale Anlage des Liwāns mit dem hölzernen Dachstuhl, letzterer
neben der Moschee in Cordova das einzige bekannte Beispiel in der islamischen
Kunst, bringt denselben in nahe Beziehung zu den Kirchen, die ihm als Modell
dienten.2 Die koptischen Kirchen im Süden von Kairo sind als verwandte Typen
anzuführen. In der Kirche Abi Saifain ist das nördliche Seitenschiff noch von
den alten Kreuzgewölben überdeckt3; das Hauptschiff trägt ein Satteldach. In
der Kirche Anba Šanūda sind unter den Dachträmen gemauerte Pfeilerkonsolen
angeordnet und die Schiffe der Marienkirche (el-Muʿallaqah) in Qāsr eš-Šamʿ
haben Tonnendächer.4 Die Ähnlichkeit des Ostliwāns zu diesen Kirchen ist klar,
doch nählern gewisse Einzelheiten den Liwān mehr jenen Basiliken aus dem
5. und 6. Jahrhundert, die in Syrien heimisch sind und die de Vogüé in
seinem Werk Syrie Centrale bekannt gemacht hat. Unter diesen sind
es besonders die Kirchen in Turmanīn und Qalb Lūzeh und die große
Kirche des hl. Simon des Styliten;5 sie enthalten alle die mit Konsolen kombinierten
Säulchen, die zum Tragen der Dachbunde dienen. In der Kirche von
Qalb Lūzeh, Abb. 36, kommt derselbe konstruktive Baugedanke zum Ausdruck
wie im Liwān, Abb. 37, die einen Rekonstruktionsversuch darstellt.
1 Der Hauptliwān der Barqūqmoschee, welcher demjenigen des Qalāūn nachgebildet ist, besitzt
trotz seiner mächtigen Granitsäulen eine Holzdecke, während die anderen drei Liwāne Tonnengewölbe
aufweisen.
2 Die Moschee in Cordova hat mit dem Hauptliwān gewisse Analogien. Auch in ihr ist die Tendenz
durchgeführt, den Raum hoch zu gestalten; auch da finden sich die eingebundenen Säulchen vor.
Die spanischen Archäologen weisen auf Kirchen hin, die zur Zeit der arabischen Invasion
bestanden hatten. Maqqarī erwähnt selbst die Tribünen für die Frauen, die sich in der Moschee
befunden haben sollen, ganz wie in den alten Kirchen Roms, St. Agnese und Lorenzo, der Sophienkirche
in Konstantinopel und San Vitale in Ravenna. Es ist nicht unmöglich, daß diese Moschee
manchen Gedanken zum Hauptliwān angeregt hat — westislamische Einflüsse sind ja im Mausoleum
erwiesen —; deren Verwirklichung deutet aber entschieden auf die Kirchen in Syrien hin.
3 Comité, 1897, Taf. VIII.
4 Abu S̱āliẖ erwähnt die Kirche des St. Arsenius in el-Qus̱air (südlich von Kairo), über deren Mitte
sich „ein langes gewölbtes Dach“ befand (

, Fol. 50 a).
5 De Vogüé, Syrie centrale. — Die Kirche Qalʿat Semʿān, S. 139, Text b. 43; Kirche in Turmanin
S. 139, Tafel 133.
Noch andere Momente erinnern an die Kirchen; so findet sich für das
Herumführen der eingebundenen Säulchen an der Qiblahwand die Analogie in
der Kirche des hl. Simon;1 ferner dürften die Konsolen an der Liwānfassade,
Abb. 32, ähnliche Säulen getragen haben wie das Äußere des Oktogonalbaues
dieser Kirche oder an der Apside der Kirche in Baqūza (6. Jahrh.).2 Auch für
den Dreibogen in der Liwānfassade enthalten die Simonskirche und die Kirche
in Turmanīn die Motive.3 Der Baumeister, der mehr als wahrscheinlich ein
Abendländer war, hat also wie für das Mausoleum auch für die Madrasah sein
Vorbild christlichen Denkmälern entnommen.
Das Mausoleum und die Madrasah des Sultans Qalāūn hatten eine nachhaltige
Einwirkung auf die Stilbildung der Baukunst in Ägypten, die sich aber
nicht in nachahmenden Schöpfungen äußert (das Dreischiff findet sich außer in
der bereits erwähnten Barqūqmoschee nur noch in einem Palaste),4 sondern in
der Adoption einzelner wichtiger Baugedanken und charakteristischer Formen.
Die Sakralbauten gelangen zu einer bedeutendern Höhenentwicklung, die Bogen
stellen sich nicht mehr unvermittelt auf die Stützen, sondern werden, wie in
Qalāūn, durch eingesetzte Zwischenpfeiler gestelzt; Gāmiʿ des Moẖammed en-Nās̱ir
auf der Zitadelle, 1319; des el-Mārdānī, 1340; Šaiḫū, 1349; el-Muayyad,
1415 u. a.
Auch die Madrasen folgen dieser Neuerung, indem die Bogen der schmalen
Seitenliwāne hohe Anläufe erhalten. Die Folge der bedeutenderen Höhe der
Bauwerke zieht — auch eine Nachbildung der qalāūnischen Madrasah — die
Anordnung der Fenster in drei Geschossen nach sich, was zur Belebung der
Fassaden beiträgt; Madrasah Algāī, 1366; Madr. Abdel-Ġanī el-Faḫrī, 1418,
u. a. Von den Bogenformen wird nur der Spitzbogen beibehalten: in seiner
einfachen Form in den Seitenliwānen der Madrasentypen und mit dem Hufeisen
kombiniert, in den Gāmiʿ mit Stützenhallen und in den Ost- und Westliwānen
der Madrasen. Der reine Hufeisenbogen wird auf die Verwendung für die gekuppelten
oberen Fenster mit dem Oculus beschränkt, die stets in dieser Gestaltung
gebildet weren;5 er kommt auch manchmal als Umrahmung der Gebetnische
vor.
Ebenso war die Gestalt des Minarets von Qalāūns Bauwerk nicht ohne Einfluß
auf die späteren Turmbildungen. Aus der vorhergehenden Zeit bestehen
noch die Minarete der Moscheen des Ibn Ṯūlūn, des el-H̱ākim und des Sultans
S̱āliẖ Ayyūb. Das erste ist mit seiner exotischen Form isoliert geblieben; das
von den Minaretformen der späteren Zeit nicht minder abweichende Turmpaar
des el-H̱ākim konnte in seinem unvollständigen unverbauten Zustande kein Vorbild
1 De Vogüé, Syrie centr. S. 144. —
2 Tafel 119. —
3 Perspektivisches Bild Tafel 145 und 132.
4 In der Qaʿ ah des Palastes des Emirs Baštāk, 1334—38.
5 Diese Fensterform dürfte wohl auch auf die syrischen Bauten zurückführen. Andentungen, die darauf
hinweisen, finden sich in de Vogüés letzterwähntem Werk. Égl. de Behioh, Taf. 138.
Es sei auch an die Kathedrale von Palermo (1185) erinnert, deren Türme ähnliche Fensterbildungen
anfweisen; an dem Turme der Martorana (vor 1143) ist der Oculus nur plastisch angedeutet. (Gailhaband,
3. Bd.)

abgeben;1 der dritte, der authentische Turm des S̱āliẖ, ist zweigeschossig;
er dürfte den gewöhnlichen Typus der vorqalāūnischen Minarete darstellen.2 So wäre also Qalāūns minaret das früheste dreigeschossige in Ägypten und hat
den ersten Impuls zu den schönen, den schönsten Minaretbildungen der islamischen
Kunst gegeben, die sich schon in der Nachbarmoschee seines Sohnes und
in der seines Enkels H̱asan so formsicher äußert, um im 14. und 15. Jahrhundert
die herrlichen Türme der Barqūq- und Qāitbāimoscheen zu zeitigen.
Die Fassadenbildung von Qalāūns Mausoleum erlebte keine Fortsetzung;
sie war ein zu exklusives Produkt fremder Eindrücke; man griff wieder auf das
einheimische Motiv der ungegliederten Flachnischen mit gerader Decke zurück,
wie es in den Moscheen S̱āliẖ Talaʿī (1160), S̱āliẖ Ayyūb (1243) und Baibars I.
(1263—64) erscheint. Die gegen jene seines Vaters um neunzehn Jahre jüngere
Moschee des Moẖammed kehrt schon zu dieser Nischenbildung zurück, die fortan
beibehalten wird.
Im Bauwerke Qalāūns äußern sich die fremden Einflüsse am kräftigsten,
bilden aber zugleich die Grenze jener kritischen Epoche der islamischen Architektur
in Ägypten. Der Kunsttätigkeit der folgenden friedlichen Zeit war es
vorbehalten, die mannigfachen in den zwei Denkmälern zusammengewürfelten
Formen zu sichten und ihnen jene zu entnehmen, die einer organischen Weiterentwicklung
der Architektur dienlich sein konnten. Die nächsten Baumeister
haben das Problem glänzend gelöst, denn schon bald nach Qalāūn setzt eine
Epoche zielbewußter Bautätigkeit ein, welche die Kunst schon in einer verhältnismäßig kurzen Zeit einer Renaissance zuführt.

10. Die Erhaltungsarbeiten.

Auch mit den Erhaltungsarbeiten in der Madrasah konnte erst nach der
Freilegung ihrer Fassaden begonnen werden, die nach langwierigen Enteignungsformalitäten
bis ins Jahr 1912 andauerte. In dem Plane Coste, Abb. 18, ist
nur die Südseite des Denkmales verbaut, in Wirklichkeit entstellten die verunstaltenden
Buden auch die Ostfassade der ganzen Länge nach; an der Nordfassade
klebte die nur 1,60 Meter tiefe, zerfallene Kinderschule, welche bis zum
Kranzgesims des Baudenkmales hinaufragte und in deren Erdgeschoß ebenfalls
Verkaufsläden waren, deren Abschluß die Fenster der Madrasah bildeten. Alles
wurde abgetragen, Buden und Kuttāb, nur vom letzteren verblieben einige Säulen
der Front, Abb. 30.
Auch die Brunnenanlage an der Ecke, die laut Inschrift von Qalāūns Sohn,
dem Malik en-Nās̱ir, errichtet worden ist und die Maqrīzī erwähnt, wurde
stehen gelassen. Sie bildet eine nach der Straße zu offene Halle mit zwei
1 Siehe Seite 8.
2 Ein anderes aus der Fatimidenzeit stammendes Minaret spricht für diese Meinung; es ist dies das
Minaret, welches im Ostende Kairos 1913 entdeckt wurde. Es steht inmitten der modernen unfertigen
Moschee el-Maʿaz neben einem kuppelgedeckten Grab, beide 1157 von Abu Gadanfar Asʿad el-Faizī
es̱-S̱āliẖī erbaut. — Siehe Comité Jahrg. 1913. — Das Denkmal ist auf meiner dem Index Gén beigegebenen, historischen Karte von
Kairo, unter No. 3 eingezeichnet.

durch eine Säule getrennten rechteckigen Öffnungen, über denen sich die Spuren
eines Vordaches erhalten haben; ihre schönverzierte Holzdecke krönt eine
Laterne, die äußerlich mit einer Art Fayencemosaik verkleidet ist.
Der Schaden, den diese Anbauten verursacht hatten, war nicht gering
Nach Osten wurden die verbauten Fenster, um Licht in das Innere der Madrasah
gelangen zu lassen, höher gestellt, was man durch das Durchschlagen ihres Sturzes
und Anbringung von Entlastungsbogen bewerkstelligte.1 Um den Raum der
Kinderschule im oberen Geschosse tiefer zu gestalten, hatte man den äußeren
Fensterabschluß der Madrasah abgetragen. Auch sonst hatte das Mauerwerk
von dem einsickernden Regenwasser zwischen der Außenwand der Madrasah
und dem daranlehnenden Schulgebäude gelitten. Alle Schäden wurden sorgfältig
ausgebessert.
Im Innern war die Entstellung des Baudenkmales nicht weniger groß. Der
alte Grundriß zeigt nur an den Seiten des S̱aẖns Änderungen gegen die Originalanlage;
sie betreffen die nördlichen Zellen und die bereits als Umbau gekennzeichnete
Südseite desselben. In diesem Grundrisse sind Ost- und Westliwān
offen dargestellt. Die Abb. 38 zeigt dagegen die Ostfront, wie sie zu Beginn
der Arbeiten war; nur die aus der Wand ragenden Konsolen verrieten die stattgefundene
Änderung. Die 1913 in Angriff genommenen Arbeiten ergaben große
Überraschungen. Abb. 39 stellt ihre erste Phase dar, Abb. 32 die gänzlich freigelegte
Front, an welcher die alten Stuckverzierungen deutlich sichtbar sind
Stücke davon wurden dem allgemeinen Prinzipe getreu nachgeahmt, um von den
der Zerstörung verfallenen alten Motiven Kopien zu bewahren. Auch die innere
Seite des Dreibogens war mit Stuckornamenten bedeckt, doch ist davon wenig
erhalten, da man die Stärke der Bogen, damit sie nicht aus der aufgeführten
modernen Mauer hervorragten, nach der Innenseite zu verringert hatte; dasselbe
ist auch mit den Kapitälen und den steinernen Aufsätzen der zwei Säulen geschehen.
Diese sind, gleich denen im Liwān, Spolien; die Kapitäle ungleich
Ich fand alle aus dem Lot, was wahrscheinlich die Aufführung der Mauer notwendig
gemacht hatte.
Zur Sicherung der über den Bogenpfeilern eingemauerten Konsolen, wurden
die Ziegelpfeiler aufgeführt, die nur an der Innenseite der Schmalöffnungen mit
dem an der Mauer erhaltenen Profil versehen wurden. In der rechtseitigen
Öffnung wurde das ursprüngliche Ornament zum Teil wiederhergestellt.
Die im Innern des Liwāns unternommenen Arbeiten waren nicht minder
wichtig. Die sorgfältige Entfernung der Verputzschicht förderte ungeahnte Stuckornamente
in großer Fülle und von seltener Schönheit zu Tage. Ein Vergleich
der nördlichen Säulenstellung im vorgefundenen Zustande, Abb. 33 mit den
Abb. 40 und 41, spricht für sich. Die schönste Überraschung bot aber die
Qiblahwand, auf der die reichsten und besterhaltenen Verzierungen zum Vorschein
kamen, Abb. 42 und 32. Nicht minder wertvoll sind die wieder aufgedeckten
Ornamente an den Laibungen der Bogen nnd auf den Pfeilerfronten,
an den Seiten der eingebundenen Marmorsäulchen. Auch die Rundfenster über
1 Vergleiche das Fenster an der Seite der Qiblah in den Abb. 33 u. 40.

den Bogen, endlich die schönen Gipsfenster mit Buntglaseinlagen, wurden von
der fingerdicken Mörtelschicht befreit. Diese Fenster wurden ausgebessert oder,
wo sie fehlten, nach vorhandenen Mustern ersetzt.
Auch Erhaltungsarbeiten konstruktiver Art mußten im Liwān ausgeführt
werden. Die Fundamente unter den Säulen werden neu hergestellt, diese selbst
wieder in vertikale Stellung gebracht und verankert. Die größte Umwandlung erfuhr
die Südwand, in der eine durchgeführte Vermauerung fast jede Spur von den
unteren zwei Fensterreihen verwischt hatte. Vergleiche den Grundriß 18 mit
der Abb. 34.
Die Motive der Stuckornamente, die eine große Mannigfaltigkeit aufweisen,
sind durchaus „arabisch“. Sie müssen mit den bemalten und vergoldeten Inschriften
der Friese, die in Höhe der Kapitäle die Wände entlang herumgeführt
waren und die Qiblah umrahmten, und mit den Wandmosaiken, zu denen noch
das buntbemalte Tonnendach hinzukam,1 einen überaus reichen Anblick geboten
haben. An Marmorverkleidung hat sich nur noch die der Gebetnische erhalten;
zu erwähnen ist das Glasmosaik mit goldenem Grunde ihrer Konche.
Als Ersatz für die abgetragenen modernen Plafonds hatte ich im Bauprogramm
eine einfache Schutzdecke vorgesehen, in einer Höhe, um alle Stuckornamente
unter Dach zu bringen; eine Restauration der Decke war ausgeschlossen
und wird wohl auch seither nicht versucht worden sein.

11. Auszüge aus den Sitzungsberichten des Comités,
die Madrasah betreffend.

Im Jahre
1886. Vorschläge zur Ausbesserung der Mauern im Innern der Madrasah. —
Äg. Pf. 42.
1887.
Es wird beschlossen, zu beantragen, die Verkaufsläden, welche sich an
das Äußere des Baudenkmals anlehnen, abzutragen.
Die im Vorjahre begonnenen Arbeiten werden für die Summe von Äg.
Pf. 160 fortgesetzt.
1890. Nach Fühlungnahme mit den verschiedenen Regierungsverwaltungen wird
die Ausarbeitung eines Dekretes beschlossen, mit der Bestimmung, die das
Denkmal schädigenden Buden zu enteignen.
1903. Nach langwierigen Prozeduren werden die ersten Verkaufsläden angekauft.
1904. Unterhandlungen betreffs des Anbaues,2 der die ganze Nordfassade verdeckt.
1908. Die oberen Geschosse des Anbaues werden abgetragen.
1909. Vor den Fassaden wird ein Graben angelegt, um deren Sohle, die von
dem aufgehöhten Straßenniveau verdeckt ist, freizulegen.
1911. Die Entfernung der Verkaufsbuden, welche die Ostfassade verunzieren,
wird energisch betrieben.
1 Das Sparrenwerk des 1713 ersetzten Daches der Moschee in Cordova bestand aus viereckigen
an drei Seiten geschnitzten Balken, von denen einige Farbenspuren aufwiesen. Auch die von den
Sparren und den Latten gebildeten Kassetten trugen Farbenschmuck. Gailhabaud, III. Bd.
2 Es handelt sich um den Kuttāb, der in den Comitéberichten unter der Bezeichnung “maisonnette erwähnt ist.
1913.
Die ersten Untersuchungsarbeiten für die Summe von Äg. Pf. 200 werden
in Angriff genommen.
Die Ablösung des dicken Mörtelverputzes an den Wänden führt zur Entdeckung
schöner Stuckornamente.
Die zwei Fassaden, gegen Norden und Osten, sind von der entstellenden
Kinderschule und den Verkaufsbuden gänzlich befreit; man schreitet zu ihrer
Ausbesserung.
Die Untersuchungen gestatten die Feststellung eines Arbeitsprogrammes
für die Erhaltungsarbeiten, wofür die Summe von Äg. Pf. 1569 bestimmt
wird.
1914. In den ersten Monaten des Jahres sind sämtliche Erhaltungsarbeiten im
Ostliwāne, mit Ausnahme der Anbringung einer Notdecke, beendigt.

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D. Der Maristan.

12. Die Māristāne in Ägypten.

Wie manche andere kulturelle Einrichtungen hat der Islam auch die der
Krankenhäuser den Persern entlehnt; das beweist ihr Name Māristān, aus dem
persischen Bīmāristān entstanden. Er bezeichnet gleichzeitig das Irrenhaus, gewiß
wegen des Eindruckes, den diese bemitleidenswertesten Bewohner der
Hospitäler beim Volke hinterließen.
Das erste Krankenhaus wurde schon im Jahre 88 der Higrah (706—7) von
dem Omayyadenchalifen Walīd errichtet, als erstes des Islam überhaupt.1
Er stellte Ärzte dafür an, für deren Unterhalt vorgesorgt war; die Aussätzigen
wurden darin eingeschlossen, damit sie nicht frei einhergingen. Auch
hinsichtlich ihrer Verpflegung wie der der Blinden wurden Verfügungen getroffen.
— In Ägypten ist die Erinnerung an den ersten Māristān mit dem Namen des
Aẖmed ibn Ṯūlūn verknüpft, welcher ihn nebst einem öffentlichen Bade2 hinter
seiner noch jetzt bestehenden Moschee errichtete. In den Kammern desselben
wurden allerlei Getränke und Arzneien aufbewahrt, wofür Bedienstete angestellt
waren. An den Freitagen fand sich dort ein Arzt ein, um nötigenfalls den Betern
beizustehen. Von diesem Hospital ist keine Spur geblieben.
Maqrīzī erzählt nach Abu ʿOmar el-Kindī K. el-umarā, noch andere Einzelheiten
über dasselbe:
„Aẖmed Ibn Ṯūlūn befahl auch den Bau des Māristān für die Kranken
und so (geschah es) im Jahre 259 (873). Der Geschichtsschreiber der Tuluniden
(ǧāmiʿ es-sīra aṯ-ṯūlūniyya) erzählt, daß Aẖmed Ibn Ṯūlūn den Māristān im
Jahre 261 (874—75) erbaute; es gab vorher kein Hospital in Ägypten. Als es
fertig wurde, bestimmte er für dasselbe (die Einkünfte) des Dār ed-Dīwān, und
setzte ihn in Betrieb in dem Viertel der Flickschuster der Markthalle und des
1 Maqr., IV, 258 ff. (Būlaqer Druck Bd. II S. 405.) Das Hospital stand in Damaskus und soll dem
des Qalāūn als Vorbild gedient haben. — Marcel, Hist. de l ʿ
Egypte , 34.
2 Noch heute wird in den Waschungshöfen der Moscheen mit Vorliebe eine Zelle mit einer gemauerten
Wanne — Maġṯas — angelegt.

Sklavenbasars. Und er bestimmte, daß darin weder Soldaten noch Sklaven behandelt
werden sollten; er baute darin zwei Bäder, eines für Männer und eines
für Frauen und stiftete sie für den Māristān und andere Einrichtungen. Er
ordnete an, daß dem Kranken bei seiner Ankunft die Kleider und das Geld abgenommen und von einem Beamten des Māristān verwahrt werden sollten; dann
solle man ihn ankleiden, ihm ein Lager bereiten, ihn speisen und ihm beistehen
mit Heilmitteln, Nahrung und Ärzten, bis er genesen sei. Und wenn er Hühnchen
und Kuchen aß, wurde er entlassen und ihm seine Habe und seine Kleider
zurückgegeben. Im Jahre 262 (875-76) betrugen die Stiftungen für den Māristān
für die Wasserleitung1 und die Moschee, welche sich auf dem Berge Tannūr
des Pharao befindet, und die Summe, die für das Hospital ausgegeben wurde, und
sein zinsbringendes Eigentum 60000 Dinar. Er pflegte jeden Freitag hinzureiten,
um die Vorratskammern des Māristān und ihren Inhalt und die Ärzte zu kontrollieren; er schaute nach den Kranken, den übrigen Invaliden und den eingeschlossenen Irrsinnigen.
Maqrīzī erwähnt kurz einen Māristān el-Mugāfir, dor zur Zeit des Chalifen
el-Mutawakkil (847-61) in der Nähe Misrs gebaut wurde, ferner das Hospital des
Kāfūr (957-58)2. Derselbe Autor führt nach dem Qādī el-Fādil an,3 daß Saladin
am 9. Di-l-Qaʿdeh 577 (16. Jan. 1182) einen Māristān zu eröffnen befohlen hatte,
für welchen er einen Teil des Schlosses (der Fatimiden) wählte. Er bestimmte verschiedene
Erträgnisse für dessen Unterhaltung und stellte die Bediensteten und
die Ärzte an. Nach einer Mitteilung ʿAbd ez-Zāhirs war der gewählte Ort eine
vom Chalifen ʿAzīz billāh im Jahre 384 (994-95) erbaute Qāʿah. Auf deren
Wände war der Koran geschrieben, dem man eine talismanische Eigenschaft zuschrieb,
um das Einnisten der Ameisen zu verhindern. Als man hiervon Saladin
Mitteilung machte, erklärte er, daß sich der Bau für ein Hospital eigne.4 Maqrīzī setzt hinzu: „Dieser Māristān ist derjenige, von dem man berichtet, er
sei im (Viertel) el-Qaššāšīn gestanden. Ich vermute, es ist das Gebäude, welches
als Dār des Dailam bekannt ist. Qaššāšīn ist heute als Ḫarrātīn (Viertel der
Drechsler) bekannt, aus dem man in die Ḫiyamīyīn. (Viertel der Zeltmacher)
und zur Azharmoschee gelangt.“ Am umständlichsten erzählt aber derselbe Autor
die Geschichte des Hospitals Qalāūns, des berühmtesten des Islams.
1 Über die ältesten Wasserleitungen bei Kairo herrscht eine gewisse Konfusion bei den arabischen
Schriftstellern, jedoch nicht über diejenige, die Aẖmed Ibn Ṯūlūn hat errichten lassen und die
sich von Basātīn bis zur von ihm gegründeten Moschee erstreckte. Teile davon sind noch erhalten. — Siehe die Notiz von Dr. Vollers, Comité 1893, S. 63 und 1894, S. 84, 1. Ausg.
2 Es dürfte jener Māristān sein, welcher, nach Maqrīzī, von Saladin wieder instandgesetzt worden
ist. — Maqr. II, S. 251.
3 Maqr. Ibid.
4 Auch Qalqašandī erwähnt dieses von Saladin gegründete Hospital, welches gerade wegen eines
darin befindlichen Talismans dazu bestimmt wurde. — Wüstenfeld, Calcaschandĩ, Die Geogr. und
Verwaltg.
etc., S. 83. Ravaisse, in seiner Abhandlung über das große Schloß der Fatimiden,
versetzt dieses Hospital in die Nähe der Madr. el-H̱igāziyyah, Mém. de la miss. archéol.

13. Der große Māristān des Mans̱ūr.1

Dieser Māristān befindet sich in der Bain el-Qas̱rainstraße in Kairo. Er
war (ehedem) der Palasthof (Qāʿah) der Sitt el-Mulk, Tochter des ʿAzīz billāh
Nazar, Sohn des Muʿizz li-Dīn Allāh Abū Tamīm Maʿadd; nach der Regierung der
Fatimiden war er als Palast (Dār) des Faḫr-ed-Dīn Gahārkas bekannt, auch
als Dār Mūsik, (endlich) als Eigentum des el-Mufāddal Quṯb ed-Dīn Aẖmed,
Sohn des Melik el-ʿAdil Abūbakr b. Ayyūb, und zwar nannte man es ed-Dār el-Quṯbīyyah.
Es verblieb im Besitze seiner Nachkommenschaft, bis es Malik el-Mansūr Qalāūn el-Alfī es̱-S̱ālihī von der Prinzessin Muʿnisah ḫātūn, Tochter des Malik
el-ʿAdil, die unter dem Namen el-Quṯbīyyah bekannt war, abnahm. Sie erhielt
dafür am 18. Rabīʿel-Awwal 682 (16. Juni 1283) das Schloß Zumurrud,2 am Platze
Bāb el-‘ld (gelegen), durch Vermittlung des Emir ʿAlam ed-Dīn S̱angar eš-Šugāʿī,
Mudabbir el-Mamālik. Der Sultan beschloß den Umbau des Palasthofes, zu
einem Māristān, Mausoleum und einer Madrasah; Šugāʿī wurde zum Bauintendanten
ernannt und bewies so viel Eifer und Sorgfalt, wie man gleiches noch nicht
gehört, bis er seine Aufgabe in der sehr kurzen Zeit von elf Monaten und einigen
Tagen vollendete.3
Das Ausmaß dieses Palastes war 10600 Ellen (Ḏirāʿ). Sitt el-Mulk lies darin
zurück achttausend Sklavinnen und wertvolle Schätze, darunter einen Rubin von
zehn Mithqāl Gewicht.
Am 1. Rabīʿ el-Awwal 683 (18. Mai 1284) wurde mit dem Bau des Hospitals
begonnen. Er war dadurch veranlaßt worden, daß den Malik el-Mans̱ūr, als er
675 unter eẕ-Ẕāhir Baibars als Emir gegen die Griechen (Rūm) zum Glaubenskrieg
auszog, in Damaskus eine heftige Kolik befallen hatte. Die Ärzte behandelten
ihn mit Arzneien, die sie dem Māristān des Märtyrers Nūr ed-Dīn
entnommen hatten, und er genas. Er besuchte dies Hospital, das ihm gefiel,
und gelobte ein gleiches zu bauen, wenn ihm Allah die Herrschaft verleihen werde.
Als er Sultan wurde, führte er sein Gelübde aus; seine Wahl fiel auf den Palast
Quṯbīyyah, wofür er der Besitzerin das Schloß Zumurrud gab, und er ernannte
den Emir ʿAlam ed-Dīn Sangar eš-Šugāʿī zum Bauintendanten.
Der Palasthof (Qāʿah) verblieb in seinem Zustand und wurde zum Māristān
eingerichtet mit den vorhandenen vier Liwānen, mit einem Wandbrunnen (Šādhirwān)
in jedem derselben und einem Bassin mit Springbrunnen (Fisqiyyah) innerhalb
der Qāʿah, in welches das Wasser aus den Šādhirwān floß.
Da begab es sich, daß ein Arbeiter, welcher die Fundamentgruben für die
Madrasah aushob, einen kupfernen Pottaschebehälter und ein andrer eine mit
Blei versiegelte kupferne Flasche fand. Sie wurden dem Šugāʿī gebracht; in dem
Behälter waren Ringsteine aus Diamant, Korund, Rubin und Perlen von blendender
Reinheit; in dem Pokale aber war Gold, Schätze im Werte der Baukosten. Es
1 Dieses von Maqrīzī (Ausgabe Būlāq 1270 II S. 406) der Geschichte des Māristān gewidmete
Kapitel enthält wichtige Stellen, die sich auf die Madrasah, das Mausoleum oder Teile derselben
beziehen; es wird hierauf durch die am Rande angeführten Namen aufmerksam gemacht.
2 Qāsr ez-Zumurrud (das Smaragd-Schloß) bildete einen Teil des östlichen großen Schlosses. —
Maqr., II, S. 214 und 248.
3 Die Inschriften bezeugen die Richtigkeit dieser Angabe (siehe S. 47 ff.).

wurde alles dem Notar (ʿAdl) Asʿad ed-Dīn Kūhiyā en-Nāsīrī gebracht, der die Schätze
dem Sultan überbrachte.1
Als der Bau beendigt war, machte Malik el-Mans̱ūr Stiftungen von Besitzungen
in Ägypten und andere, die nahezu 1000000 Dirham jährlich eintrugen
und regelte die Ausgaben für den Māristān, das Mausoleum, die Madrasah und
die Schule für die Waisenkinder. Dann ließ er einen Becher Trank des Māristān
kommen, trank ihn aus und sprach: ich stifte dieses (Gebäude) für meinesgleichen
und dem, der unter mir steht, und bestimme es als Stiftung für Herren
und Sklaven, Soldaten und Emire, Große und Kleine, Freie und Hörige,
Männer und Frauen. Und er wies der Stiftung Heilmittel zu und Ärzte und alles, was
die Kranken benötigten, ferner Wärter und Wärterinnen zur Bedienung der Kranken
und setzte die Löhne fest, und ließ Betten aufstellen, die mit allem Zubehör ausgestattetwaren, den man bei Krankheiten nötig hatte. Und er bestimmte für jede Klasse
von Kranken einen besonderen Platz, so bestimmte er die vier Liwāne des Māristāns
für die Fieberkranken, eine Qāʿah für Augenleidende, eine andere für die chirurgischen
Kranken, eine für die an Durchfall Leidenden und eine für die Frauen, sowie
einen Raum für die an Erkältungen Erkrankten mit Abteilungen für Männer und
Frauen. In allen diesen Räumen gab es fließendes Wasser, ein Raum diente zur
Zubereitung der Speisen, der Heilmittel und Getränke, ein anderer für die
Zubereitung von Salben, Augenheilmitteln und dergleichen, und Kammern
(mawāḏiʿ) für das Aufspeichern der Vorräte; ein Raum wurde bestimmt,
wo die Getränke und Arzneien verteilt wurden und ein Platz, wo der Oberarzt
in der Heilkunde Unterricht erteilte. Die Zahl der Kranken wurde nicht begrenzt,
sondern die Stiftung stand allen die hinkamen, reich und arm, zur Verfügung, ohne
daß ein Termin für ihren Aufenthalt im Hospital gesetzt wurde, vielmehr wurde
bestimmt, daß auch demjenigen, der in seinem Hause krank war, geliefert werde,
was er bedurfte.
Er ernannte ʿIzz ed-Dīn Ibek el-Afram es̱-S̱āliẖī Emīr Gandār zu seinem
Vertreter bei der (Vornahme der) Stiftung der von ihm bestimmten Orte und
der Anstellung der Beamten usw. behielt sich aber selbst die Oberaufsicht für die
Zeit seines Lebens vor, nach ihm für seine Kinder, nach diesen für den schafiitischen
H̱ākim der Muslime. Er ließ eine Waqfurkunde ausstellen mit dem Datum
des Dienstag, 13. S̱afar 680 (3. Juni 1281). Als man ihm die Waqfurkunde
vorlas, sprach er zum Emir: „Ich habe bei der Handschrift meines Schreibers
As'ad nicht die der Qāʿdīs gesehen. Sieh nach, ob etwa eine Fälschung vorliegt.“
Er zeichnete die Urkunde nicht und ließ nicht ab, ihm einzuschärfen, daß nur die
Qāḏīs des Islam etwas derartiges zeichnen dürften, bis jener es begriffen hatte.
Der tägliche Verbrauch an Getränk (Šārāb) belief sich auf 500 Ratl, ohne den
Zucker und er stellte dafür eine Anzahl von Verwaltern und Aufsichtsbeamten an,
sowie Aufsichtsbeamte für die Verwaltung, die Buch darüber zu führen hatten,
was bei den Lieferanten eingekauft wurde und was dann tatsächlich an das
1 Les Adéls remplissent les fonctions de notaire. d'assesseur, de Cadi et de greffier (Ibn Ḫaldun,
Prolégomènes, S. LXXVI).

Hospital geliefert wurde, und Beamte, um die Waqferträgnisse zu erheben, Aufseher
für die Küchen und andere Beamte für die Bauarbeiten der zugehörigen
Stiftungeu.
Mausoleum

Minaret
Er bestimmte für das Mausoleum fünfzig Koranleser, die sich Tag und Nacht
im Lesen des Korans ablösten, einen ständigen Imām und stellte einen Oberen
für die Muezzins an, da sie von einem Minaret zum Gebete riefen, desgleichen es
in den Provinzen Ägyptens nicht gibt.1
Mausoleum


Madrasah


Kuttāb
Er richtete in diesem Mausoleum Unterricht für die Erklärung des Korans
ein, mit einem Mudarris, zwei Repetitoren und dreißig Studenten, sowie Unterricht
im H̱adith. Er richtete darin eine Bibliothek ein, in der sich stets sechs
> verschnittene Diener aufhielten und stellte in der Madrasah einen ständigen Imām
an zum Unterricht im Lesen des Korans und richtete Fiqhunterricht ein für alle
vier Riten, und stellte in der Schule (maktah es-sebīl) Lehrer an, um die Waisenknaben
im Lesen zu unterrichten; diese Waisenknaben erhielten täglich zwei
Raṯl Brot, sowie Sommer- und Winterkleider.
Madr. u. Mausl. Als der Emir Gamāl ed-Dīin Aqūš, Kommandant von Karak, Vorsteher des
Māristān wurde, errichtete er darin einen Saal für Kranke und ließ sämtliche Steine der
Wände desselben behauen, so daß sie wie neue erschienen.2 Auch erneuerte
er die Vergoldung des Inschriftenbandes am Äußern der Madrasah und des Mausoleums.3 Ferner ließ er ein Zeltdach anbringen von hundert Ellen Länge, um die
Aqfās zu besc hatten.4 Er bestritt (deren Kosten) aus eigenen Mitteln, nicht
von denen des Waqf. Auch entfernte er vom Eingange des Māristān das
Tränkbecken für die Tiere und ließ es wegschaffen, weil die Leute durch
den Gestank des sich dort anhäufenden Schmutzes belästigt wurden. Er
1 Maqrīzī lenkt auch an einer anderen Stelle die Aufmerksamkeit auf das Außerordentliche des
Minarets. Anläßlich der Madrasah el-Aqboġawiyyah (1333-34) erwähnt er, daß deren Minaret
in Ägypten das erste sei, welches aus Haustein errichtet wurde, nach demjenigen des Qalāūn.
Das ist aber ein Irrtum, denn die Minarete der Moscheen des Ibn Ṯūlūn und des H̱akim sind
auch aus Haustein. (Maqrīzī IV, S. 224).
2 Siehe hierüber S. 45.
3 Gelegentlich der vorgenommenen Reinigung der Fassaden sind die Vergoldungen wieder zum Vorschein
gekommen. Sie haben sich besonders gut auf den Fensterstürzen der Nordfassade der
Madrasah erhalten.
4 In dem Kapitel über die Bazare — Aswaq — findet man die Erklärung für diese Aqfās̱. Maqrīzī
gibt an, daß sich der Bazar der Qafis̱āt (kleine Gitterkörbe) unter den Fenstern des Grabmales
befand. „Dort saßen die Händler auf Bänken über denen kleine Gitterkörbe aus Eisengeflecht
hingen, die Ringkästen, Armbänder für Frauen, Fußringe und andere Sachen enthielten. Die
Miete für den Boden, auf dem diese Aqfās angebracht waren, wurde vom Inspektor des Māristān
el-Mans̱urī erhoben. Ursprünglich bildete dies Grundstück einen Teil vom Waqf der Moschee
el-Maqs und wurde in den Bau des Grabmals des Mans̱ūr einbezogen. Heute wird die Miete
für dieses Grundstück vom Waqf el-Māristān an die Moschee el-Maqs entrichtet.
Als der Emir Gamāl ed-Dīn Aqūš, der als Statthalter von Karak bekannt ist, im Jahre 1326
Direktor des Māristāns wurde, führte er verschiedene Arbeiten darin auf seine eigenen Kosten
aus, unter diesen ein Zelt, das 100 Ellen maß und sich von Anfang der Qubbah bis zum äußersten
Ende der Madrasah des Mans̱ūr, in der Nähe der Goldschmiede, erstreckte. Dieses Zeltdach
befand sich über den Ständen der Gitterkörbe — el-Aqfás̱ — um sie vor der Sommerhitze zu
schützen. Es wurde in der Hitze an Seilen ausgespannt und zur Zeit des Schattens zusammengerafft….“
Maqr. III, 157.

Sebīl errichtete an Stelle der genannten Tränke einen Brunnen, aus dem die Leute.1
Einige fromme Leute aber haben das Beten in der Madrasah und im
Mausoleum verabscheut und das Hospital bemängelt, wegen der Leuteschinderei
zur Zeit der Erbauung des Hospitals. Als nämlich der Sultan die Umwandlung
des Dār el-Qutbiyyah in ein Hospital beschlossen hatte, hatte er dem Eunuchen
Husāam ed-Dīn Bilālā el-Mugīthī den Auftrag gegeben, wegen des Ankaufs zu
unterhandeln. Der trieb die Angelegenheit so weit, bis die Prinzessin Mu'nisah
in die Veräußerung einwilligte unter der Bedingung, daß sie dafür einen Palast
(Dār) für ihre und ihrer Kinder Unterkunft bekäme.
Das Gebäude wurde dann gegen das Schloß Zumurrud auf dem Festtorplatze
eingetauscht, unter Daraufzahlung einer Summe Geldes, und so kam der
Verkauf zustande. Dann sandte der Sultan den Emir Sangar eš-šugā‘i zum Bau.
Der entfernte die Frauen aus der Qutbīyyah, ohne eine Frist zu gewähren. Dann
nahm er dreihundert Kriegsgefangene und versammelte die Werkleute von Qāhirah
und Mis̱r, befahl ihnen allen, in der Qūtbiyyah zu arbeiten und verbot ihnen,
für irgendjemand anders in den zwei Städten zu arbeiten und bedrückte sie
schrecklich.
Er ließ vom Schlosse Rōḏah was an Granit- und Marmorsäulen nötig
war, herbeischaffen, an Basen, Kapitälen und Architraven (Tür- und Fensterstürzen)
ferner seltene Marmorarten und anderes Material.2 Er ritt täglich dahin und ließ
die erwähnten Abbruchmaterialien in Eile nach dem Māristān bringen; dann kehrte
er dorthin zurück und stand mit den Arbeitern auf den Gerüsten, damit sie nicht
langsam arbeiteten.
Er stellte seine Mamluken in der Bain el-Qasrainstraße auf, und wenn jemand
vorbeikam, auch ein Vornehmer, nötigten sie ihn, einen Stein aufzuheben, und
ihn auf die Baustelle zu werfen; da stiegen Soldaten wie Vorgesetzte (Raīs
vom Pferde, bis solches geschehen. Infolgedessen vermieden es die meisten
Leute, dort vorbei zu gehen und ließen, als der Bau beendet und die Stiftungen
festgesetzt waren, ein Fetwa ausfertigen mit folgendem Wortlaut: „Was sagen die
1 Gamāl ed-Dīn Aqūs̱ hat zur Regierungszeit des Sultans Mohammed en-Nás̱ir eine gewisse Rolle
gespielt. Als Kommandant von Karak empfing er im Jahre 1309 seinen Gebieter, der aus Ägypten
geflohen war, um in der starken Festung Schutz and Sicherheit zu snchen. Später bekleidete er die
Stelle des Statthalters von Damaskus und noch später von Tripolis. Die Stelle des Vorstehers im
Māristān dürfte er in der Zeit zwischen den zwei Ämtern innegehabt haben, also zwischen 1320 und
1330. (Briefliche Mitteilung des Herrn van Berchem vom 20.Febr. 1918.) — Der Stil der von Maqrīzī
dem Emir zugeschriebenen Bauten: Kinderschule, Brunnenhäuschen und südliche Qāʿāh entspricht
dem der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
2 Das Schloß auf der Nilinsel Rō̱ah war vom Ayyubidensultan S̱āliẖ (1240-49) erbaut worden. Als
dieser am 22. Nov. 1249 bei Mans̱rah starb, wurde seine Leiche in das Schloß überführt, wo sie elf
Monate, bis zur Fertigstellung seines Mausoleums (Abb. 13) verblieb. — Maqr. IV, S. 210.
Die gotische Türe des Palastes, Abb. 16, war noch am Ende des 18. Jahrh. vorhanden.
Es wurden bereits weiter oben die vier schönen granitenen Monolithe erwähnt; auch das Säulenpaar
aus rotem Porphyr dürfte derselben Herkunft sein. Es ist überflüssig, zu bemerken, daß alle diese
Säulen schon als Spolien nach Rōḏah gelangten; die Araber bearbeiteten weder den Granit noch
den Porphyr für Säulen.

Imame der Religion über eine Stätte, aus der die Bewohner mit Gewalt vertrieben wurden, die gebaut wurde mit Frohnvögten, die die Handwerker bedrückten,
bei der eingerissen wurde, was andere gebaut haben und alles was
darin war, fortgeschleppt wurde zu ihrem Bau: Ist das Gebet darin erlaubt
oder nicht?“ „Nein, es ist nicht erlaubt.“
El-Mugid ʿIsā ibn el-Ḫašāb, ruhte nicht, bis er eš-šugaʿi davon Kenntnis
gegeben hatte. Diesen verdroß das sehr, und er versammelte die Qādīis und die
Häupter der Wissenschaft in der Madrasah des Mans̱ūr, schrieb einer Anzahl Rechtsgelehrter
und teilte ihnen das Fetwa mit. Doch niemand antwortete ihm ein Wort
außer dem Schaich Moẖammedel-Margānī, der sprach: Mein Fetwa lautet, daß das
Gebet darin untersagt ist und ich sage jetzt: Der Eintritt durch jene Türe istsogar zu
verabscheuen (jukrahu).“ Darauf erhob er sich und die Leute gingen auseinander.
Und es ereignete sich auch, daß eš-šugaʿī nicht abließ, von dem Schaich
el-ānī die Zusage zu einer Predigt in der Madrasah zu verlangen, bis er es
nach langem Weigern tat.
Da erschien eš-šugāʿī nebst den Richtern, und el-ānī erwähnte die
Herrscher, Könige, Fürsten und Richter, und tadelte die, die Ländereien mit
Gewalt nahmen, die Arbeiter zu ihren Bauten preßten und ihren Lohn schmälerten
und schloß mit dem Koranwort: (25, 29) „Der Tag, an dem sich der Bedrücker in die
Hand beißen wird und sagen: O, hätte ich den Weg des Propheten eingeschlagen!
O, wehe! Hätte ich doch jenen nicht zum Freund genommen!“ Dann erhob er sich.
Da verlangte eš-šugāʿī daß er für ihn bete, und jener sprach: „O, ‘Alam
ed-Dīn! „Dich gesegnet oder Dir geflucht hat einer, der besser ist als ich,“ und
führte die Worte des Propheten an: „O Gott, wer etwas von der Sache meiner
Gemeinde verwaltet und milde zu ihr ist, zu dem sei milde, und wer sie quälte,
den quäle Du!“ und ging fort. — šugāʿī aber geriet darüber in Unruhe und
ließ den Schaich Taqī ed-Dīn Muẖammed b. Daqīq el-ʿId zu sich kommen, denn
zu dem hatte er großes Vertrauen und beriet sich mit ihm darüber, was die Leute
sagten wegen des Verbots des Gebets in der Madrasah und sagte ihm, daß der Sultan
damit dem Nūr ed-Dīn, dem Märtyrer hätte nacheifern wollen aus dem Wunsche
heraus etwas Gutes zu tun, und nun schmähten ihn die Leute, während sie doch
den Nur ed-Dīn nicht schmähten. Da sagte jener zu ihm: „Nūr ed-Dīn hatte
einen fränkischen König gefangen und wollte ihn töten lassen, da kaufte er sich
frei durch Auslieferung von fünf Festungen und Zahlung von 500000 Dinaren.
Da ließ er ihn frei, doch starb er auf dem Wege, ehe er sein Heimatland erreichte.
Von diesem Gelde baute dann Nūr ed-Dīn sein Hospital in Damaskus
ohne Frohnarbeit. Wo aber? o ʿAlam ed-Dīn, willst du soviel Geld finden und
wo einen solchen Sultan wie Nūr ed-Dīn? Freilich hat der Sultan das Verdienst
seiner guten Absicht und ich wünsche ihm Gutes beim Bau dieser Stätte. Du
aber, wenn du das Werk übernommen hast in der Absicht den Leuten zu nutzen,
so ist dir dafür der Lohn (sicher), wenn es aber geschah, damit dein Herr deinen
Eifer sähe, so wirst du leer ausgehen.“ Da sagte šugāʿī: „Gott kennt die Absichten
der Menschen.“ Hierauf stellte er den Ibn Daqīq als Lehrer am Mausoleum an.
(Der Autor sagt:1) Wenn die Enthaltung vom Gebet erfolgte wegen der Besitz-nahme
1 Maqrīzī.

des Dār el-Qutbiyyah gegen den Willen seiner Eigentümerin und ihrer
Vertreibung daraus und wegen der Verwendung der Abbruchmaterialien des
Schlosses Rōḏah, so muß ich, weiß Gott sagen: Wenn die Ayyubiden die Dār
el-Qutbiyyah in Besitz nahmen und die Feste auf Rōḏah bauten und die Eigentümer aus ihren Schlössern in Kairo und die Bewohner von RRōḏdah aus ihren
Wohnungen trieben, so war das genau dasselbe, als wenn Qalāūn die genannte
Dār nahm und seinen Bau aufführte mit den Abbruchmaterialien der genannten
Feste und die Mu'nisah mit ihrer Familie aus der Dār el-Qutbiyyah vertrieb.
Wenn man aber genau zusieht und das Geschehene erfaßt, so wird es klar,
daß diese Leute nur Diebe sind, die andere Diebe bestehlen und Räuber, die
andere Räuber berauben. Geschah aber die Enthaltung vom Gebet wegen des
Drangsalierens der Arbeiter und der Frohnarbeit, so ist das etwas anderes, bei
Gott! Sage es mir, wenn du es weißt, ich weiß es nicht, wer von ihnen in
seinen Taten nicht diesen Weg gewandelt hätte, nur daß der eine noch schlimmer
ist als der andere.“
Maqrīzī schließt seine Geschichte über den Māristān, indem er hervorhebt,
daß ihn viele Poeten besungen haben, und führt das Lobgedicht des šaraf ed-Dīn el-Būs̱īrī an.
In der Folge wird der Māristān des Mansūr des öfteren von morgenländischen wie abendländischen Reisenden erwähnt. Hier seien nur zwei angeführt, Ibn Baṯūṯah und Thevenot. Ersterer, der Kairo zwischen 1325 und 1354
besucht, äußerte, daß es unmöglich sei, seine Schönheit zu beschreiben. „Es
enthält eine bedeutende Menge nützlicher Gegenstände. Es bezieht an täglichen
Einnahmen tausend Dinare“.1 Thevenot, der seine Orientreise 1655 beginnt, erwähnt das Hospital und die Moschee „der tollen Leute“, die an große eiserne
Ketten geschlossen sind und die bei Beginn der Betstunde so in die Moschee
geführt werden. „Sie ist eine von den weitläufigsten in der Stadt, soviel ich,
als ich im Vorbeigehen an etlichen ihrer Türen habe wahrnehmen können. Das
Hospital daneben wird Morestan genannt, es stehet allen armen kranken offen,
sie werden daselbsten wolauffgenommen, gepflegt und versorget.“ — Es ist hierbei
hervorzuheben, daß Thevenot das Hospital geradezu als Irrenhaus bezeichnet.2
In der Descript. de l'Egypte 3 führt Jomard nach arabischer Quelle an,
daß die Ärzte für dies Hospital aus verschiedenen Teilen des Orients herangezogen
und sehr freigebig bezahlt worden seien. Die an Schlaflosigkeit leidenden
Kranken wären in einem Saal untergebracht gewesen, wo sie harmonische Musik
zu hören bekamen und geübte Erzähler sorgten für ihre Zerstreuung. Man habe
1 Ibn Bāṯūṯah, Voyages I, S. 71.
In der Waqfiyyah, die der Sultan el-Ašraf Barsbaī in die Wände seiner Moschee (1424) in Kairo meißeln ließ, gedenkt er auch des Hospitals des Qalāūn. -- M. van Berchem, Corp. S. 369 ff.
2 M. de Thevenot, Reisen, S. 194.
3 Tome XVIII, 2. Teil, S. 321.

die Kranken, die sich auf dem Wege der Besserung befanden, von den anderen
getrennt und sie durch Tänze, oder indem man vor ihnen eine Art Schauspiele
aufführen ließ, unterhalten, auch habe ein jeder beim Verlassen des Spitals ein
Geschenk von fünf Goldstücken erhalten, damit er nicht sofort zu einer anstrengenden
Arbeit gezwungen sei.1
Von all diesen großartigen Einrichtungen war am Ende des 18. Jahrh.
keine Spur mehr vorhanden. Der französische Gelehrte fand in dem verwahrlosten
Gebäude etwa fünfzig oder sechzig Kranke, in Räumen, die offen dem
Wind und Wetter ausgesetzt waren; Betten oder sonstige Möbel gab es nicht.
Die Irrsinnigen waren besonders untergebracht, Männer und Frauen geschieden,
etwa zehn in allem. Sie waren in vergitterten Abteilen und trugen Ketten am
Halse. In dem Bericht, den sich Buonaparte von seinem Oberarzt vorlegen ließ,
entwirft dieser ein trauriges Bild von der Verwahrlosung, in der man die Unglücklichen verkommen ließ.
Dem Werke Coste's aus dem ersten Viertel des verflossenen Jahrhunderts
entnehmen wir noch, daß sich zu seiner Zeit im Hospital ein Augenarzt, ein Chirurg
und ein Oberarzt befanden; letzterer stand der Verteilung der Rationen vor, die
aus Fleisch, Gemüsesuppe, Reis und in vier Broten für jeden Kranken bestanden.
Hundertundzwanzig Kranke konnten untergebracht werden.
Der Behandlung scheint aber kein besonderes Vertrauen entgegengebracht
worden zu sein, denn derselbe Autor erzählt von einem seidenen Kaftan und einem
ledernen Gürtel des fürstlichen Erbauers, die im Mausoleum aufbewahrt wurden,
und denen das Volk die Eigenschaften von Talismanen zuschrieb. 'Die Kranken,
Mānner und Frauen, finden sich mit Ehrfurcht im Mausoleum ein, kleiden sich,
gegen ein Entgelt, in den Kaftan und schnallen den Ledergurt um den Leib.
So angetan gehen sie dreimal um das Grab, indem sie ein Gebet murmeln.
Diese Prozedur soll, wie sie behaupten, alle Übel heilen.2
1 Die Fürsorge für die Kranken soll so weit gegangen sein, daß man vom Minarete das erste
Gebet zwei Stunden vor der vorgeschriebenen Zeit ausrufen ließ am die Kranken glauben zu
machen, der Tag sei angebrochen. — Prisse d'Av., S. 138.
2 Ich habe diesen zwei Gegenständen vor Jahren nachgespürt, aber vergeblich. Hätten sie wirklich
Qalāūn angehört, so wären sie würdig gewesen, dem Arabischen Museum einverleibt zu werden.
Dafür befand sich im Mausoleum, bis in die letzte Zeit, ein anderer wundertätiger Gegenstand in
Form eines kleinen Mühlsteins, auf dem etwas ausgegossenes Wasser durch Zerreiben mit einem
eisenhaltigen Stein rotgefärbt und dann getrunken wurde, was unfehlbar gewirkt haben soll. Nach
Ebers hoffte man, durch diesen Saft den Kindern „die Zunge zu lösen“. Der Mühlstein befindet sich
heute in dem Vorraum des Mausoleums, wo er natürlich seine wohltätige Kraft eingebüßt hat. —
Auch die Säulen der Qiblah sollen heilende Kraft besitzen, die in den Saft von darauf gepreßten
Zitronen überging. Da aber die Säure den Marmor angriff, wurde auch diesem Unfug gesteuert.
In der Abb. 29 sind die von dem Zitronensaft verursachten Streifen sichtbar. — Ebers erzählt noch
von einem andern ungewöhnlichen Aberglauben, dessen Gegenstand dieselbe Gebetnische gewesen
ist: Junge Frauen und Mütter pflegten sich da am Donnerstag einzufinden und, nachdem sie um
männliche Nachkommen gefleht hatten, entledigten sie sich ihrer Oberkleider, verdeckten mit beiden
Händen ihr Antlitz und sprangen dann so oft von einer Seite der Nische zur andern, bis sie erschöpft
niedersanken.
Näheres über das Wesen dieser Wunderheilmittel in der Zeitsch. Der Islam, Bd. VII, Beiträge
zum Volksheilglauben der heutigen Ägypter, von Dr. Max Meyerhof.
An monumentalen Hospitälern gab es außer dem des Qalāūn nur noch eins,
das vom Sultan el-Muayyad gegründete, über welches Maqrīzī berichtet.1 Es
fand, oder richtiger befindet sich — denn der Bau besteht noch heute in seinen
wichtigsten Teilen — auf dem Hügel gegenüber den Tablbanah der Zitadelle.2 Nach einer zweijährigen Bauzeit wurde das Hospital im September 1420 eröffnet. Die Ausgaben wurden von den Stiftungen der Moschee des Sultans bestritten. Nach dem wenige Monate darauf erfolgten Tode des Erbauers wird
das Hospital aufgegeben, um schon im April des folgenden Jahres den zugereisten
Persern, später den fremden Gesandten als Unterkunftsort angewiesen zu
werden. Doch ändert es schon in der ersten Hälfte des Jahres 1422 wieder die
Bestimmung: ein Minbar wird darin aufgestellt, Personal ernannt — der ursprüngliche
Māristnān wird zur Moschee.
Der Māristān des Sultan el-Muayyad war der letzte monumentale Bau dieser
Art; die Autoren nennen keine mehr. Jomard3 erwähnt ein Brunnenhaus
(citerne) und zwei Wakālen, die sich in der Nähe der Gūrīmoschee befanden
und die den Namen Māristān führten; ferner ein Hospital, welches der baulustige Kiḫya ʿAbder-Rāẖmān in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. in der Straße
Taẖt er-Rab' für Frauen errichtet hatte; zu seiner Zeit beherbergte es 26 Kranke.
Diese Stiftung wurde, wie andere ähnliche, Takiyyah genannt.4 Solche Takāyā
befanden sich auch in der H̱abbāniyyahgasse, eine andere bedeutendere, vom
Sultan Baibars I. für kranke Derwische gegründet, in der S̱alībah, endlich noch
zwei Takāyā, die den Namen Qeysūn führten, in der Sūq es̱-S̱lāẖgasse5 und in
der Qeysūngasse6.
Von diesen Hospitälern lassen sich die ersteren an der Hand des Stadtplanes
der Description de l'Ég. feststellen; die in der H̱abbāniyyah ist nichts
anderes als die vom ottomanischen Sultan Maẖmūd 1751 erbaute Madrasah, in
der noch heute Derwische untergebracht sind.7 Unter der ferner, angeblich von
Baibars I., errichteten Takiyyat el-ʿAgam, neben der Moschee gleichen Namens,
kann nur die als Grab des H̱asan S̱adaqah und Takiyyat el-Mawlawiyyah bekannte
Baugruppe gemeint sein, die aus Kuppelgrab und Minaret, beide mit schönen
Stuckornamenten und einem Gräberraum, besteht. Sie wurden 1315, mit einerseither
verschwundenen Madrasah, von einem Emir Sunqur (also nicht Baibars)
1 Maqrīzī IV, S. 263.
2 Das Viertel, in dem dieses von wechselvollem Geschick betroffene Hospital steht, heißt jetzt el-H̱aṯṯābah;
das Gäßchen, welches zu dem Baue leitet, führt noch heute den Namen H̱āret el-Māristān. Erhalten
sind seine Hauptfassade mit ihrem imposanten Portale, an die die 1711 errichtete unbedeutende
Moschee des H̱āg Aẖmed Abū Galiya angebaut ist. Auch die anderen Außenmauern und die-Liwānbogen, in welche ärmliche Häuser eingebaut sind, existieren noch.
Der Band des Comité vom Jahre 1896 enthält vom Māristān nebst einer kurzen Notiz die Ansicht
des Portales und eines Liwānbogens.
3 Descr, de l'Ég. S. 324.
4 Unter Takiyyeh (Pl. Takāyā) versteht man heute ein Derwischkloster.
5 Descript., Plan, 13. —
6 Plan, I, 99.
7 Der heute als Takiyyeh bekannte Bau ist inschriftlich als Madrasah bezeichnet; er weist also die
letzte Grundrißform, welche die Madrasah in Ägypten angenommen hat, auf. Hierüber in meiner in
Vorbereitung befindlichen Studie über die Madrasah.

erbaut; anstelle der letzteren befindet sich ein modernes Derwischkloster.1 Von
den Takāyā Qeysūn stand eine neben dem Palasttore des Emir Mangak es̱-S̱ilāẖdar,2 die andere unweit des schönen äußeren Tores der ruinenhaften Gāmi
des Emir Qūs̱ūn.3 Es scheint also, daß es sich in diesen Fällen um Hospitäler
handelte, die in bestehenden Gebäuden eingerichtet wurden, welche ursprünglich
eine andere Bestimmung hatten. Wahrscheinlich waren sie aus dem Bedürfnisse
entstanden, die durch Mißwirtschaft und die bewegten politischen Ereignisse,
deren Schauplatz Ägypten im 16. Jahrhundert war, verwahrloste Stiftung Qalāūns
zu ersetzen.

14. Anlage und Aufbau des Māristān.

Ein gutes Geschick beschützte den Bau des großen Māristān selbst vor einer
Zerstörung; nicht nur bestanden seine Mauern fast vollständig bis vor etwa fünfzehn
Jahren, sondern Coste konnte noch zu Anfang des verflossenen Jahrhunderts
die Bestimmung eines jeden seiner Räume feststellen. Sie ist im folgenden Verzeichnis
mit Bezug auf den Grundriß, Abb. 184, angeführt:
  • 1. Sälenhof (Qāʿah).
  • 2. Saal (Liwān) für bettlägerige Kranke (Männer).
  • 3. Saal für bettlägerige Kranke (Frauen).
  • 4. Saal für Genesende (Männer).
  • 5. Saal (Qāʿah) für Genesende (Frauen).
  • 6. Saal für die Aufseher und Krankenwärter.
  • 7. Treppe zur Wohnung des Oberarztes.
  • 8. Küche und Nebenräume.
  • 9. Raum für die Särge.
  • 10. Kammer, wo die Leichen gewaschen werden.
  • 11. Kammern für die Brennmaterialien, u. a.
  • 12. Sitz des Oberarztes.
  • 13. Sitz des Chirurgen.
  • 14. Sitz des Augenarztes.
  • 15. Betraum.
  • 16. Pfeilerhof.
  • 17. Latrinenhöfe.
  • 18. Zellen für Irrsinnige (Männer).
  • 19. Rundgang.
  • 20. Zellen für Irrsinnige (Frauen).
  • 21. Treppe zur Terrasse führend.
  • 22. Bassin.
1 Descript. Plan I, Nr. 67. — Plan Herz Pascha, Comité, Index Gén., Nr. 263. — Unter der Kuppel
hielten die Mawlawiyyah-Derwische noch in den achtziger Jahren ihre Zikr's.
2 Plan im Index Gén., Nr. 247. — Das Tor datiert aus dem Jahre 748 H. (siehe M. van Berchem,
Corpus) und ist alles, was von dem Palaste erhalten blieb. Comité, Jahrg. 1892 enthält einige
Skizzen von diesem interessanten Tore.
3 Plan im Index Gén., Nr. 224. — Das Tor ist abgebildet, Comité, App. Jahrg. 1910, Tafel XIX.
4 Die Räume lassen sich leicht auf dem Grundrisse, Abb. 43, identifizieren, in dem II und III zerstört eingezeichnet sind.
Alle Bauteile stammen, wie aus dem letzten Kapitel ersichtlich ist, weder
aus der Gründungszeit des Hospitals noch aus der vorhergehenden, d. h. fatimidischen
Epoche; mancher Umbau läßt auf den ersten Blick sein Alter erkennen. Darunter befinden sich einige aus dem verflossenen Jahrhundert; andere
lassen sich schwer bestimmen. Der älteste Teil ist selbstverständlich, nicht nur
in Anbetracht seines ansehnlichen Alters von über neunhundert Jahren, der wichtigste,
sondern aus dem Grunde, weil er uns über die älteste Anlage des islamischen
Palasthofes in Ägypten Aufschluß gibt.
Es ist hier nicht die Stelle, näher darauf einzugehen und ihn zur Entwicklung des Palast- und Wohnhausbaues in Beziehung zu bringen, es soll nur
der Versuch unternommen werden, die Aussage Maqrīzīs an der Hand architektonischer
Einzelheiten nachzuprüfen. Maqrīzī behauptet an zwei Stellen, daß
die Qāʿah1 (der Säulenhof 22 mit den vier Liwānen 23, 25, 251 und 27) des
ursprünglichen Palastes unverändert dem Hospitale einverleibt worden und daß
sogar die ursprüngliche Wasserleitung erhalten worden sei.2 Der Erbauer der
Qāʿah war der Chalife el-ʿAzīz, Sohn des Gründers der Dynastie und Vater el-H̱ākims
und der Sitt el-Mulk, der sie ihr zum Wohnsitze anwies.3 Der Palast
wurde also zwischen 975 und 996 n. Chr. erbaut. Maqrīzī erwähnt dieses noch
an anderen Stellen, so führt er unter dem Titel El-Qāʿah an: „Einen Teil des
westlichen Schlosses bildet eine große Qāʿah, die heute der Māristān el-Mans̱ūrī
ist, wo sich die Kranken befinden; sie war die Wohnung der Sitt el-Mulk,
Schwester des H̱ākim bi Amr Illāh….4 Die Qāʿah bildete also einen Teil
des westlichen, kleinen Fatimidenpalastes.5 Ist nun der Nachdruck, mit dem
der Topograph Kairos den Hallenhof der Fatimidenzeit zuschreibt, begründet?
Auf dem Grundrisse, Abb. 43, sind die den verschiedenen Epochen angehörenden Bauteile hervorgehoben, unter diesen besonders der zentrale Hof
mit den vier Liwānen.6
1 Die Qāʿah ist ein aus einem rechteckigen Mittelstück (Derkāh) und daranliegenden, um eine Stufe
höherliegenden Hallen (Liwān) gebildeter Raum. Ihr Grundriß hat also die Kreuzform. 1st die
Derkāh überdeckt, so bildet die Qāʿah einen Saal; hat sie ein großes Ausmaß (wie in dem Māristān),
so bleibt die Qāʿah offen und bildet einen Hof, nach dem sich die vier Liwāne öffnen, also einen
Hallenhof. Dieser bildet den Kern des Palastes, so wie die geschlossene Qāʿah den Hauptsaal
des Wohngebäudes. An der Seite der Liwānfronten befinden sich Türen, die aus verschiedenen
Räumen des Gebäudes in die Qāʿah — Hallenhof oder Saal — einmünden.
2 Seite 34 der Übersetzung.
3 Die Prinzessin war durch ihren Reichtum berühmt. Maqrīzī zählt die überaus wertvollen Geschenke
auf, die sie ihrem Bruder im Jahre 998 n. Chr. gemacht hatte; ihre jährlichen Einkünfte überschritten
50000 Dinar. Man fand bei ihrem Tode 8000 Sklavinnen vor, unter diesen 1500 kleine Mädchen
(Bunayyāt). Maqrīzī wiederholt am Schlusse seiner Notiz, daß der Palast von Qalāūn zum Māristān,
Madrasah und Mausoleum umgebaut wurde, II, S. 333.
4 Maqrīzī II, S. 333.
5 Die von Maqrīzī dem Westlichen Schlosse gewidmete Beschreibung beginnt mit den Worten: nGegenüber dem erwähnten großen Östlichen Schlosse befand sich ein anderes kleines, das als Westliches
Schloß bekannt war. Es stand da, wo sich heute das Māristān des Mans̱ūr ausdehnt und in der Flucht
der Madāris und des Palastes des Baisari … liegt. Das Schloß wurde von ʿAzīz b-Illāh Nazār,
Sohn des el-Muʿizz erbaut. Maqrīzī II, S. 332.
6 Im Grundriß sind der zentrale Einbau, der Säuberungsgang und die unverkennbar modernen
Verunstaltungen weggelassen.
Der Unterschied zwischen diesem Grundrisse und dem von Coste, Abb. 18, ist nicht unbedeutend,
doch lassen sich die Haupträume indentifizieren.
Der Querschnitt, Abb. 44, stellt eine Ansicht desselben dar. Der Liwān
öffnet sich zwar nicht mit dem fatimidischen Bogen, sondern mit dem Spitzbogen
gegen den Hof; wir haben aber schon an anderem Orte gesehen, daß ersterer
nicht ausschließlich zur Verwendung kam, so z. B. findet sich der Spitzbogen
auch in der H̱ākimmoschee, die denselben ʿAzīz zum Erbauer hat. Die Mauerbekrönung — Šarafah — sticht von dem Zackenmuster der Madrasah und des
Mausoleums ab; sie ist mehr derjenigen der Azharmoschee und der des H̱ākim
verwandt.
Entschieden fatimidisch sind Decke und andere Holzarbeiten im Nordliwān,
so auch die wiederaufgefundenen Mosaiken des von Maqrīzī erwähnten Šādhirwān.
Die Decke besteht aus sichtbaren Balken und Langkassetten; beide sind mit
schönen Schnitzereien versehen; an den Balken die untrüglich fatimidischen
Arabesken mit den diese kennzeichnenden zurückgebogenen Blattansätzen; in
den Kassetten Tierfiguren. Diese letzteren haben denselben Charakter wie diejenigen der Holzbretter, welche im Jahre 1909 in der Moschee des Mohammed
ibn Qalāūn gefunden worden sind.1 Abb. 8 zeigt eine dieser interessanten
Skulpturen, von denen das Arabische Museum acht Stück enthält. Andere Holzteile befinden sich an den Wänden des Liwāns: ihre Schnitzereien zeigen dieselbe Rankenbildung wie die Zugstangen der H̱ākimmoschee.
Über die Anlage des Šāḏhirwān geben die Abb. 18 und 44 Auskunft. In
Coste's Plan ist die Wasserleitung nur im Ost- und Westliwān eingezeichnet,
während Maqrīzī angibt, daß sich eine solche in allen Liwānen befand. Der
Šāḏhirwān bestand aus einem Becken (43), in welches das Wasser über eine
schräggestellte Marmorplatte — Salsabīl — floß2 um von da von der tiefer
liegenden Rinne in das mittlere Bassin (mit Springbrunnen) — Fisqiyyah — geleitet zu werden. An Stelle des letzteren stand schon Ende des 18. Jahrhuuderts
der Kiosk, der im Jahre 1908 mit anderen Teilen des alten Hofes dem modernen
Gebäude Platz machen mußte. Der östliche Šāḏhirwān wurde 1910 unter einer
Schuttlage entdeckt, der westliche drei Jahre später. Abb. 46 stellt den ersteren
dar. Rechts der Fuß der unteren Mauerung des verschwundenen Salsabīls. Das
1 Ähnliche Holzschnitzereien wurden schon früher in der qalāūnischen Baugruppe gefunden, deren
Epoche sie eingereiht wurden (Prisse d'Avennes, Stanley Lane-Poole, Gayet). Ich glaube aber deren
fatimidische Herkunft bewiesen zu haben. — Siehe Orient. Arch., III, Boiseries fatimites.
2 In den öffentlichen Brunnenhäusern rieselt das Trikwasser, ehe es in die an den großen Fenstergittern gelegenen Becken gelangt, stets über diese schräg gestellten Salsabīl herunter, wobei es, dem
Luftzug ausgesetzt, sich etwas abkühlt. In vielen Brunnenhäusern Kairos ist diese Einrichtung erhalten.
Die Marmorplatten sind gewöhnlich von einem gewellten Motiv bedeckt. Die in dem Sebīl des
Sultans el-Ġūri in der Ġūriyyah ist von einer Skulptur umsäumt, welche sich umhertummelnde
Fische darstellt. Über der ganzen Platte finden sich Goldspuren, so daß der an deren Stirne in
schwarzem Stuck angebrachte Vers wahrheitsgetreu den Effekt des rieselnden Wassers wiedergibt:
,,Sieh wie schön mein Wasser rieselt, als glitten kristall'ne Ketten über einen goldenen Boden.“
(Meine kurze Monographie dieses Sebīl ist in der Architekt. Rundschau, 1890, erschienen).
Im Arab. Museum befinden sich einige Salsabīl, unter denen das unter Nr. 2, Saal III ausgestellte
wegen der im Saume enthaltenen Tierfiguren besondere Wichtigkeit hat. Der Marmor ist dem Sebīl
des Sultans Farag (1399--1405) entnommen. Eine Abb., Nr. 13, im Catalogue du Musée arabe

rechteckige Becken ist an einer Stelle konkav gestaltet; das Ganze ist, auch der
Boden der Rinne, mit musivischer Arbeit ausgelegt. Schon der Aufwand für
diese Anlage weist darauf hin, daß es sich um ein vom Palaste verbliebenes
Stück handelt. Übrigens sprechen auch die Muster der Mosaiken dafür, denn
sie weichen auffallend von den zahlreichen Motiven des Mausoleums ab.1
Es mangelt also nicht an kunsthistorischen Belegen, welche Maqrīzīs wiederholte
Behauptung bestätigen; ja schon nach einer oberflächlichen Prüfung des
Grundrisses (Ab. 43), kommt man zu dem Schluß, daß— von der unverkennbar
zweckentsprechenden Anlage der Abteilung für die Geisteskranken abgesehen
— wening vom Hofe der Dār el-Quṯbīyyah den Adaptierungsarbeiten
zum Opfer gefallen ist. daß hierbei manche Änderungen vorgenommen worden
sind, ist selbstverständlich; so wurde in die ursprüngliche Öffnung des Nordliwāns
der kleinere Bogen in S̱pitzer Hufeisenform eingebaut. Auch wurden
manche Türen vermauert, andere durchgebrochen. Das gekuppelte Fenster im Ostliwān,
Abb. 44, ist mit denen im Mausoleum identisch; auch die schöne Umrahmung
des Bogens, Abb. 46, die sich an den Mauern als Fries fortsetzt, gehört derselben
Epoche an, wenn sie nicht aus noch früherer Zeit ist. In dem Saale 26 ist
wohl die von Gamāl ed-Dīn Aqūš (1320—30) errichtete Qāʿah zu erkennen.
Er gibt sich durch seine Abgelegenheit als Anbau zu erkennen und unterscheidet
sich von den bisher besprochenen inneren Teilen durch seine glattbehauenen
steinernen Bogen, die einzige Verwendung dieses Materials dafür im Innern
des gesamten Baukomplexes. Die späteren Einbauten und Änderungen lassen
sich leicht erkennen; zu diesen gehört der Säulenumgang des zentralen Hofes
mit dem bereits erwähnten Kiosk in dessen Mitte; sie dürften ihrem Charakter
nach nur wenige Jahre vor der französischen Okkupation errichtet worden
sein. Andere Veränderungen wurden im Laufe des verflossenen Jahrhunderts
vorgenommen; es sind dies Einbauten wie in dem Nordliwān und besonders
im Südliwān. Coste's Grundriß stellt letzteren mit vier Freistützen und in Zellen
untergeteilt dar, die Abb. 45 einen zweigeschossigen Einbau mit Umgang. In den
achtziger Jahren befand sich eine Schule darin.
Die letzte große Änderung erfuhr der fatimidische Bau, als das Waqfministerium
vor zwölf Jahren die Errichtung des 1910 fertiggestellten Hospitals beschloß. Das
Comité konnte sich, angesichts der in der Innenstadt teuer gewordenen Baustellen,
dem Projekte nicht widersetzen, verlangte jedoch, daß die als historisch
bezeichneten Gebäudeteile von dem geplanten Umbau unberührt bleiben sollten.
Auf diese Weise wurde die Erhaltung von drei Liwānen und der Qāʿah des Aqūš
mit den mosaikenen Wandbrunnen und Leitung gesichert.

15. Auszüge aus den Sitzungsberichten des Comités,
den Māristān betreffend.

Im Jahre
1890. Für die Ausbesserung der Säulengalerie des Hofes wird eine kleine Summe
bewilligt.
1 Die Abbildung 1st Comité Jahrg. 1910, Appendice, entnommen, in der ich dem Māristān eine
kurze Notiz gewidmet habe.
1904. Infolge der Absicht des. Sanitätsinspektors der Waqfverwaltung, gewisse
Räume des Māristāns umzubauen, wird beschlossen, dessen kunstgeschichtlich
wichtige Bestandteile durch das Projekt unberührt zu lassen.
1905.
Die Waqfverwaltung zeigt an, daß sie den Neubau eines Hospitals im
Hofe des alten Māristāns beschlossen hat.1
Das Comité fordert, daß folgende Bestandteile des Māristāns von dem
Projekte unberührt erhalten werden:
  • 1. Der Rest des Ostliwāns mit seinen in Stuck verzierten Fenstern.
  • 2. Der verzierte Bogen des Südliwāns.
  • 3. Der Westliwān, insbesondere die Frontmauer mit den Stuckornamenten.
  • 4. Der Nordliwān.
  • 5. Die Qāʿah an der südlichsten Stelle des Māristāns. Sollte sie nicht
    unverändert im zu errichtenden Spital Verwendung finden können, so sei
    sie abzutragen und im Hofe der H̱ākimmoschee wieder aufzurichten.2
1908. Es wird beschlossen den isoliert gebliebenen Bogen des Südliwāns abzutragen;
dessen Stuckornamente werden sorgfältig abgelöst und im Museum
ausgestellt.3
1910. Im Laufe der Arbeiten an dem vom Waqf errichteten Neubau wurde im
alten Ostliwān ein mit schönem Marmormosaik ausgelegtes Wasserbecken
und offenem Ablauf aufgedeckt. Der Fund wurde als historisch wertvoll
erklärt und beschlossen, die erforderlichen Erhaltungsarbeiten auszuführen.
1912. Der südliche Saal bleibt an Ort und Stelle und wird ausgebessert. Voranschlag
Äg. Pf. 435.
1913. In dem Westliwān vorgenommene Grabungen haben auch darin ein mit
Mosaiken ausgelegtes Wasserbecken mit Ablauf zu Tage gefördert. Äg.
Pf. 56 werden für ihre Ausbesserung bestimmt.

16. Die Inschriften.

Wie allgemein an den islamischen Baudenkmälern, befinden sich auch an
denen des Qalāūn Inschriften. Ihre Anzahl ist groß, und zwar sind sie ausschließlich historischen Inhaltes; galt es doch nicht allein, den Namen des königlichen
Erbauers an dem prachtvollen Werke zu verewigen, sondern sich auch
mit der kurzen Frist seiner Herstellung zu brüsten. Es handelt sich darnach
wirklich um eine unglaublich kurze Zeit: im Juni 1284 wird mit dem Bau des
Māristān begonnen, im Dezember desselben Jahres ist er beendet; im selben
Monat wird der Bau des Mausoleums in Angriff genommen, um im April des
nächsten Jahres fertiggestellt zu sein; unmittelbar danach der der Madrasah,
welche schon im folgenden Monate Juli unter Dach ist. Sechs Monate für das
1 Der häßliche und seiner Bestimmung nicht entsprechende Neubau ist seither fertig geworden. Derselbe
verdiente diese Bezeichnung auch, wenn er nicht inmitten des ältesten islamitischen Profanbaues
von Ägypten stände.
2 Im Hofe der alten H̱ākimmoschee werden seit einigen Jahren historische Architekturteile, die wegen
ihrer großen Dimensionen nicht im Museum untergebracht werden können, aufgestellt.
3 Abb. 46.

Hospital, vier Monate für den Bau des Mausoleums mit-seinen monolithen Säulen,
seiner Steinfassade, der Marmorverkleidung des Portales, den Mosaiken und Vergoldungen
im Innern; endlich dreieinhalb Monate für die Madrasah mit den
überreichen Stuckornamenten ihres Hauptliwāns! Ein Kunststück der Schnellarbeit,
ein wahrer „tour de force“. Man begreift leicht, daß da der Bauintendant
des Königs, um dies zu erreichen, die Arbeiter drangsalieren, daß er jedes
Machtmittel anwenden mußte, um eine solche Leistung fertigzubringen; und die
hierüber entstandenen Bedenken leuchten ein, und wir können dem aufrechten
Schaich el-Daqīq die Berechtigung seiner verneinenden Antwort auf die Frage
nachfühlen: „Ist das Gebet in dieser Madrasah gestattet?“
Die größte Zahl der Inschriften befindet sich an der hausteinernen Fassade
des Mausoleums und der Madrasah, nur ein geringer Teil im Innern derselben;
im Māristān sind gar keine, abgesehen von derjenigen die ein Fenster umrahmt.
Den wichtigsten Teil enthält das breite Inschriftenband — Tirāz —, das sich in
halber Höhe über beide Fassaden erstreckt, nur vom Portale unterbrochen. Es
nimmt seinen Anfang an der Nordostecke des Mausoleums und schließt am
Ende der Fassade der Madrasah. Die Inschrift ist in dem Corpus Inscriptionum
Arabicarum des Herrn Max van Berchem enthalten, der sie zu
einer Zeit publizierte, als noch der Anbau die Nordfassade der Madrasah, also
auch einen Teil (etwa acht Meter) des Textes, verdeckte.1 Er lautet:2

1 Meine Aufnahmen sämtlicher Inschriften, auch derjenigen, die anläßlich der Erhaltungsarbeiten aufgedeckt
worden sind und im Corpus nachgetragen werden sollen, befinden sich in Kairo. Ich verdanke
es Herrn van Berchem, daß er mir über die letzteren das Wesentliche mitgeteilt hat.— (Brief.' vom März 1917.)
2 Corpus, 82.

,,Im Namen Gottes des barmherzigen und erbarmenden. Es befahl den
Bau dieser edlen Qubbah, der prachtvollen Madrasah und des gesegneten Bimāristān,
zur Annāherung an Gott den Gepriesenen und Erhabenen, unser Herr
und Gebieter, der ruhmvollste Sultan, der siegreiche König, der Weise, der Gerechte,
der Gottbegnadete, der Sieger, der Glaubenskämpfer, el-Mans̱ūr,1 das
Schwert der Welt und der Religion, der Sultan des Islam und der Muselmanen,
der Herr der Könige und der Sultane, Sultan der Erde in ihrer Länge und Breite,
König der Erdoberfläche, Sultan der beiden ʿIrāq und der beiden Ägypten,
König der beiden Festländer und der beiden Meere,2 Erbe der Herrschaft, König
der Könige der Araber und der Perser, Eigentümer der beiden Qiblah,3 Diener
der beiden heiligen Städte,4 Qalāūn es-S̱āliẖi Teilhaber (der Herrschaft) des Fürsten
der Gläubigen.5 Gott lasse ewig seinen Sieg andauern und ehre seine Helfer, erhöhe
seinen Turm und verdoppele seine Macht und lasse seine Gebiete blühen.
Der Unvergleichliche unter den lebenden Königen, der Herr Ägyptens—
der Hoffenden, derschatz der Gastfreundschaft suchenden und Abgeschnittenen—
— Beschützer des Rechts der Unterdrückten gegen die Unter drücker
ʿTöter der Ungläubigen und Heiden, Bezwinger der Abtrünnigen und der Widerspenstigen,
Schwert der Welt und der Religion, Qalāūn es-S̱ālẖī Teilhaber (der
Herrschaft) des Fürsten der Gläubigen; Gott verlängere seine Tage. Der Beginn
(des Baues) fand statt in einem der Monate des Jahres dreiundachtzig und
seine Beendigung nach einigen Monaten des Jahres sechshundert und vierundachtzig
nach der Auswanderung des Propheten.6“.
Andere Inschriften sind in den fünf Fensterstürzen des Mausoleums, zwei
am Portal eingemeißelt und eine befindet sich über der Türe, die direkt ins
Mausoleum führt. Von den ersteren, die alle Qalāūns Namen und das Baujahr
683--84 H. (1284--85) enthalten,7 ist nur die über dem dem Portale zunächst
befindlichen Fenster publiziert:8
1 el-Mans̱ūr ist der von Qalāūn angenommene Name als Sultan; er bededeutet „dem Gott Sieg verleiht“.
2 Afrika und Asien, das Mittelländische und das Rote Meer. (Nach v. Berchem).
3 D. h. der ausgezeichneten Moscheen in Mekka und Jerusalem.
4 Die heiligen Städte Mekka und Medīna.
5 Siehe über diesen Titel M. van Berchem, Corpus, S. 127.
6 Die Wiederholungen in den zwei Teilen der Inschrift könnten vermuten lassen, daß auf der Madrasah
ein neuer Text beginnt; doch spricht das auf den Gesamtban bezügliche Datum dagegen.
7 Comité 1910, Appendice S. 146, Nr. 4.
8 Corpus, Appendice S. 730, 86 bis.

„Es befahl ihren Bau1 unser Gebieter und Herr, der ruhmvollste Sultan,
el-Malik el- Mans̱ūr, der Weise, der Gerechte, Schwert der Welt und der Religion,
Qalāūn es̱-S̱āliẖī, Teilhaber (der Herrschaft) des Fürsten der Gläubigen; Gott
ehre seine Helfer. Der Beginn des Baues fand statt im Šawwāl des Jahres
sechshundert und dreiundachtzig und die Beendigung im S̱afar des Jahres sechshundert
und vierundachtzig (Dez. 1284, Jan. 1285 — Apr., Mai 1285).“
Von den zwei Inschriften am Portale ziert die eine das Marmorgewände,
die andere den Sturz desselben. Erstere verkündet, daß der Bau „dieser edlen
Qiblah, der prächtigen Madrasah, und des gesegneten Bīmāristān“, von dem
Sultan Qalāūn befohlen wurde,2 letztere, daß, der von Qalāūn befohlene Bau
„der edlen, prächtigen Qubbah, der gesegneten Madrasah und des Bīmāristān“ im
Rabīʿ el-Āḫir 683 (Juni-Juli 1284) begonnen und Gumādä el-Āḫir 684 (Aug.-Sept.
1285) beendigt wurde.3
Über der in die Grabkapelle führenden Türe enthält eine Marmorplatte
nebst den Titeln des Sultans die Daten des Beginns und der Beendigung des
Mausoleumsbaues, Šawwāl 683 (Dez. 1284 - Jan. 1285) und S̱afar 684 (April-Mai
1285).4
Noch seien die Inschriften auf den Flügeln der 1905 ausgebesserten Bronzetüre
des Portales und die Wünsche für den Ruhm des Sultans erwähnt, die in
den Rundkassetten der Decken des Mausoleums angebracht sind.5
Am Äußeren der Madrasah befinden sich, außer dem erwähnten Ṯirāz, der
die Fortsetzung des Textes am Mausoleum ist, Inschriften in die Stürze von vier
Fenstern eingemeißelt, zwei an der Nordseite, eines an der Ostfassade. Zweifelsohne
enthielten auch die anderen drei Fenster der Ostfassade Inschriften, doch
sind sie beim Anbau der Verkaufsläden ausgebrochen worden. Bezüglich dieser
Texte bemerkt Herr van Berchem,6 daß sie belanglose Varianten der anderen
Inschriften, besonders des lapidaren Ṯirāz bilden. Wichtiger ist der in der
Madrasah über dem Miẖrāb angebrachte, der deren Bau dem Qalāūn zuschreibt
und dessen Beginn und Beendigung angibt, S̱afar 684 und Gumādā el-Awwal desselben
Jahres.7 (Apr., Mai — Aug., Sept. 1285).
1 D. h. der Qubbah.
2 Corpus, Nr. 83.
3 Nr. 84.
4 Corpus, Nr. 86 und Comité 1910, App. S. 146, Nr. 6.
5 Corpus, Nr. 5 und 7: — M. v. Berchem erwähnt unter den Nrn. 93 und 94 noch die Inschrift vom
Jahre 1231 H. (1815 — 16), auf der Grabsäule — Šāhid. Es ist das Jahr, in dem kurz nach den Aufnahmen
Pascal Coste's im ganzen Baukomplexe die wichtigen Arbeiten ausgeführt wurden, die alle
Teile des Baues so sehr entstellten.
6 Briefliche Mitteilung vom März 1917.
7 Corpus Nr. 85.
Während die bisher angeführten Inschriften den Namen Qalāūns enthalten
und auf die Erbaungszeit der Gebäudegruppe Bezug nehmen, sind noch fünf
andere vorhanden, die den Namen seines Sohnes Moẖammed erwähnen. Ihrer
drei haben die Ausbesserung des Minarets zum Gegenstand, das etwa zwanzig
Jahre nach seiner Errichtung infolge eines Erdbebens gelitten hatte; die nächste
Inschrift schreibt den Holzverschlag, der zwischen den vier Pfeilern der Grabkapelle
angebracht ist, dem Sultan Moẖammed zu, endlich liest man denselben
Namen auf dem Deckenfriese des kleinen Sebīls.
Die erste, in eine Platte eingemeißelt, die in die glatte Nordwand des
Mausoleums eingelassen ist, scheint denselben Wortlaut zu enthalten (die Inschrift
befindet sich etwa 10 Meter über der Straßensohle) wie die zweite über
der Türe des Minarets, an dessen Südseite.1 Den wortreichsten Text bietet die
dritte Inschrift, die sich an den vier Seiten des quadratischen ersten Stockwerkes
unter dessen Stalaktitenbekrönung hinzieht.2

„Im Namen Gottes des barmherzigen des erbarmenden. Gott, erneuere
deine Gnade und deine Gunst für die Seele des Malik el-Mans̱ūr; Gott möge
sich seiner erbarmen. Die Wiederherstellung dieses Minarets wurde befohlen
zur Regierungszeit seines Sohnes, unseres Gebieters, des Sultans Malik en-Nās̱ir
Abul-Fāṯh Moẖammad, als die herabgesandten Zeichen (des Himmels) erschienen
und dessen (Minarets) oberer Teil herabfiel bei dem Erdbeben, in
den Monaten des Jahres siebenhundertunddrei der Auswanderung des Propheten
(1303—04). Segen und Heil über ihren Herrn.“
Diese Inschriften sind deshalb wichtig, weil sie die Behauptung, Sultan
Moẖammed hätte an dem Baue der Denkmäler einen bedeutenden Anteil gehabt,
entschieden entkräften. Ich bin dieser von Marcel auf Grund der „Erzählungen
des Šaikh el-Mahdi“ geäußerten Meinung schon an anderem Orte entgegen-getreten.3 Diese läßt sich kurz dahin zusammenfassen, daß Qalāūns ursprünglich
bescheidenes Hospital von dessen zweitem Sohne Moẖammed derart vergrößert
worden sei, daß er in der Folge als der eigentliche Gründer betrachtet
wurde: auch sei das von Qalāūn erbaute Oratorium vergrößert und in eine schöne
Moschee verwandelt worden, der gegenüber eine andere nicht minder prächtige
Moschee errichtet wurde.4
1 Corpus Nr. 88 und 89.
2 Nr. 90.
3 Comité, 1910, App.
4 J. J. Marcel, Égypte, S. 137—148, 167.
Den wahrhaften Sachverhalt beweisen uns die zahlreichen Inschriften, die
von einem Ende des Baues bis zum anderen. Qalāūn als Bauherrn nennen.
Hätte dessen Sohn wirklich einen Anteil an der Entstehung dieser Bauten, so
hätte er gewiß nicht darauf verzichtet, ihn ebenso redselig zu verewigen wie die
geringe Reparatur am Minaret. Der vom Erdbeben beschädigte „obere Teil“
wird wohl die seither abermals zestörte Bekrönung gewesen sein, also ein sehr
unbeträchtlicher Teil;1 die drei bestehenden Steckwerke sind diejenigen, die zu
Qalāūns Zeit geschaffen worden sind. Und um diese geringe Teihaberschaft
zn verkünden, läßt Moẖammed nicht weniger als drei Inschriften anbringen, von
denen der zuletzt wiedergegebene Text sogar in den qalāūnischen Steinkörper
eingemeißelt ist. Wie viel redseliger wäre er erst gewesen, hätte er wirklich
das Hospital vergrößert und der Madrasah ihre endgültige Gestalt gegeben!2
Der dem Sultan Moẖammed zuzuschreibende Anbau ist das kleine Sebīl
und der in den Berichten des Comités als „maisonnette“ bezeichnete schmale
Bau, der die von Maqrīzī erwähnte Schule, Kuttāb, ist. Nicht nur deckte
dieser Kuttāb die Nordseite der Madrasah der Länge und Höhe nach, sondern,
wie dies bereits erwähnt wurde, selbst die äußere Architektur ihrer oberen
Fenster wurde ausgebrochen, um das Schulzimmer geräumiger zu gestalten; kein
glücklicher Gedanke.
Nein, den Ruhm, die Madrasah und das Mausoleum in der alten Bain el-Qas̱rain
erbaut zu haben, teilt Qalāūn nicht mit seinem Sohne Moẖammed; sie
sind sein ureigenes Werk, sie tragen, wie ihr Schöpfer, den Stempel einer eigenartigen
Individualität an sich.
Das Außerordentliche seines Wesens offenbart sich an Qalāūn schon auf
dem Sklavenmarkte, wo für ihn die ungewöhnlich hohe Summe von tausend
Goldstücken bezahlt wird. Es ist der erste Preis, den das Geschick seinem
persönlichen Werte zuspricht. In diesem Bewußtsein reiht stolz der spätere
Sultan seinen langen Titeln die Worte „el-Alfī“ bei. Denn vom Sklaven steigt
er von Stufe zu Stufe, um, dank seiner Eigenechaften, die höchste Stelle der
Gesellschaft zu erklimmen. Als Herrscher bewährt er sich wie wenige des
Orients: Siegreiche Schlachten der Abwehr und der Eroberung bieten ihm die
Mittel, in seinen Reichsgrenzen die Ruhe zu sichern. Eine kräftige Regierung
und kluge Verwaltung zeitigen Wohlfahrt und Zufriedenheit für sein Volk. Die
1 Dem vom Comité (1890, Rapport Nr. 79) gefaßten Beschluß, die (wieder) zerstörte Bekrönung
durch eine im Stile der Epoche zu ersetzen, wurde bisher nicht Folge geleistet; hoffentlich wird es
auch nie geschehen, denn das Minaret Qalāūns hat keinen Zeitgenossen.
2 Noch wären drei Inschriften zu erwähnen, von denen zwei auf Marmorplatten gemeißelt, die in die
Gewände des Hauptportales eingelassen sind. Sie enthalten mit geringen Abweichungen denselben
Text, ein zur Regierungszeit des Sultans S̱āliẖ H̱āgg Šaʿbān (1381—82) erlassenes, auf die Nutznießung
der für das Māristān bestimmten Legate bezügliches Dekret vom 7. Dez. 1389 (Corpus Nr. 92). Die letzte Inschrift ist in die Steinschichten der Grabfassade eingemeißelt, hinter denen die
Gebetnische steht. Sie verkündet ein Dekret des Sultan el-Muayyad Šaiḫ (1412—21), das den Markt
betrifft. Die Inschrift ist zum Teil verwittert.

dankbare Nachwelt rechnet ihn zu den größten Fürsten des islamitischen Orients.
— Und das Schicksal, das sich an die Ferse der Tüchtigen heftet, wollte ihm
selbst nach seinem Tode Gunst erweisen, denn Qalāūn ist der Einzige in jener
unsteten Zeit, wo der Thron leichten Preises war, dessen Nachkommen sich
hundertunddreißg. Jahre als Regenten behaupteten. Mit Recht wird er daher
Abul-Mulūk — Vater der Könige — benannt.
Seinem Wesen entsprachen unter den vielen Bauten, die er allenthalben entstehen
ließ, seine Hauptwerke, die Madrasah und das Mausoleum in Kairo, die so
recht der Ausdruck seiner Persönlichkeit sind. Großartig in der Anlage, mit
fürstlicher Pracht ausgestattet, in einer kurzen Spanne Zeit hergestellt, geben sie
Zeugnis von dem Reichtum und der unumschränkten Macht ihres Erbauers.
Aber sie sind auch sprechende Denkmäler ihrer Epoche, jener Zeit, die den
Jahrhunderte hindurch bestandenen latenten Verkehr zwischen Morgen- und Abendland,
durch die plötzlich erwachte heftige Aktion der Kreuzzüge ablöst. Sie
kommt in Qalāūns zwei Bauwerken in eklatanter Weise zum Ausdruck. Sie
enthalten zwar Kunstgedanken und Formen fremden Ursprungs, jedoch so
lebenskräftig und nutzbringend, daß die folgende schaffensfreudige Periode reichlich
aus ihnen schöpft und Kairo mit einer langen Reihe künstlerisch wertvoller
Bauwerke ziert, unter ihnen die großartige Moschee H̱asans, des Enkels Qalāuns,
eine der berühmtesten der islamischen Welt.

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Verzeichnis der benutzten Werke.


Tafel-Anhang.



Abb. I. Hauptliwān der Moschee des Ibn Ṯūlūn
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel I.
Nach Herz Bey, az Iszl. müv.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 2. Basis einer eingebundenen Säule in der Moschee des Ibn Ṯūlūn.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 2.
(Nach Herz Bey, az Iszl. müv.)

Abb. 3. Von einer Bogenlaibung in der Moschee des Ibn Ṯūlūn.
Nach E. Herzfeld, Die Genesis der isl. Kunst.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 4. Kufische Schrift. Grabsteine aus der Epoche des Ibn Ṯūlūn 252 H. (866.)
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 3.
Sammlung M. van Berchem.
Hamburg: L. Friedrichsen & Co.


Abb. 5. Hauptfassade der Moschee el Aqmar.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 4.

Abb. 6. Teilansicht des Hauptliwāns der Moschee S̱āliẖ Talāī.
Nach Herz Bey, az Iszl. müv.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 7. Gebetnische aus der Grabkapelle der Sitt Ruqāyah.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 5.
Arab. Mus. in Kairo
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 8. Holzschnitzwerk aus der Fatimidenzeit, 10.—11. Jahrh.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 6.
Arab. Mus. in Kairo.

Abb. 9. Kufische Inschrift aus der Fatimidenzeit, 470 H. (1077—78).
Nach M. van Berchem, Corp. d. A.

Abb. 10. Stuckverzierung von einem Fenster der Madrasah des Sult. Kāmil.
Arab. Mus. in Kairo.
Hamburg: L. Friedrichsen & Co.


Abb. 11. Von dem Kenotaph des Imām ešch-Šchāfiī.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 7.

Abb. 12. Inschrift aus der Ayyubidenzeit 583 H. (1187—88).
Arabisch. Mus. in Kairo.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 13. Grabmal, Madrasah mit Minaret des Sultans S̱āliẖ Ayyūb. (Der Vorbau rechts ist die Schule und Brunnenhaus des Khosro Pascha, 16. Jahrh.)
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 8.

Abb. 14. Grabmal des Sultans Baibars I. in Damaskus.
(Nach Herz Bey, az Iszl. müv.)
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 15. Türe vom Palaste des Sultans S̱āliẖ Ayyūb auf der Inset Rōḏan.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 9.
Descr. de l' Egypte.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 16. Kirchentüre aus Akkon, jetzt an der Madrasah des Sult. en-Nās̱ir Moẖammed in Kairo.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 10.
Aufnahme des Archit. G. Rossi.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 17. Minaret der zerstörten Moschee des Sultans Moẖammed en-Nās̱ir in Ramleh (Palestina).
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 11.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 18.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 12.

Abb. 20. Grabmal des Sultans Qalāūn. Grundriß.
Nach Herz Bey, az Iszl. müv.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 19. Grabmal des Sultans Qalāūn.
(Abb. 20 siehe auf Tafel 12.)
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 13.
Nach Herz Bey, az Iszl. müv.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 21. Grabmal des Sult. Qalāūn. Haupteingang in der Vorhalle.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 14.
Sammlung des Comités.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 22. Grabmal des Sultans Qalāūn. Schnitt A B des Grundr. Abb. 20.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 15.
Nach Herz Bey, az Iszl. müv.

Abb. 23 Grundriß d. Georgskirche in Ezrā.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.

Abb. 24. Querschnitt der hl. Georgskirche in Ezraʿ (H̱aurān).
Nach F. Benoit.


Abb. 25. Grabmal des Sultans Qalāūn. Nach Ausführung der Erhaltungsarbeiten.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 16.
Sammlung des Comités.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 26. Grabmal des Sultans Qalāūn. Um 1880.
Sammlung des Autors.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 27. Grabmal des Sultans Qalāūn ím Jahre 1785.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 18.
Grabmal Madrasah des Sult. Moẖ. en-Nās̱ir Barqūq Madr des Sult. Baibars I.
(Nach L. F. Cassas.
Hamburg: L. Friedrichsen & Co.


Abb. 28. Grabmal des Sultans Qalāūn. Ansicht āes Innern vor der Ausführung der Erhaltungsarbeiten.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 19.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 29. Gebetnische im Grabmale des Sultans Qalāūn. Vor der Ausführung der Erhaltungsarbeiten.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 20.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 30.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 21.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 31. An die Nordfassade der Madrasah des Sult. Qalāūn angebaute Kinderschule und Brunnenhaus. (B und A im Grundriß Abb. 30.)
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 22.
Nach Ebers.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 32. Madrasah des Sultans Qalāūn. Blick in den Ostliwān.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 23.
Sammlung des Comités.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Add. 33. Madrasah des Sultans Qalāūn. Nördl. Seitenschiff des Ostliwāns vor der Ausführung der Erhaltungsarbeiten.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 24.
Sammlung des Comités.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 34. Madrasah des Sultans Qalāūn. Südliches Seitenschiff des Ostliwāns während der Erhaltungsarbeiten.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 25.
Sammlung des Comités.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 35. Madrasah des Sultans Qalāūn. Stuckornamente am oberen Teil der Qiblahwand.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 26.

Abb. 36. Kirche in Qalb Luze, Syrien — Erb. 515.
Nach de Vogué.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 37. Madrasah des Sultans Qalāūn. Rekonstruktion des Ostliwāns.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 27.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 38. Madrasah des Sultans Qalāūn. Die vermauerte Front des Ostliwāns.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 28.
Sammlung des Comités.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 39. Madrasah des Sult. Qalāūn. Front des Ostliwāns nach den begonnenen Herstellungsarbeiten.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 29.
Sammlung des Comités.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 40. Madrasah des Sult. Qalāūn. Der Ostliwān während der Erhaltungsarbeiten.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 30.
Sammlung des Comités.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 41. Madrasah des Sultans Qalāūn. Der Ostliwān nach der Ausführung der Erhaltungsarbeiten.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 31.
Sammlung des Comités.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 42. Madrasah des Sultans Qalāūn. Der Ostliwān vor der Ausführung der Erhaltungsarbeiten.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 32.
Sammlung des Comités.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 43.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 33.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 44. Māristān el-Mans̱ūrī. Schnitt AB des Grundr. Abb. 18.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 34.
Nach P. Coste.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.


Abb. 45. Māristān el-Mans̱ūrī. Schadirwān im Ostliwān.
Herz-Pascha: Baugruppe Qalāūn, Tafel 35.

Abb. 46. Māristān el Mans̱ūrī. Bogen des Südliwāns.
Bulletin du Comité.
Hamburg: L. Friederichsen & Co.



Verlag von L. Friederichsen & Co., Hamburg

Neu-Erscheinungen in der Zeit vom 1. Mai 1914 bis 1. August 1919. Die Preise erhöhen sich um folgende Zuschläge:
  • 1. Teurungszuschlag des Verlages für alle bis Ende 1918 erschienen
    Werke 40%.
  • 2. Teurungszuschlag der liefernden Buchhandlung.
Abhandlungen des Hamburgischen Kolonialinstituts.
Band XIX (Reihe E. Band 3).
Engelbrecht, Dr. Th. H.: Die Feldfrüchte Indiens in ihrer geographischen Verbreitung.
1. Teil Text (IX u. 271 Seiten). Gr. 8°. II. Teil Atlas (23 Karten). 1914. M. 20.—
Band XX (Reihe B. Band 12). Canaan, Dr. med. T.: Aberglaube und Volksmedizin im Lande der Bibel. (XII u.
154 Seiten m. 6 Tafeln u. 50 Abb. im Text) Gr. 8°. 1914. M. 6.—
Band XXI (Reihe C. Band 1). Thorbecke, Prof. Dr. Franz: Im Hochland von Mittelkamerun. 1. Teil: Die Reise.
Eindrücke u. Beobachtungen. Unter Mitarbeit von Marie Pauline Thorbecke und
Leo Waibel. (IX u. 102 Seiten m. 75 Abb. auf 50 Tafeln, 1 Farbentafel u. 1 Kartenskizze.)
Gr. 8°. 1914. M. 8.—
Band XXII (Reihe C. Band 2). Distel, Dr. L.: Ergebnisse einer Studienreise in den zentralen Kaukasus. (VII u.
96 Seiten m. 33 Abb. auf 17 Taf., 1 Kartenskizze u. 1 Kartenprofil). Gr. 8°. 1914. M. 6.—
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Band XXIV (Reihe B. Band 14). Heepe, Dr. M.: Jaunde-Grammatik und -Texte. Im Druck.
Band XXV (Reihe B. Band 15). Dahl, Missionar E.: Nyamwesi-Wörterbuch. (XVI u. 696 Seiten.) Gr. 8°. 1914. M. 25.—
Band XXVI (Reihe E. Band 4). Neumann, Dr. J.: Die Verwendung von deutschem Zuchtvieh in Deutsch-Südwestafrika
in Reinzucht und zur Veredelung der dortigen Rindviehbestände (Ergebnisse einer
Studienreise von März bis August 1913). (35 Seiten m. 31 Abb. auf 16 Tafeln.) Gr. 8°.
1914. M. 2.50
Band XXVII (Reihe B. Band 16). Stuhlmann, Dr. F.: Die Mazigh-Völker. Ethnographische Notizen aus Süd-Tunesien.
(VIII u. 59 Seiten m. 18 Fig. im Text, 18 Abb. auf 8 Tafeln u. 2 farbigen Tafeln.)
Gr. 8°. 1914. M. 5.—
Band XXVIII (Reihe E. Band 5). Gad, Dr. Joh.: Die Betriebsverhältnisse der Farmen des mittleren Hererolandes (Deutsch Südwestafrika). (VIII u. 146 Seiten m. 1 Karte.) Gr. 8°. 1915. M. 5.—
Band XXIX (Reihe A. Band 5). Mathies, Dr. Otto: Die Beschränkungen der Gewerbe- und Handelsfreiheit in den
deutschen Schutzgebieten. (XV u. 130 Seiten.) Gr. 8°. 1916. M. 3.—
Band XXX (Reihe C. Band 3). Range, Dr. P.: Beiträge und Ergänzungen zur Landeskunde des deutschen Namalandes.
(XII u. 120 Seiten m. 27 Abbildungen u. 5 Kartenskizzen). Gr. 8°. 1914. M. 6.—
Band XXXI (Reihe B. Band 17). Ried, Dr. H. A.: Zur Anthropologie des abflußlosen Rumpfschollenlandes im nordöstlichen
Deutsch-Ostafrika. (X u. 295 Seiten mit 14 Abb. im Text und 14 Tafeln.)
Gr. 8°. 1915. M. 10.—
Band XXXII (Reihe B. Band 18). Irle, Missionar J.: Deutsch-Herero-Wörterbuch. (VIII u. 455 Seiten.) Gr. 8°. 1917.
M. 15.—
Band XXXIII (Reihe C. Band 4). Schultz, Dr. Arved: Landeskundliche Forschungen im Pamir. (X u. 231 Seiten mit
66 Abb. auf 37 Tafeln, 60 Fig. im Text u. 4 Karten.) Gr. 8°. 1916. M. 20.—
Band XXXIV (Reihe B. Band 19). Dempwolff, Dr. Otto: Die Sandawe. Linguistisches und ethnographisches Material aus
Deutsch. Ostafrika. (V u. 180 Seiten m. 48 Abb. i. Text.) Gr. 8°. 1916. M. 6.—
Band XXXV (Reihe B. Band 20). Meinhof, Prof. Dr. C.: Eine Studienfahrt nach Kordofan. (XII u. 134 Seiten m. 18 Tafeln,
61 Abb. im Text u. 1 Karte.) Gr. 8°. 1916. M. 10.—

Band XXXVI (Reihe C. Band 5). Thorbecke, Prof. Dr. Franz: Im Hochlande von Mittelkamerun, 2. Teil. (VII u. 94 Seiten
mit 37 Abb. auf 26 Taf. u. 2 Kartenskizzen.) Gr. 8°. 1916. M. 6.—
Band XXXVII (Reihe A. Band 6). Goetz, Prof. Dr. L. K.: Deutsch-Russische Handelsverträge des Mittelalters. (XVI und
394 Seiten, I Plan im Text u. 1 Karte.) Gr. 8°. 1916. M. 8.—
Band XXXVIII (Reihe B. Band 21). Heinitz, Wilhelm: Phonographische Sprachaufnahmen aus dem egyptischen Sudan.
(103 Seiten mit 24 Tafeln.) Gr. 8°. 1917. M. 3.—
Band XXXIX (Reihe C. Band 6). Langenmaier, Dr. Theod.: Lexikon zur alten Geographie des südöstlichen Äquatorialafrikas.
(VIII u. 100 Seiten mit 50 Textskizzen.) Gr. 8°. 1918. M. 3.—
Band XXXX (Reihe A. Band 7). Schweer, Dr. Walther: Die türkisch-persischen Erdölvokommen. (X u. 247 Seiten,
mit 1 Tafel, 14 Textfiguren u. 4 Karten.) Gr. 8°. 1919. M. 12.—
Band XXXXI (Reihe C. Band 7). Thorbecke, Prof. Dr. Franz: Im Hochland von Mittelkamerun, 3. Teil. (XII u. 178 Seiten
mit 3. Farbentafeln, 141 Abb. a. 35 Tafeln, 32 Textfiguren, 2 Tabellen, 23 Tran.
skriptionen u. 1 Tafel Tonleitern.) Gr. 8°. 1919. M. 15.—
Band XXXXII (Reihe B. Band 22). Herz-Pascha, Max: Die Baugruppe des Qalāūn in Kairo. (VII u. 53 Seiten m. 46 Abb.
a. 35 Tafeln) Gr. 8°. 1919.
Abhandlungen auf dem Gebiete der Naturwissenschaften. Herausgegeben vom Naturwissenschaftlichen Verein in Hamburg. Gr. 4°.
Band XX 2 (55 Seiten mit 18 Textfig. u. 1 Tafel). 1914. M. 3.00
Inhalt. Hillers, Dr. Wilhelm: Theoretische und exper. Beiträge zur Aufklärung zur Aufklärung des Dreifarben-Bildes
einer Luftspiegelung im Anschluß an photographische Aufnahmen und Beobachtungen einer ständigen Luftspiegelung bei Blankenese.
Band XX 3 (56 Seiten m. 2 Tafeln u. 9 Textfiguren). 1917. M. 2.50
Inhalt. Gürich, Prof. Dr. G.: Das Erdöl in Nordwestdeutschland.
Archiv der Deutschen Seewarte. Herausgegeben von der Deutschen Seewarte. Gr. 4°.
XXXVII. Jahrgang 1914 Nr. 1. (VI u. 104 Seiten m. 8 Tafeln u. 16 Textfig.) 1913.
Abon.-Preis M. 11.—, Einzelpreis M. 12.—
Inhalt. Schott; Prof. Dr. G., Dr. B. Schulz. Dr. P. Perlewitz: Die Forschungsreise S. M. S. „Möwe“
im Jahre 1911.
Auslandswegweiser. Herausgegeben von der Zentralstelle des Hamburgischen Kolonialinstituts
(Weltwirtschaftsarchiv) und dem Ibero-amerikanischen Institut.
Band 1. Stichel, Dr. B.: Argentinien. (171 Seiten m. 1 Übersichtskarte.) 8° 1919. M. 5.—
Barmm, Rektor R.: Der Krieg und die Erdkunde, unter besonderer Berücksichtigung des
erdkundlichen Unterrichts. (33 Seiten.) Gr. 8°. 1917. M. —.80
Baumann, Fred. S.: Groß-Hamburg. (43 Seiten u. 2 Kartenskizzen.) 8°. 1919. M. 1.50
Baumann, Fred. S.: Karte von Hamburg und den umliegenden preußischen Gemeinden.
1:100 000. 70 × 56 cm. Farbdruck. 1919. M. 1.50
Baumann, Fred. S.: Die Bevölkerung Hamburgs. (52 Seiten u. 1 Tabelle u. Anhang.) 8°.
1919. M. 2.50.
Baumann, Fred. S.: Groß-Hamburgische Streitfragen.
Heft 1 (47 Seiten u. 4 Kartenskizzen). 8°. 1919. M. 3.—
„2/3 im Druck.
Deneke, Prof. Dr. Theod.: Sprachverhältnisse und Sprachgrenze in Belgien. (35 Seiten und
2 Karten.) 8°. 1915. M. 1.50
Drascher, Dr. Wahrhold: Das Vordringen der Vereinigten Staaten im westindischen Mittelmeergebiet. Eine Studie über die Entwicklung und die Methoden des amerikamischen
Imperialismus. (105 Seiten mit 1 Karte.) 8°. 1918. M. 4.—
Dreyer, Dr. Joh., Die Moore Kurlands, siehe Veröffentlichungen des Geogr. Institut der Albertus Universität
zu königsberg.
Ehrenbaum, Prof. Dr. E., Über Küstenfische in Westafrika, besonders in Kamerun. [«Fischerbote
1913/15»] (85 Seiten m. 38 Abb. i. Text. Gr. 8°. 1915. M. 3.00
Entscheidungen des Ober-Seeamts und der Seeämter des Deutschen Reichs. Herausgegeben
vom Reichsamt des Innern. Bände à 5 Hefte nebst Register. Gr. 8°.
Band XX Heft 4. 1914. M. 3.20. Heft 5 1914. M. 3.20
Band XXI Heft 1. 1915. M. 3.20
Fischerbote, Der. Zeitschrift für die Interessen der Hochsee, Küsten- u. Fluß-Fischerei.
Herausgegeben von Direktor H. Lübbert und Prof. Dr. Ehrenbaum. 8°.
Jahrgang VII 1915 (IV, 343 Seiten u. Abb.). 1915 M. 8.—
Jahrgang VIII 1916 (IV, 338 Seiten u. Abb.). 1916 M. 8.—
Jahrgang IX 1917 (IV, 292 Seiten u. Abb.). 1917 M. 8.—
Jahrgang X 1918 (IV, 321 Seiten u. Abb.). 1918 M. 8.—
Register zu Jahrgang I—X. (32 Seiten.) Gr. 8°. 1919. M. 1.20
Franke, Prof. Dr. O., Deutschland und China vor, in und nach dem Kriege. (28 Seiten.)
8°. 1915. M. —.60

Friederichsen, Prof. Dr. Max, Die Grenzmarken des Europäischen Rußlands, ihre geographische
Eigenart und Bedeutung für den Weltkrieg. (148 Seiten.) 8°. 1915. M. 3.00
Friederichsen, Prof. Dr. M., Rußland in Zentral und Ost-Asien. [«Kownoer Zeitung 1918».]
(24 Seiten.) 1918. Vergriffen. M. —. 50
Friederichsen, Richard, Karte von Litauen in deutscher und litauischer Sprache. Nach
amtlichen Quellen bearbeitet. 1:750000. 1918.
Ausgabe A. Mit Namenverzeichnis (20 Seiten). M. 5.—
B. Ohne Namenverzeichnis. M. 3.—
Geographische Gesellschaft in Hamburg, Veröffentlichungen der. Gr. 8°.
Mitteilungen Band XXIX (IV u. 268 Seiten m. 47 Abb. a. 27 Tafeln u. 1 zweiblättrigen
Karte). 1916. Mit Anhang: Sitzungsberichte (59 S.). M. 16.—
Inhalt. Obst. Dr. Erich, Das ābflußlose Rumpfschollenland im nordöstlichen Deutsch-Ostafrika. Teil 1.
Mitteilungen Band XXX (IV u. 277 Seiten m. 3 Tafeln, 32 Textfig. u. 4 Karten) 1917
mit Sonderbeilage: Inhaltsverzeichnis von Band 1—30. 1917. M. 11.—
Inhalt. Brandt, Dr. B., Die tallosen Berge an der Bucht von Rio de Janeiro. — Quelle. Dr. O.,
Anthropogeographische Studien aus Spanien. — Barclay, Auf dem Kamelrücken durch das Land der
Wahabiten. — Barmm, Rektor R., Krieg und Erdkunde.
Mitteilungen Band XXXI (IV, 257 Seiten m. 16 Tafeln u. 19 Textfiguren) 1919. M. 12.—
inhalt. Schott, Prof. Dr. G., Geographie des persischen Golfes und seiner Randgebiete. — Rosenkranz,
Dr. J., Beziehungen zwischen den Schwankungen des Klimas und der Produktion in Australien. — Reche,
Prof. Dr. O., Abel Janszoona Tasmans Reise längs der Küste von Kaiser Wilhelmsland im Jahre 1643.
Grundriß, Enzyklopädischer, der Rechts- und Staatswissenschaften der Chinesen. Serie A.
Nr. 6 Michaelsem, Dr. Erich, Strafrecht, Besonderer Teil (125 Seiten). 4°. 1914. M. 6.—
Hassel, Hermann, Wirtschaftliche Aufgaben im Baltikum. (32 Seiten.) 8°. 1918. M. 2.—
v. Hedenström, Dr. phil. A. (Riga), Der russische Maximalismus. [«Kownoer Zeitung ».]
(31 Seiten.) 1918. Vergriffen. M. —.75
Karte von Antwerpen und Umgegend. Nach der belgischen Ceneralstabskarte (1: 100 000)
aus dcm Jahre 1910—1912 in Lichtdruck vervielfältigt. 43,5 × 49,5 cm. Farbdruck. 1914.
M. 1.00
Karte der französischen Gefangenenlager und hauptsächlichsten Hospitäler. Herausgegeben
vom Hamburgischen Landesverein vom Roten Kreuz. 1915. Farbdruck. Vergriffen.
Karte von Großbritannien, Italien, Japan und den überseeischen Ländern, in denen
sich Kriegs- oder Zivilgefangene befinden. Herausgegeben vom Hamburgischen Landesverein
vom Roten Kreuz. April 1917. Farbdruck. M. 1.—
Karte vom Europäischen und Asiatischen Rußland mit Angabe der hauptsächlichsten Orte,
in denen sich Kriegs- und Zivilgefangene befinden. Herausgegeben vom Hamburgischen
Landesverein vom Roten Kreuz. 5. ergänzte Auflage Dezember 1916. Farbdruck. M. 2.25
Karte des Kriegsschauplatzes in der Nord- und Ostsee 1914. 1:3500000 0 nebst
Plänen der wichtigsten außerdeutschen Handels- und Kriegshäfen. 49,5 × 78 cm. Farbdruck. 1914. M. 1.00
Karte von Afrika und den Mittelmeer-Ländern (1: 10 000 000). 101 × 78,5 cm. Farbdruck. 1914. M. 4.00
Martin, Dr. Rud., Die Haftung des Versicherers für Güter aus deutschen Schiffen in
italienischen und portugiesischen Häfen. Ein Beitrag aus der Praxis zur Lehre vom
Abandon in der Seeversicherung. (X u. 157 Seiten.) 1918. M. 6.—
Michaelsen, Dr. W., Beiträge zur Kenntnis der Meeresfauna Westafrikas. Gr. 8°.
Lieferung 2 (Seite 85—318 m. 13 Tafeln). 1914. M. 20.—
Lieferung 3 (Seite 319—518 mit 4 Tafeln u. 4 Abb. im Text). 1915. M. 18.—
Michaelsen, Dr. W., Beiträge zur Kenntnis der Land- und Süßwasserfauna Deutsch-Südwestafrikas.
Gr. 8°.
Lieferung 2 (Seite 183—307 m. 7 Abb. u. 2 Tafeln). 1914. M. 8.—
Lieferung 3 (Seite 313—376 m. 1 Tafel u. 1 Abb. im Text). 1915. M. 4.—
Lieferung 4 (Seite 380—452 m. 26 Abb. im Text u. 1 Tafel). 1916. M. 5.—
Band II, Lieferung 1 (seite 1—69 m. 28 Abb. im Text u. 1 Tafel). 1916. M. 5.—
Band II, Lieferung 2 (Seite 70—625 m. 6 Tafeln u. 110 Abb. im Text. 1918. M. 40.—
Meteorologisches Jahrbuch, Deutsches. Herausgegeben von der Deutschen Seewarte.
1912, Jahrgang XXXV. (VII, 176 Seiten) 1913. M. 12.—
1913, Jahrgang XXXVI. (IV, 80, Seiten) 1915. M. 12.—
Meteorologische Beobachtungen, Deutsch-Überseeische. Herausgegeben von der
Deutschen Seewarte.
Heft XXII (X, 278 Seiten). 1914. M. 4.00
Obst, Dr. Erich, Das abflußlose Rumpfschollenland im nordöstlichen Deutsch-Ostafrika,
Band I, siehe Geographische Gesellschaft, Mitteilungen Bd. XXIX.
Passarge, Prof. Dr. Siegfried, Die Grundiagen der Landschaftskunde.
Pauli, Gust., Der Krieg und die deutsche Kunst. Vortrag, geh. am 20. Nov. 1914 in der
Reihe der «Deutschen Vorträge Hamburgischer Professoren». (16 S.) 8°. 1915. M. —.50

Plan von Paris und Umgegend. Nach der französischen Generalstabskarte 1: 50 000 in
Lichtdruck vervielfältigt. 41 × 60 cm. Farbdruck. 1914. M. 1.50
Podesta, Marine-Generaloberarzt Dr. H., Wandtafeln zur Prüfung des Farbensinnes und der
Erkennung der Farbensinnstörungen. (8 Tafeln.) 1916. kart. M. 15.—
Rechtszeitung, Deutsch-chinesische. Herausgegeben von der Abteilung für Rechts- und
Staatswissenschaften der Deutsch-Chinesischen Hochschule, Tsingtau. In deutscher und
chinesischer Sprache.
III. Jahrgang, Nr. 9/10. 8°. 1914. M. 4.—
Schiefler, Landger. -Dir. Gustav, Unsere kulturelle Verantwortung nach dem Kriege. Vortrag,
gehalten in der Hamburgischen Kunstgesellschaft am 30. 9. 1914. (18 Seiten.) 1914.
M. —.50
Schlichting, Dr. R.' u. L. Osman, Bilder aus Litauen. (168 Seiten m. Abb. u. 1 Karte.)
Gr. 8°. 2. erweiterte Auflage. 1917. M. 3.—
Schott, Prof. Dr. G., Forschungsreise S. M. S. Möwe, „siehe «Aus dem Archiv der Deutschen
Seewarte. XXXVII, 1.»
Stichel, Dr. B., Argentinien, siehe Auslandswegweiser. Band 1.
Stichel, Dr. B., Argentinien als Absatzgebiet der Eisenbahnbedarfsindustrie. (120 Seiten.)
Gr. 8°. 1916. M. 6.—
Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg. 8°.
1913. Dritte Folge XXI. (106 Seiten, 3 Abb. u. 1 Karte.) 1913. M. 5.—
1914. Dritte Folge XXII. (35 Seiten.) 1915. M. 2.—
1915. Dritte Folge XXIII. (55 Seiten.) 1916. M. 3.—
1916. Dritte Folge XXIV. (132 Seiten.) 1917. M. 6.—
1917. Dritte Folge XXV. (40 Seiten.) 1918. M. 2.50.
Verhandlungen des Vereins für Naturwissenschaftliche Unterhaltung zu Hamburg. 8°.
1910/13. Band XV. (XLIII, 362 Seiten.) 1914. M. 8.—
Veröffentlichungen des Geographischen Instituts der Albertus Universität zu
Königsberg.
Gr. 8°.
Band 1. Dreyer, Dr. Joh., Die Moore Kurlands. (VIII u. 261 Seiten m. 4 Abb. im
Text und 1 farbigen Karte.) 1919. M. 20.—
Thilenius, Prof. Dr. G., Ergebnisse der Südsee - Expedition 1908—1910. Herausgegeben
von der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung. 4°.
II. Ethnographie: B. Mikronesien.
Völker-Verteilung in West-Rußland. (4 Seiten u. 20 Karten.) 33 × 42 cm. 2. Auflage.
1917. Hergestellt in der Druckerei Ob.-Ost. Vergriffen. M. 12.—
Vorträge, Deutsche, Hamburgischer Professoren 1914. 8°.
Je 50 Pfg., zus. geb. M. 6.—
Wolff, Prof. Dr. Wilhelm, Erdgeschichte und Bodenaufbau Schleswig-Holsteins. (VI, 119 Seiten
mit 4 Vollbildern u. 1 farb Karte.) Kl. 8°. 1919. M. 5.—





Date: (unknown) (Electronic edition revised November 2006) . Author: Herz, Max, 1856-1919 (Electronic edition revised LMS).
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